In einer Weihnachtsparade mitmarschieren
In einer Weihnachtsparade mitmarschieren

12.12.2019

"Winterparade" statt Weihnachten in Charleston? Kulturkampf im Bergarbeiterstaat West Virginia

Charleston im US-Bundesstaat West Virginia plante für dieses Jahr eine für alle Religionen offene "Winterparade". Die Bürgermeisterin nahm damit Abschied vom traditionellen Weihnachtsfest. Doch dann kam alles ganz anders.

Der Engel verkündete doch eigentlich Frieden auf Erden. Aber in den USA sorgt Weihnachten alle Jahre wieder für wenig festlichen Streit. Diesmal fand ein Battle im sogenannten Krieg um Weihnachten in Charleston statt, einer Stadt mit 48.000 Einwohnern im Bergarbeiterstaat West Virginia. Dort brachte das erste weibliche Stadtoberhaupt die religiös Konservativen gegen sich auf, als sie ankündigte, die traditionelle Weihnachtsparade umzubenennen.

Offen auch für Nicht-Christen

Bürgermeisterin Amy Goodwin lud in diesem Jahr zur "Winterparade" ein. Sonst blieb eigentlich alles beim Alten: Die Marschkapelle und der Weihnachtsmann im Schlitten, der Kindern am Straßenrand Süßigkeiten zuwirft. Allesamt mehr säkulare als religiöse Traditionen. "Ich wollte zeigen, dass Charleston eine einladende und integrative Stadt ist", begründete Goodwin ihre Einladung an alle Bürger der Stadt. Auch an die, die keine Christen sind.

Tatsächlich traf sie aber den Nerv der konservativen Christen ihrer Stadt. Die sehen in der Umwidmung einen Trend; ähnlich dem des Kaffeehausriesen Starbucks, der dieses Jahr auf seinen Bechern "Merry Coffee" statt frohe Weihnachten wünscht. Auch öffentliche Gebäude bekommen immer häufiger neutrale Glitzerbeleuchtung statt christlicher Symbolik. Traditionalisten sehen darin einen Angriff auf Weihnachten selbst.

Starbucks wünscht "Merry Coffee"

Dabei schreibt die US-Verfassung eine strikte Trennung von Staat und Religion sogar ausdrücklich vor. Goodwin bezieht sich darauf, dass der Staat nicht als Sponsor eines religiösen Feiertages auftreten soll. Privatunternehmen wie Starbucks verstehen es als eine Frage der Sensibilität, den großen jüdischen und muslimischen Minderheiten des Landes keinen Kaffeebecher mit dem Aufdruck "Frohe Weihnachten" in die Hand zu drücken.

Der "Krieg um Weihnachten" wird mit heiligem Ernst ausgefochten. Seit Donald Trump im Weißen Haus regiert, können die religiös Konservativen auf den US-Präsidenten als Mitstreiter zählen. "Wir werden wieder frohe Weihnachten sagen", hatte Trump 2017 angekündigt.

Im Fall Charleston schaltete sich sogar der Generalstaatsanwalt von West Virginia ein. Der Republikaner Patrick Morrisey empörte sich, Bürgermeisterin Goodwin laufe mit ihrem Plan "Amok", den Winter zu feiern statt Weihnachten.

Juden schätzten Umbenennung 

Die Befürworter der Winterparade standen der Bürgermeisterin eher zaghaft zur Seite. "Die Sache hat uns größten Kummer bereitet", so die Vizepräsidentin der lokalen islamischen Vereinigung, Sue Barazi. Die Syrerin, die seit fast 45 Jahren in Charleston lebt und mit ihren Kindern schon immer die Parade besuchte, begrüßte den Namenswechsel. Er sei ein Zeichen, das die Stadt offener und toleranter mache. Das sieht auch Rabbiner Viktor Urecki so. Die rund 250 jüdischen Familien der Stadt wüssten die Umbenennung zu schätzen.

Der öffentliche Druck auf die Bürgermeisterin stieg spürbar, als schließlich der Haussender des US-Präsidenten, Fox News, auf die Kontroverse einstieg und die Winterparade in Charleston zur jüngsten Front im "Krieg gegen Weihnachten" stilisierte.

Um den Festtagsfrieden zu retten, lenkte Goodwin "in Rücksprache mit den Religionsgemeinschaften" ein. Sie habe die Winter-Weihnachts-Debatte als verletzend und enttäuschend empfunden, bilanzierte sie. Doch sie habe bei der öffentlichen Diskussion viel gelernt. Sie "respektiere die Tradition", bleibe aber dabei, "dass alle eingeschlossen werden müssen".

Seit ihrem Rückzieher erntet sie nun Lob - auch von ihren Kritikern, die sie dazu beglückwünschten, aus der Winter- wieder eine Weihnachtsparade gemacht zu haben. Wenn auch mit ganz und gar säkularem Weihnachtsmann und Marschkapelle.

Thomas Spang
(KNA)

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