Bei einem Sankt Martinsumzug
Viele Regionen haben ihre Martinsumzüge schon abgesagt
Marco Schmitz (Mitte) als St. Martin
Marco Schmitz (Mitte) als St. Martin

27.08.2020

"Sankt Martin"-Darsteller über die Absage zahlreicher Umzüge "Das ist schon ein großer Verlust"

Die Sankt-Martins-Züge fallen wegen der Corona-Pandemie in vielen Regionen aus. Traurig finden das nicht nur die Kinder, sondern auch Marco Schmitz, der selbst den Heiligen Martin schon mal auf Umzügen verkörpert hat.

DOMRADIO.DE: Wie weh tut es, in diesem Jahr nicht als Sankt Martin in den Sattel steigen zu dürfen?

Marco Schmitz (Abgeordneter der CDU-Landtagsfraktion in NRW): Das ist schon ein großer Verlust. Ich habe viele Ehrenämter, bei denen ich im Brauchtumsbereich arbeite. Aber Sankt Martin ist wirklich eines der schönsten. Man reitet durch die Straßen - ich spiele meistens den Ritter, nicht den Bischof - und die Kinder schauen einem mit strahlenden Augen zu.

Wir haben einen sehr großen Martinszug hier in Düsseldorf-Gerresheim, an dem bei schönem Wetter durchaus mal fünf- bis sechstausend Teilnehmer da sind. Es ist natürlich ein großer Verlust, wenn man den Kindern dieses schöne Brauchtum nicht mehr näherbringen kann, weil es explizit unser christliches Menschenbild zeigt.

Jemand, der überhaupt nichts mit jemand anderem zu tun hat, hält an, teilt seinen Mantel, hilft ihm und möchte nicht mal ein “Dankeschön” haben. Diese Tradition nicht weitergeben zu können, das tut mir weh.

DOMRADIO.DE: Es finden wieder Konzerte statt. Auch über Fußballspiele mit Zuschauern wird diskutiert. Hätte man da nicht auch ein passendes Hygienekonzept für den Martinszug finden können? Schließlich findet das ja alles draußen statt.

Schmitz: Das ist gerade bei den Martinsvereinen schwierig, weil es ja von Ehrenamtlern getragen wird. Das ist anders als ein Konzert, das von einem Konzertveranstalter durchgeführt wird, oder bei einem großen Profi-Fußballverein, der seine Bundesligaspiele durchführt. Denn es sind ja oftmals Ehrenamtler.

Bei uns ist es ein Martinsverein, unterstützt vom Schützenverein. Ganz häufig sind es Schützenvereine, die das organisieren oder die Kirchengemeinde selbst. Das lastet natürlich auf den Schultern der Ehrenamtler. Ein Hygienekonzept zu erstellen und einzuhalten, ist natürlich sehr schwierig, weil man ja auch keine Zugangsbeschränkung machen kann.

Wenn Sie in der Düsseldorfer Altstadt erleben - in Köln wird das nicht anders sein – wie die Kinder sich dicht an die Zäune drängen, um möglichst nah dran zu sein, da hätten wir keinen Abstand mehr einhalten können.

Da haben dann viele Ehrenamtler gesagt: “Dieses Risiko ist zu groß. Das möchten wir, auch im Sinne der Kinder, nicht eingehen. Und deswegen sagen wir dieses Jahr ab.” Wobei es natürlich einige Lösungen geben wird.

Wir selbst werden es so machen, dass wir Ende Oktober wahrscheinlich die Mantelteilung von einem Kamerateam begleiten lassen, damit wir den Bürgerinnen und Bürgern hier vor Ort und den Kindern in den Kindergärten und Schulen zumindest das Videomaterial zur Verfügung stellen können. Dann können wir sagen: “Dieses Jahr wird Sankt Martin virtuell gemacht, wir können es leider nicht vor Ort machen, aber ihr habt wenigstens etwas davon.”

DOMRADIO.DE: Sie haben selbst Nachwuchs im “Sankt-Martin-Alter”. Wie erklären Sie Ihren Kindern, dass dieses Jahr kein Sankt Martin in gewohnter Form stattfinden wird?

Schmitz: Meine Söhne sind ein Jahr und vier Jahre alt. Der Kleine hat das natürlich selbst noch nie erlebt. Er hat es letztes Jahr gesehen, aber da war er noch sehr klein. Aber der Große ist auch immer mit dabei und freut sich, wenn er sieht, dass Papa wieder aufs Pferd steigt.

Er ist dann auch ganz stolz, wenn er sagen kann: “Der Sankt Martin ist mein Papa.” Das ist aber für die Kinder, glaube ich, inzwischen auch verständlich. Wenn man dann sagt: “Es ist abgesagt, du weißt doch warum”, und das Kind dann schon sagt “Corona”, dann ist das natürlich schlimm.

Er selbst wird ja noch was mitbekommen, das ist der große Vorteil, aber ich versuche trotzdem, es vielen Kindern weiterzugeben. Wir überlegen auch gerade im Martinsverein, wie wir den Kindern trotzdem etwas weiter geben können von dieser Tradition.

Viele werden zum Beispiel trotzdem die Martinstüten machen, damit die Kinder in den Schulen etwas bekommen und diese Tradition trotzdem bewusst und da ist.

DOMRADIO.DE: Kleiner Sprung ins nächste christliche Fest: Der Kölner Weihnachtsmarkt am Dom findet nicht statt. Es wird sicher nicht dabei bleiben, weitere Märkte werden folgen. Wie geht es Ihnen damit?

Schmitz: Das ist natürlich auch gerade für unsere Schausteller hier in Nordrhein-Westfalen ein riesengroßes Problem. Die haben die ganzen Schützenfeste schon nicht durchführen können. Bei denen herrschen natürlich Existenznöte.

Und auch für die Innenstädte ist das eine große Herausforderung, weil die Touristen, die aus den Niederlanden, aus Großbritannien, aus Frankreich und aus den anderen Beneluxstaaten kommen, natürlich auch nicht unbedingt zu den Weihnachtsmärkten kommen.

Da muss man jetzt gucken, wie man mit den Konzepten umgeht. Einige Städte haben schon überlegt, wie sie das umsetzen können. Teilweise wird es dort, wo es möglich ist, umzäunte Märkte geben. Da macht man eine Zugangsbeschränkung, es wird gezählt, wie viel Personen reinkommen. Die momentan geltende Regel erlaubt ja ungefähr eine Person pro sieben Quadratmeter. Da muss man schauen, dass man das nutzt, um die Weihnachtsmärkte durchzuführen.

Ansonsten wird man das entzerren können, aber ein Weihnachtsmarkt, wie wir ihn in den letzten Jahren erlebt haben, mit einer Glühweinbude, die brechend voll ist und an der man anstehen muss, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen in diesem Jahr.

DOMRADIO.DE: Gestern und heute waren und sind Plenarsitzungen im Landtag. Sind Martinszüge oder Weihnachtsmärkte da Thema?

Schmitz: Die steigenden Infektionszahlen sind natürlich ein Thema. Wir warten auch heute ganz gespannt auf die Videokonferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin, weil da sicherlich auch nochmal einiges diskutiert wird, gerade was die Großveranstaltungen betrifft. Da zählen diese beiden Punkte auch zu.

Bis jetzt ist es so, dass Großveranstaltungen bis zum 31. Oktober abgesagt worden sind. Wir gehen davon aus, dass es heute hoffentlich eine Entscheidung oder eine Einigung dazu geben wird, die die Länder dann umsetzen. Auch, damit die Veranstalter eine Sicherheit haben.

Das trifft ja genauso die Karnevalsveranstaltungen im Rheinland, die am 11.11. sind, bis zur Adventszeit mit den Weihnachts- und Adventsmärkten. Auf das Ergebnis warten wir. Das Andere sind natürlich auch die Weihnachtsmärkte und, dass man überlegen muss, wie man den Schaustellern helfen kann. Momentan bekommen sie Soforthilfe, aber das ist jetzt auch nichts, wovon man langfristig von leben kann.

Da müssen wir natürlich gucken, wie wir das schaffen, dass wir nicht im nächsten Jahr bei den verschiedenen Schützenfesten und Weihnachtsmärkten einfach keine Betreiber mehr haben. Das ist ein großes Problem.

Das Interview führte Tobias Fricke. 

(DR)

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