Ausstellung zu Christbaumschmuck im Deutschen Historischen Museum
Ausstellung zu Christbaumschmuck im Deutschen Historischen Museum

02.12.2018

Berliner Museum zeigt vielfältigen Weihnachtsbaumschmuck Kitsch und Kulturgut

Rote oder blaue Kugeln? Echte oder elektrische Kerzen? Die Frage nach der Dekoration für den Weihnachtsbaum kann durchaus für Konflikte sorgen. Eine Berliner Ausstellung zeigt den Schmuck im zeitgeschichtlichen Kontext.

Er kann ein vorweihnachtlicher Unruhestifter werden. Eine ungeahnte Falle für Familien, die sich eigentlich nach Harmonie und einer schönen Feier sehnen: der Weihnachtsbaum. Konkret: die Dekoration. An Kerzen, Kugeln und Lametta scheiden sich schon mal die Geister. Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin zeigt ab sofort den Baumschmuck im Kontext des jeweiligen Zeitgeistes seit dem 19. Jahrhundert. Dabei sind Engel, Hakenkreuze, der Jerusalemer Felsendom und Martin Luther.

Das Haus präsentiert rund 500 von etwa 7.000 eigenen Objekten zu dem Thema. Viele davon sind Alltagsgegenstände, die manchem banal vorkommen können, wie Kuratorin Regine Falkenberg erklärt. Im zeitlichen Kontext betrachtet spiegelten die Objekte aber auch politisch-ideologische Aspekte wieder. "Im kleinen Rahmen wird hier Geschichte sichtbar", sagt Falkenberg.

Weihnachtsbaum hat vergleichsweise junge Tradition

In diesem Sinne führt die Ausstellung durch über ein Jahrhundert. Denn: Der Weihnachtsbaum hat - ebenso wie das Weihnachtsfest - eine vergleichsweise junge Tradition. Gerade der Baum war lange Zeit nicht religiös konnotiert. Unabhängig vom Christentum hatte sich der Brauch entwickelt, zur Winterzeit einen geschmückten Baum aufzustellen. In der bürgerlichen Familie des 19. Jahrhunderts erlebte dessen Dekoration dann einen Aufschwung.

Der Rundgang führt weiter vom Ersten Weltkrieg und geschmückten Zweigen, die an die Front bei Verdun geschickt wurden, zum Zweiten Weltkrieg. Mit völkischen Runen, Hakenkreuzen auf Baumspitzen und Julschmuck versuchten SS und das Reichspropagandaministerium, das christliche Fest nationalsozialistisch zu überlagern. Einen anderen Weg ohne christlichen Schmuck suchte später ein SED-Genosse in der DDR. Er störte sich am Auftrag, die Straßen mit Engeln zu dekorieren. Das war die Geburtsstunde der - einem Engel sehr ähnlichen - "geflügelten Jahresendfigur" im Sozialismus.

In vielen Fällen überwiegt der Kitsch

Die Ausstellung zeigt auch: Über Geschmack in Sachen Weihnachtsbaum-Dekoration lässt sich streiten. Ob der Begriff Kunst angemessen ist? Fraglich. In vielen Fällen überwiegt der Kitsch. In jüngerer Zeit kommen auch Schrott oder Recyclingmaterialien beim alternativen Weihnachtsschmuck zum Einsatz.

Auch das Konfliktpotenzial von Weihnachten wird in der Ausstellung thematisiert. So greift sie das von Loriot geprägte Motto "Früher war mehr Lametta" auf. Es verweise auf Stress und Hektik an Weihnachten und darauf, "wie man sich ein Familienfest schönreden" könne, erklärt Falkenberg. Manche setzen mit Kerzen auf einem Kaktus ein Zeichen gegen Massenkonsum.

Welche Rolle spielt die Religion bei der Dekoration? Eine Vitrine zeigt: Baumschmuck ist nicht nur christlich. Reisen, Filme, Internet und Migration haben dazu geführt, dass auch Davidsterne und Chanukkaleuchter, Buddhas, ein Miniatur-Felsendom oder orientalisch anmutende Könige in den Zweigen hängen. Denn der geschmückte Baum gehört für viele Menschen zum Winter, egal ob Christ, Muslim, Jude oder Atheist.

Baumschmuck ist nicht nur christlich

In komprimierter Form fasst die Kunstinstallation "Weihnachtsverspannungen. Aus der Serie der zarten Alltagsmaschinerien" die Schau zusammen. Sie zeigt verschiedene regionale, zeitliche und handwerkliche Traditionen, die Einfluss auf den Baumschmuck haben. Angeordnet ist das Mobile in Form eines Tannenbaums. Eine golden verzierte ägyptische Sphinx, ein Fußball, ein graues Watteschwein aus der Zeit des Deutschen Reichs, ein Engel mit Kunststoffrahmen, in den das Auge einer Gasmaske eingesetzt wurde, Martin Luther oder ein grüner Plüsch-Dinosaurier tummeln sich an Drähten zwischen Nussknackern, bunt bemalten Kugeln und Sternen.

Ist der klassische Weihnachtsbaum bald Vergangenheit? Ein Objekt der Ausstellung kommt aus einer ganz anderen Richtung: Ein Schiff, das symbolisch nach Griechenland weist. In Athen wird der weihnachtlich geschmückte Baum vor dem Parlament seit 2013 durch ein erleuchtetes Boot ersetzt - als Zeichen für alle Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig nach Europa kommen und neu in der Gesellschaft sind.

 

Anna Fries
(epd)

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