Weihnachtsbaum in Bethlehem
Weihnachtsbaum in Bethlehem
Erzbischof  Pierbattista Pizzaballa
Pierbattista Pizzaballa
Palästinensische Pfadfinder spielen während traditionellen Feierlichkeiten am 24.12.2017 vor der Geburtskirche in Bethlehem (
Palästinensische Pfadfinder spielen während traditionellen Feierlichkeiten am 24.12.2017 vor der Geburtskirche in Bethlehem (
Die Front der Geburtskirche in Bethlehem
Die Front der Geburtskirche in Bethlehem
Francesco Patton
Francesco Patton

24.12.2018

In Bethlehem beginnen Feiern zu Weihnachten Feierlicher Einzug

Mit dem feierlichen Einzug des Jerusalemer Patriarchatsleiters Erzbischof Pierbattista Pizzaballa haben am frühen Montagnachmittag in Bethlehem die Weihnachtsfeiern begonnen.

Bei sonnigem Winterwetter fuhr das Oberhaupt der Lateinischen Christen im Heiligen Land von der Jerusalemer Altstadt aus mit einem Autokonvoi über den israelischen Checkpoint in die knapp zehn Kilometer entfernte Geburtsstadt Jesu, wo er von der palästinensischen Bevölkerung begrüßt wurde.

Hunderte Pfadfinder mit Trommeln und Dudelsack begleiteten den Italiener, der wie im Vorjahr das letzte Wegstück durch die Bethlehemer Altstadt zu Fuß zurücklegte. Vom Krippenplatz zog Pizzaballa zusammen mit Bürgermeister Anton Salman, weiteren Politik- und Kirchenvertretern in einer Prozession zur Feier der Vesper in die katholische Katharinenkirche neben der Geburtsbasilika, die unter Kaiser Konstantin über der traditionell als Geburtsort Christi angesehenen Grotte errichtet wurde.

Treffen mit Abbas

Bereits in den Morgenstunden säumten zahlreiche Einheimische und ausländische Besucher mit bunten Luftballons die engen Gassen. Viele Kinder waren als Weihnachtsmänner verkleidet. Am Eingang der Altstadt demonstrierten muslimische und christliche Jugendliche mit Transparenten gegen die israelische Besatzung. Palästinensische Sicherheitskräfte sicherten den Zugweg.

Später wollte Pizzaballa mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammentreffen, der wie in den Vorjahren seine Teilnahme an der Mitternachtsmesse in der an die Geburtskirche angrenzenden katholischen Katharinenkirche angekündigt hat. Pizzaballa wird in der zentralen Christmette in einem traditionellen Ritus eine Figur des Jesuskindes auf jene Stelle legen, an der die Geburt Christi verehrt wird.

Schwierige Realität in der Region 

In seiner Weihnachtsbotschaft hatte Pizzaballa von einer sehr schwierigen Realität in der Region gesprochen, "mit Gewalt, politischen Problemen und Spannungen". Dies könne man nicht ändern, sagte er. "Aber wir können die Art verändern, unser Leben in dieser Situation zu leben, in unseren Familien, im kleinen Kreis." Er wünsche sich für 2019, "dass wir stolze, glückliche und frohe Christen bleiben".

Trotz einer angespannten Lage im Heiligen Land erlebten Bethlehem und die palästinensischen Gebiete in diesem Jahr einen Touristenboom. Von Jahresbeginn bis Ende November gab Bürgermeister Salman die Zahl der Pilger nach Bethlehem mit 1,09 Millionen an. Das israelische Tourismusministerium rechnet über die Weihnachtstage mit rund 150.000 christlichen Touristen. Gleichzeitig stieg nach Angaben der palästinensischen Tourismusministerin Rula Maayaa auch die Zahl der Übernachtungsgäste seit Jahresbeginn deutlich. Bei einer guten Auslastung durch das gesamte Jahr seien die Hotels seit Ende August und bis Jahresende ausgebucht.

Franziskaner: Christkind bringt Licht in Dunkelheit der Menschen

Der Kustos der Franziskaner im Heiligen Land, Francesco Patton, hat in seiner Weihnachtsbotschaft an die "blutigen Konflikte" im Nahen Osten erinnert. So hätten in Syrien und im Jemen Millionen Menschen ihre Heimat verloren, so der Ordensmann in dem am Freitag veröffentlichten Schreiben. Getrennt von der Familie, entwurzelt von der eigenen Kultur, seien viele zu unwillkommenen Flüchtlingen geworden.

Aber auch in anderen Regionen der Welt lebten Notleidende in Dunkelheit, schreibt Patton. Wirtschaftliche und ökologische Krisen bedrohten ganze Völker und verursachten immer neue Migrationswellen. Für die Betroffenen wiederhole sich die Erfahrung, die Maria, Josef und das Jesuskind gemacht hätten: "Nirgends gibt es einen Platz für sie." Allenfalls in Zelten fänden sie Unterschlupf.

Es gebe aber auch eine Dunkelheit, die - zu einem gewissen Teil - in jedem von uns zu finden sei: "die Dunkelheit der Sünde, der Gottesferne". Diese Art der Dunkelheit könne leicht zu einer Ablehnung des Mitmenschen führen, zu einer Ablehnung seiner Würde und seiner Daseinsberechtigung, so die Botschaft des Kustos. Das "Kind von Bethlehem" sei aber gekommen, "um die Nacht in jedem Einzelnen von uns zu erhellen", so Patton. In diesem Sinne wünsche er allen Menschen vom Geburtsort Jesu aus ein frohes Weihnachtsfest.

Geheimnisvolle Geburtskirche

Die Geburtskirche im Zentrum von Bethlehem ist eine der heiligsten Stätten der Christenheit. An der Stelle, an der Maria in einer Höhle Jesus geboren haben soll, wurde unter Kaiser Konstantin 326 der Vorgängerbau der heutigen Kirche errichtet. Der Hauptaltar der im sechsten Jahrhundert neu erbauten Basilika befindet sich über einer zwölf mal zehn Meter großen Grotte. Dort wird, markiert durch einen 14-zackigen Stern auf dem Boden, der Geburtsort Jesu verehrt. Der Eintritt in die Kirche erfolgt seit dem 16. Jahrhundert durch die nur 1,20 Meter hohe "Tür der Demut".

Die Geburtskirche ist Teil eines 12.000 Quadratmeter großen Komplexes von Kreuzgängen, Klöstern, Grotten und weiteren Kirchen. So ist die katholische Katharinenkirche direkt mit der Geburtsbasilika verbunden. Weiter gehören ein lateinischer, ein griechisch-orthodoxer und ein armenischer Konvent dazu. Die Basilika selbst wird von diesen drei Konfessionen gemeinsam verwaltet. Seit mehr als 1.600 Jahren leben hier Mönche. 2012 setzte die Weltkulturorganisation Unesco den Komplex der Geburtskirche auf die Liste des Weltkulturerbes.

Im Lauf der Jahrhunderte war das Gotteshaus, eine der ältesten komplett erhaltenen Kirchen überhaupt, immer wieder umkämpft, etwa zwischen Muslimen und christlichen Kreuzrittern. Nach dem Siegeszug des Islam im siebten Jahrhundert wurde die Stätte durch eine Anordnung des Kalifen Omar zu einem Bethaus für Christen und einzelne Muslime erklärt.

Die Zeit der Kreuzfahrer, die den Gebäudekomplex stark ausbauten, brachte Reichtum auch für die Stadt Bethlehem. Im 12. Jahrhundert wurden die Wände der fünfschiffigen Basilika mit kostbaren Mosaiken verziert. Sie gehören - neben 36 Säulen und fein gearbeiteten Bodenmosaiken aus dem Vorgängerbau des vierten Jahrhunderts - zu den vielen Kunstschätzen der Geburtskirche.

(KNA, dpa)

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