Krippenbesuche in Corona-Zeiten
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Domkapitular Dominik Meiering
Domkapitular Dominik Meiering

09.01.2021

Krippenbesuche in Corona-Zeiten "Wir alle sind von Jesus eingeladen"

"Krippche luure im Hillije Kölle" ist bekanntlich bei den Rheinländern eine beliebte Freizeitbeschäftigung. In der Regel kommt Familien dieses attraktive Ferienprogramm Anfang des Jahres sehr zupass. Doch diesmal ist es in Kölns Kirchen merklich stiller.

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Keine Tannenbäume, keine Blumenkübel, keine Lichterketten oder sonst eine Form von Dekoration. Wer die romanische Altstadtkirche Groß St. Martin betritt, ist immer wieder überrascht, welche Kraft von einem schlicht gehaltenen Kirchenraum ausgehen kann. Geradezu gefangen genommen wird man von der Einfachheit dieser klar gegliederten Architektur. Hier lenkt kein schmückendes Beiwerk ab, keine prachtvoll gestaltete Heiligenfigur. Stattdessen atmet jeder Stein jahrhundertealte Spiritualität. Das färbt ab. Niederknien möchte man. Still werden. Und beten.

Eine verstärkte Einladung dazu geht in diesen Tagen von der Krippe in der Ost-Apsis aus. Doch auch sie spiegelt nur das, was ohnehin schon Programm in diesem kargen Gotteshaus am Rheinufer ist: die Reduktion auf das Wesentliche. Die Gestalten auf den Treppenstufen, scheinbar aus schwerem Metall gegossen, in Wirklichkeit aber aus Ton geformt, sind ein Werk der Kölner Künstlerin Rosemarie Peters, die diese vor etwa 40 Jahren geschaffen hat. Sie sind der absolute Eye-catcher in diesen seltsam ruhigen Tagen zu Beginn des neuen Jahres. Ihre besondere Oberflächenbehandlung suggeriert mittels einer speziellen Lasur patinierte Bronze. Alle Figuren, von denen jede ein kleines Kunstwerk für sich darstellt, stehen im Halbkreis angeordnet und sind mit vielen liebevollen Details versehen, die erst auf den zweiten Blick sichtbar werden. Das Jesuskind in der Krippe, ein Fatschenkind, eingewickelt in seine Windeln, die gleichzeitig vorweggenommener Hinweis auf die Leinenbinden des später am Kreuz Gestorbenen sind, zieht alle Blicke auf sich und hat eine Art Sogwirkung auf den Betrachter.

Sr. Rebekka: Teil der Geschichte von Bethlehem werden

Liebevoll und demütig betrachten es seine Eltern; sie bejahen die Bürde, die ihnen Gott mit diesem Kind auferlegt und deren Schwere sie in der Stunde der glücklichen Geburt noch gar nicht begreifen. Wahrer Gott und wahrere Mensch. In diesem Säugling mit seinen ausgestreckten Armen erfüllt sich göttliche Verheißung. Das Kind ist das Zentrum. Es bildet das Herzstück dieser von Ferne fast schwarz wirkenden Gruppe. "Und es ist das Licht, auf das wir hinbeten und das uns in der Finsternis unserer Zeit aufstrahlt", erklärt Schwester Rebekka Laqua von den Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem. Auch hier – im Blickfang der Gemeinde hinter dem Altar und vor den romanischen Wandarkaden – zeigt sich der Verzicht auf jede Art von Zubehör. "Die ganze Kirche ist der bergende Stall", sagt die Ordensfrau. Und auch den Stern von Bethlehem sucht man hier vergebens. "Vielmehr schaut der Betrachter automatisch nach unten, auf das Kind", erläutert sie. "Das bringt Bewegung, geht auf die Besucher über und lenkt den Blick einzig auf diesen strahlenden Säugling, der seine Hände öffnet wie später der Erlöser."

"Weihnachten dürfen wir entgegennehmen, was uns geschenkt wurde, und Teil der Geschichte von Bethlehem werden", fährt sie fort. Allabendlich zur Komplet versammeln sich daher alle Schwestern und Brüder der Monastischen Gemeinschaften um die Krippengestalten und vervollständigen ihrerseits mit der Bildung eines weiteren Halbkreises das Rund. "Wir alle gehören doch dazu, bilden erst zusammen eine Einheit", betont Schwester Rebekka, "und sind mit Abbild der Wirklichkeit, die in diesem Weihnachtsgeschehen dargestellt wird."

Ausschwitz-Häftlinge mischen das heitere Genrebild auf

Noch augenfälliger wird die Teilhabe an der Menschwerdung Gottes im Kölner Karmel. Ein überraschend bunt gewandetes Völkchen tummelt sich hier am Schauplatz der Geburt Christi – diesmal allerdings weitaus kleinteiliger. Es sind Frauen in Trachten nach französischer Manier, die in geschäftiger Betriebsamkeit mit vollen Körben und Krügen ihren Pflichten nachgehen – wie auch die Männer, die fleißig Reisig zusammenpacken oder am Webstuhl ihr Tagewerk verrichten. Und Hirten, die im vermeintlich ländlichen Idyll über ihre Herde wachen. Selbst Clowns sind Teil dieses munteren Treibens.

Doch dann ist da mittendrin dieser Störfaktor, der das heitere Genrebild aufmischt: eine Gruppe von vier KZ-Häftlingen. Ihr wirr-verzweifelter Blick und die ausgemergelten Körper in der typischen Einheitskleidung des Vernichtungslagers wollen nicht so recht zu den übrigen Figuren passen. Einer der Gefangenen spielt Geige – rettet die Musik sein Leben? Ein anderer klammert sich an den Gefährten – ist er dem tödlichen Gas entkommen? Gebrochene Gestalten, die das Inferno überlebt haben? Sechs Millionen Juden – darunter Edith Stein, auf die sich die Anspielung des Krippenbauers bezieht – sind skrupellos-brutalen Mördern zum Opfer gefallen.

Krippe aus Süditalien steht heute im Kölner Karmel

Die zum christlichen Glauben konvertierte Jüdin ist in Auschwitz umgekommen. Auch daran kann eine Krippe erinnern. Gerade an diesem besonderen Ort. Für Schwester Ancilla Wißling jedenfalls ein sichtbares Zeichen dafür, dass ausnahmslos alle von Jesus zur Krippe eingeladen sind. "Hier wird niemand ausgeschlossen", betont sie. Nicht umsonst stehe über der Eingangstür zur Kirche der Karmelitinnen die unmissverständliche Aufforderung: Venite omnes – kommt alle!

Vor zehn Jahren ist bei den Schwestern völlig unerwartet ein großes Paket eingegangen. Ein Pfarrer aus Süditalien hatte verfügt, dass die Krippe, mit der er selbst so viele Jahre gelebt hat, Herberge im Kölner Karmel finden soll. "Es war ihm ein dringendes Anliegen, dass sie ausgerechnet zu uns kommt und hier, wo Edith Stein gelebt hat, aus Verehrung für sie aufgestellt wird." Für die 82-Jährige schließt sich damit ein Kreis. Denn vom Krieg und seinen Gräueltaten erzählt auch das barocke Jesuskind vor dem Altar, das unbeschadet den Bombenangriff auf Köln überstanden hat und nach dem Krieg aus dem Karmel in Lindenthal gerettet werden konnte. In einer Betrachtung schreibt Schwester Ancilla ermutigend dazu: "Es wird zum Zeichen weihnachtlichen Lichtes, inmitten von Tod, Untergang und gegenwärtiger Pandemie. Arm, ausgesetzt, herbergslos spricht es zu jedem: Ich bin da, wo du bist. Und für jeden Augenblick des neuen Jahres gilt diese Zusage."

Meiering: Die Menschwerdung Gottes ins Hier und Jetzt holen

Die Krippengeschichte neu ins Gespräch bringen wollte vor etwa zwölf Jahren auch Pfarrer Dominik Meiering, der – damals noch Stadtjugendseelsorger in Köln – nach einer passenden und zeitgemäßen Darstellung für das Jugendpastorale Zentrum CRUX suchte. "Es war mir ein Herzensanliegen, die Krippe so zu gestalten, dass sie vor allem auch junge Leute anspricht und die Darstellung der weihnachtlichen Botschaft für sie attraktiv ist", sagt der Koordinator des Sendungsraums Kölner Innenstadt heute rückblickend. Seine Idee, Familien dazu einzuladen, mit Lego-Steinen an einer solchen Krippe mitzubauen, zündete und setzte auf Initiative von Kristell Köhler, der damaligen Beauftragten in der Jugendpastoral, eine ziemliche Bewegung in Gang. Das Projekt stieß auf enorme Resonanz.

Dabei wurden schließlich nicht nur bereits fertige Bausätze verwendet, die Teile des Kölner Doms, das FC-Stadion, die Polizei- oder Feuerwehrstation, einen Weihnachtsmarkt und die CRUX-Kirche selbst zeigen, sondern auch Phantasiegebäude, die die Kinder und Jugendlichen nach eigenen Vorstellungen mit Lego-Steinen errichteten. "Das Tolle daran ist, die Krippe sieht in jedem Jahr anders aus und verändert sich immer wieder", schwärmt Meiering. Das gehöre mit zum Konzept.

In diesem Jahr steht die Krippe mit Maria, Josef und dem Jesuskind vor dem Haupteingang des Domes. Aber Jesus sei in der Heiligen Nacht auch schon mal an einer Bushaltestelle zur Welt gekommen, erzählt der Innenstadtpfarrer. "Es geht ja nicht darum, eine idyllische Szene zu zeigen, sondern die Menschwerdung Gottes ins Hier und Jetzt zu holen. Denn Weihnachten ereignet sich mitten unter uns – und vielleicht eben auch an einer Bushaltestelle."

Beatrice Tomasetti
(DR)

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