Die Christus-Statue in Rio de Janeiro
Die Christus-Statue in Rio de Janeiro
Erzbischof Dom Orani João Tempesta
Erzbischof Dom Orani João Tempesta

17.05.2013

WJT-Gastgeber Erzbischof Tempesta im Interview Sehnsucht nach einer besseren Welt

Gut zwei Monate vor dem Weltjugendtag in Rio de Janeiro rechnet Erzbischof Dom Orani João Tempesta mit 2,5 Millionen Teilnehmern. Im domradio.de-Interview lädt der Gastgeber zu einem "Treffen mit Christus" ein.

domradio.de: Viele Eltern in Deutschland haben von der Gewalt in bestimmten Zonen Rios gehört und machen sich jetzt Sorgen, ihre Kinder dorthin zu schicken. Was sagen Sie diesen Eltern?

Tempesta: Gewaltprobleme gibt es ja überall auf der Welt, nicht nur hier bei uns. Also haben wir es mit einem leider nur allzu üblichen Phänomen zu tun. Aber die brasilianische Regierung hat in den letzten Jahren über das Justizministerium eine Kommission gegründet, die bei solchen Großevents die ganze Bandbreite der Sicherheitskräfte aktiviert und koordiniert, um eine größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Regierung alles ihr Mögliche tun wird, um die Sicherheit hier zu gewährleisten – schließlich kommt der Heilige Vater, und die Sicherheitsvorkehrungen für seinen Besuch werden ganz sicher abfärben – auch auf andere Bereiche. Schließlich wollen die Behörden beweisen, dass Brasilien, dass Rio sicher ist, dass man sich hier sicher bewegen kann. Schließlich wollen sie auch zeigen, dass die Fußball-WM im kommenden Jahr und Olympia 2016 zu stemmen sind.

domradio.de: Was läuft aktuell in Sachen Vorbereitungen auf den WJT?

Tempesta: Wir haben hier unser WJT-Büro, und das Wichtigste ist die Kommunikation - mit der Stadt Rio de Janeiro, mit dem Bundesstaat Rio de Janeiro, mit allen Behörden. Außerdem beschäftigt uns im Moment noch die Frage, wie man die Unterbringung der Jugendlichen am besten organisiert. Und wir sind dabei, ein Radionetz aufzubauen, das in sechs verschiedenen Sprachen die Copacabana und auch den Ort der Abschlussveranstaltung, Guaratiba, abdeckt, um auch über Apps weltweit kommunizieren zu können in dieser einen WJT-Woche.

domradio.de: Woher werden die meisten WJT-Gäste anreisen?

Tempesta: Es ist ja erst der zweite WJT überhaupt  in Lateinamerika. Alle anderen, bis auf den in Australien, aber der war für uns hier auch sehr weit weg, haben auf der Nordhalbkugel stattgefunden. Und da haben naturgemäß vor allem junge Leute aus Europa teilgenommen. Jetzt kommt der WJT nach 26 Jahren zum zweiten Mal nach Lateinamerika. Und wir werden wohl die umgekehrte Erfahrung machen. Aber wir haben immerhin schon Teilnehmer aus über 160 Ländern. Aber klar: Die allermeisten kommen dieses Mal aus Lateinamerika.

domradio.de: Warum machen sich junge Leute auch aus den USA und Europa auf den weiten Weg nach Brasilien?

Tempesta: Das ist doch klar – das ist die Natur des WJTs selber: Was uns da verbindet, ist ja das gemeinsame Ziel: die Sehnsucht nach einer neuen, besseren Welt. Dafür lohnt es sich, auch weite Wege auf sich zu nehmen. Außerdem glauben wir, dass viele Jugendliche einfach neugierig sind auf das Leben in Lateinamerika. Sie haben von den extremen Unterschieden zwischen Arm und Reich gehört und wollen jetzt sehen, wie die Menschen wirklich leben. Und außerdem gibt es bestimmt auch ein Interesse für den Kontinent, von dem der neue Papst stammt.

domradio.de: Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?

Tempesta: Es ist schwer, Zahlen zu nennen, weil wir uns ja nur auf die Einschreibungen stützen können. Das sind bisher (Stand Ende April, die Red.) um die 200.000 – und da ist es völlig klar, dass das bei weitem nicht die realen zahlen abbildet. Von diesen 200.000 kommt die Hälfte aus Brasilien, ein Viertel aus anderen lateinamerikanischen Ländern, wobei dort Argentinien die wichtigste Nation ist, das war schon vor der Papstwahl so. Wir bereiten uns mal auf 2,5 Millionen vor, die wir bei der Abschlussveranstaltung erwarten. Wir sind uns sicher, dass die Wahl eines Lateinamerikaners, eines Argentiniers zum Papst Einfluss haben wird auf die Teilnehmerzahlen. Aber da genauere Angaben zu machen – dazu ist es schlicht noch zu früh. 

domradio.de: Was wollen Sie hier in der Erzdiözese Rio de Janeiro mit dem WJT erreichen?

Tempesta: Wir möchten mit diesem WJT dazu beitragen, dass die Welt ein kleines bisschen menschlicher und friedvoller wird. Und da gelten unsere Hoffnung und unsere Aufmerksamkeit natürlich den Jugendlichen. Wir wollen sie zu den Protagonisten ihrer eigenen Leben machen, zu Architekten ihrer eigenen Zukunft. Und da erwarten wir von den Kirchenoberen, dass sie alles in Ihrer Macht Stehende tun, um die Jugendlichen dabei zu unterstützen. Das gilt natürlich auch für uns Bischöfe – und das muss immer das Ziel einer solchen Veranstaltung sein.

domradio.de: Was sagen Sie den deutschen WJT-Pilgern?

Tempesta: Es wird uns eine Freude sein, Euch junge Leute aus Deutschland hier in bei uns Brasilien willkommen zu heißen. Ihr sollt hier ein Treffen mit Christus erleben – und mit vielen anderen Jugendlichen aus der ganzen Welt. Was uns alle untereinander und auch mit dem Papst verbinden wird, ist der Wunsch nach einer neuen, nach einer besseren Welt. Ihr seid hier ganz herzlich willkommen zwischen dem 23. und 28. Juli – hier in Rio de Janeiro. Kommt bitte mit all euren Fragen und Sorgen und Anliegen. Die möchten wir mit euch teilen und auf diese Weise zusammen mit euch Zeugnis von der Auferstehung Christi geben.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

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