24.12.2015

Wohlklang gehört zum Weihnachtsfest Musik ist Trumpf

Stargeiger Andre Rieu tut es, genauso wie Dorothee Oberlinger, eine der weltbesten Blockflötistinnen, oder der Organist in der Kirche nebenan. Sie alle musizieren regelmäßig - auch zur Weihnachtszeit.

Kerzenlicht, Plätzchenduft und Tannengrün: Weihnachten ist das Fest der Sinne. Und auf die Ohren gibt's: Musik. Kaum eine andere Zeit im Jahr dürfte für Millionen so eng verknüpft sein mit Melodien aller Art. Das bestätigt der Leiter des Hildesheimer Instituts für Liturgie und Alltagskultur, Guido Fuchs. Zu Teilen liege das am Fest selbst: Es waren schließlich die singenden Engel, die den Hirten auf den Feldern die Geburt Jesu verkündeten, erinnert Fuchs. In die Wohnungen der Menschen kam die Musik demnach vermehrt seit dem 18. Jahrhundert. Der Heilige Abend wurde im trauten Heim gefeiert. "Da wechselte die Liturgie von der Kirche in die Häuser und brachte die Lieder mit."

Gemeinsames Musizieren

Später, so der Buchautor, sei es dann das Bürgertum gewesen, dessen "Musizierfreude" das Fest bereicherte. Heute allerdings erinnert sich manch einer eher mit Unbehagen an den Kampf mit Klavier und Co. unterm Christbaum. Dabei, so meint Dorothee Oberlinger, eine der weltbesten Blockflötistinnen, könnte die gute, alte Hausmusik Ende Dezember in der ein oder anderen Familie einen Vorsatz zum neuen Jahr einläuten: mal wieder ein Instrument in die Hand zu nehmen und die Welt der Töne neu zu entdecken - gemeinsam. Denn Voraussetzung sei, dass auch die Eltern sich zusammenreißen und mitmachen, so Oberlinger. Sonst sterbe die Tradition eines Tages vielleicht ganz ab.

Die dreifache Echo-Klassik-Preisträgerin ist der festen Überzeugung, dass Musikmachen "total wichtig" ist. "Es ist eine Erfahrung in der Gruppe, es schult die Konzentration der Kinder, hinzuhören, aufeinander zu reagieren und nicht die ganze Zeit am Computer oder am Smartphone zu hängen." Ein anderer, der das Hohelied des gemeinsamen Musizierens anstimmt, ist Andre Rieu. Der Stargeiger stammt aus Maastricht, einer katholischen Ecke der ansonsten eher protestantisch geprägten Niederlande. Er schwört auf die Generationen verbindenden Kraft von - Kirchenchören. "Ich sage immer dem Publikum, wenn Sie möchten, dass Ihre Kinder Musikunterricht haben - bitte schicken Sie sie in einen Kirchenchor, das ist das allerbeste für ihre musikalische und soziale Entwicklung."

Andre Rieu gibt Weihnachten keine Konzerte

Er selbst verbringe die Festtage im Kreis der Familie, so Rieu. "Man hat mir schon Millionen geboten, damit ich irgendwo an Weihnachten ein Konzert gebe. Aber an Weihnachten bleibe ich zu Hause." Für die zahlreichen Fans des Geigers ein schmerzlicher Verlust. Wer mit dem zarten Schmelz des Rieuschen Klangkörpers nicht so viel anzufangen weiß, wird die Abstinenz des Meisters mit Fassung tragen. Die Geschmäcker sind so verschieden wie die Kompositionen vom klassischen Kirchenlied bis zur weihnachtlichen Schnulze.

Ein hinterhältiges Exemplar lauert derzeit auf Weihnachtsmärkten und in Kaufhäusern: Ohrwürmer, die einmal gehört, nicht mehr so schnell aus dem Kopf gehen wollen. "Bei 'Jingle Bells' und 'White Christmas' besteht schon eine hohe Infektionsgefahr", sagt der Kasseler Musikwissenschaftler Jan Hemming, der Ohrwürmer als ein "schwieriges Forschungsobjekt" bezeichnet. Sicher ist eines: Belastend wird es, "wenn uns der Ohrwurm gar nicht mehr loslässt".

Faszinosum Orgel

Andere Weisen können den Erkenntnissen des Fachmanns zufolge Abhilfe schaffen. Ein Tipp: der Gang in die Kirche ums Eck. Sowohl in den Gottesdiensten als auch in zahlreichen Konzerten läuft das größte Instrument der Welt in diesen Tagen zu Hochform auf. "Die Orgel ist ein Faszinosum, weil ihre Klänge so überirdisch und in gewisser Weise entrückt sind - und doch gegenwärtig", zieht Musikwissenschaftler Michael Kaufmann alle Register.

Der Experte der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands betont: "Weihnachten und die Winterzeit lösen bekanntlich im Menschen bestimmte Stimmungen aus." Da könne die Orgel unterstützend tätig werden. Wer schon einmal ein brausendes "Menschen, die ihr wart verloren" mit Orgel und den Stimmen von Chor, Solisten und der Gemeinde in einer voll besetzten Kirche erlebt hat, wird das vermutlich unterschreiben.

Joachim Heinz
(KNA)

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