Kathedrale auf dem Wawel in Krakau
Kathedrale auf dem Wawel in Krakau
Flagge des 31. Weltjugendtags 2016 in Krakau
Flagge des 31. Weltjugendtags 2016 in Krakau
Krakau
Krakau

21.05.2016

Jugendliche aus aller Welt treffen sich im polnischen Krakau Weichsel, Wawelberg und Weltjugendtag

Krakau ist eine moderne Metropole an der Weichsel mit reicher Geschichte: Davon können sich im Sommer Hunderttausende Jugendliche und auch Papst Franziskus persönlich überzeugen.

Gemächlich schlängelt sich der Fluss vorbei an der Stadt. Er passiert den Schlossberg Wawel, die sagenumwobene Drachenstatue "Smok Wawelski", das jüdische Viertel Kazimierz und fließt dann weiter, der Ostsee entgegen. Die Weichsel gilt als die Lebensader Polens, und Krakau - die erste Großstadt an ihrem Lauf - als das Herz des Landes.

So zumindest beschreiben es seit Jahrhunderten polnische Dichter. Und auch der Volksmund lobt die Weichselmetropole in höchsten Tönen. "Krakau ist einfach einer der schönsten Orte in Europa", schwärmt der Krakauer Kunsthistoriker Jacek Urban.

Wawelschloss

Das haben längst auch andere erkannt: In den schmucken Altstadtgassen flanieren das ganze Jahr über Besucher: das Wawelschloss mit dem polnischen Pantheon wollen die meisten Touristen gesehen haben, und das alte jüdische Zentrum Kazimierz hat sich zu einem hippen Stadtteil mit einer reichen alternativen Kulturszene gewandelt. Krakau ist mit zehn Millionen Touristen die meistbesuchte Metropole zwischen Oder und Bug - und in diesem Jahr dürften zwei weitere Millionen dazu kommen: Vom 26. bis 31. Juli ist die Stadt Ausrichter des Weltjugendtages (WJT).

"Gäbe es nicht Rom, wäre Krakau Rom", lautet ein polnisches Sprichwort. Denn es gibt gleich mehrere Parallelen zur Ewigen Stadt. "Da wären etwa die ein halbes Dutzend Hügel", erklärt Wieslaw Pietrzak, Herz-Jesu-Priester aus Krakau. Die Ursprünge mancher der Erhebungen seien nicht bekannt oder erst in neuerer Zeit in Gedenken von Aufständen entstanden. "Wir haben aber auch 100 Kirchen in der Stadt, da kann man schon von einem zweiten Rom sprechen", sagt der Ordensmann voller Stolz.

Trotz aller Parallelen: Wenn es um die historischen Dimensionen geht, hinkt der Vergleich zwischen der Stadt an der Weichsel mit der Stadt am Tiber. Der Wawelhügel, auf dem heute das Schloss und die Kathedrale stehen, war zwar schon lange besiedelt; die Geschichte Krakaus aber begann mit der Gründung des Staates Polen erst Ende des 10. Jahrhunderts. Einer Legende nach begründete Stammesfürst Krak die Stadt über einer Drachenhöhle auf dem Wawelhügel. Den dort lebenden Drachen soll er vorher tapfer getötet haben.

Krönungsstadt der Könige

Von 1038 an war Krakau Krönungsstadt der Könige und damit Hauptstadt Polens. Sie prosperierte wie keine andere im Land. 1364 wurde dort - nach Prag - die zweitälteste Universität nördlich der Alpen gegründet. Aus dieser Zeit stammt auch der Marktplatz, mit 40.000 Quadratmeter einer der größten mittelalterlichen Plätze in Europa.

1489 vollendet der spätgotische Bildhauer Veit Stoß hier in der Marienkirche seinen berühmten Hochaltar. Seit 1608 ist der Hauptstadtstatus flussabwärts nach Warschau gewandert. "Krakau hat dennoch nicht aufgehört, für Polen wichtig zu sein", sagt Urban.

"Wie ein Prisma"

Denn während Polen im ausgehenden 18. Jahrhundert für über 100 Jahre von der Landkarte verschwand, bildete sich an der Weichsel die Keimzelle der polnischen Kultur - was bis heute nachwirkt. Maler wie Jan Matejko oder Stanislaw Wyspianski stammen von hier; ebenso eng sind die Namen von Dichtern wie Czeslaw Milosz oder Wislawa Szymborska mit der Stadt verbunden. Heute wird Krakau "heimliche Hauptstadt" genannt, auch weil der Zweite Weltkrieg und kommunistische Bausünden die mittelalterliche Bausubstanz unbeschadet ließen.

Die Stadt versprüht einen ganz eigenen Charme, der Schriftsteller wie Jan Sztaudynger zu Lobeshymnen wie "Krakau ist wie ein Prisma, durch das unser Heimatland schöner wird" bewog. Der wohl bekannteste Besucher in diesem Jahr dürfte aus dem Vatikan kommen: Papst Franziskus. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wurde von seinem Amtsvorgänger Johannes Paul II. 1992 zum Bischof von Buenos Aires ernannt. Wenn Franziskus nun nach Krakau reist, kommt er zugleich an die alte Wirkungsstätte des polnischen Papstes. Auf dem Programm stehen neben den WJT-Gottesdiensten auch das Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes - und Franziskus' Nachtquartier wird Karol Wojtylas ehemalige Bischofsresidenz sein. Dort ist auch das "Papstfenster", aus dem sich schon Johannes Paul II. und Benedikt XVI. bei ihren Krakau-Besuchen spontan gezeigt haben.

Hoffnung auf Geste von Franziskus

"Wir hoffen auf eine ähnliche Geste von Franziskus", sagt der Krakau Ordensmann Wieslaw Pietrzak. Da passe es gut, dass das erzbischöfliche Palais und damit das Schlafzimmer von Franziskus in der Franciszkanska-Straße sei, schmunzelt er. Wenn Pater Wieslaw nach einem seiner - profanen - Lieblingsplätze in Krakau gefragt wird, nennt einen Ort gleich unterhalb des Wawelschlosses: die Nachbildung des sagenumwobenen Waweldrachens. "Es steht für die Tapferkeit und das Geschick unseres Stadtgründers", sagt der Ordensmann. Da würde er auch gerne Franziskus vorbeiführen.

Der Flughafen Krakow-Balice wird von den meisten Großstädten in Deutschland direkt angeflogen. Krakau befindet sich an der (gebührenpflichtigen) A4 und ist damit gut mit dem Auto zu erreichen, von Berlin fährt täglich auch ein IC-Bus. Während des Weltjugendtages sind die meisten Hotels ausgebucht, zu anderen Zeiten ist das Hotelangebot aber üppig, Doppelzimmer sind schon für 50 Euro zu haben.

Ausflugstipp "Nowa Huta"

Wer in die Welt der sozialrealistischen Architektur eintauchen will, sollte sich den Stadtteil "Nowa Huta" ansehen. Neoklassizistische Arbeiterpaläste und breite Alleen kennzeichnen den Arbeiterbezirk, der in der Nachkriegszeit für die Belegschaft des örtlichen Eisenhüttenkombinats errichtet wurde. Er stellt ein sozialistisches Gegenstück zum katholisch-konservativen Krakau dar.

Karol Wojtyla erreichte hier nach langwierigem Widerstand 1977 die Fertigstellung der architektonisch anspruchsvollen "Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen". Mittlerweile haben sich hier die ersten hippen Cafes angesiedelt, und zaghaft erobern auch erste Touristen den Stadtteil.

Markus Nowak
(KNA)

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