Weihnachten in Bethlehem 2014
Weihnachten in Bethlehem 2014
Erzbischof Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem
Erzbischof Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem

24.12.2015

Gedämpfte Weihnachtsfreude im Heiligen Land Feiern ja, aber bitte verhalten

Die Christen im Heiligen Land haben ein schwieriges Jahr hinter sich. Tödliche Attacken von Extremisten haben eine neu Gewaltspirale in Gang gesetzt. Und dennoch gibt es auch Anlass zur Hoffnung - obwohl es Weihnachten dunkel werden soll.

Im Heiligen Land geht an Weihnachten das Licht aus. So wünscht es sich zumindest der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal. Um 19 Uhr sollen am Heiligabend für fünf Minuten die Weihnachtsbaumbeleuchtungen abgeschaltet werden im Gedenken an die Opfer von Gewalt im Nahen Osten und der ganzen Welt, regte Twal in seiner Weihnachtsbotschaft an. Zusammen mit seinen Gläubigen blickt der Jordanier auf ein schwieriges Jahr im Heiligen Land zurück.

Zeichen für den Frieden

In der Geburtsstadt Bethlehem setzte man bereits ein erstes Zeichen: Zum traditionellen Auftakt der Advents- und Weihnachtsfeierlichkeiten läuteten die Kirchenglocken für den Frieden. Am Heiligen Abend sollen statt der üblichen Rockkonzerte nur Weihnachtslieder vom Krippenplatz ertönen. Feuerwerk und allzu ausufernde Fröhlichkeit sollen auf Wunsch der Palästinenserbehörde unterbleiben.

Dabei gab es 2015 durchaus auch Grund zur Freude: Zwar stärkten Parlamentswahlen im Frühjahr die israelische Rechte - aus Sicht der arabischen Christen ein Schlag für die Zweistaatenlösung und einen möglichen Frieden. Gleichzeitig aber zog die arabische "Vereinte Liste" mit 13 Sitzen als drittstärkste Kraft in die Knesset ein. Die Heiligsprechung von zwei Palästinenserinnen durch Papst Franziskus und die Anerkennung des "Staates Palästina" durch den Vatikan im vergangenen Mai stärkten ebenfalls das Selbstbewusstsein der arabischen Christen im Heiligen Land. Wiederholt gingen sie in diesem Jahr für ihre Rechte auf die Straße.

So wehrten sich zum Schuljahresbeginn im Herbst die christlichen Schulen mit Streiks und Protesten gegen Budgetkürzungen und Ungleichbehandlung - und erreichten mit Beharrlichkeit eine Einigung mit den israelischen Behörden. Noch offen ist der Ausgang im Streit um die ebenfalls durch Sparmaßnahmen bedrohte christliche Gefangenenrehabilitation "Haus Gnade" in Haifa. Im "Fall Cremisan", der nach einem Urteil des Obersten Gerichts von April zunächst als gewonnen schien, erlitt die kleine christliche Minderheit einen Rückschlag: Das Gericht korrigierte im Juli seinen eigenen Spruch und gestattete Bauarbeiten an einem Teilstück der israelischen Sperrmauer auf privatem christlich-palästinensischem Land bei Beit Dschalla.

Rückgang beim Tourismus

Einen Rückschlag erlitt auch der Tourismus im Heiligen Land, vor allem in Bethlehem und Jerusalem ein wichtiges wirtschaftliches Standbein: Die Zahl der Übernachtungsgäste ging 2015 sowohl diesseits als auch jenseits der israelischen Sperrmauer zurück. Und trotz wiederholter Aufrufe der Kirchenführer zu Pilgerreisen ins Heilige Land und den Beteuerungen, die Pilgerwege seien sicher, sorgen sich Hotelbesitzer und Fremdenführer wegen ausbleibender Buchungen für die nächste Saison.

In Gaza, so sagt die kleine katholische Gemeinde vor Ort, sei es seit dem Krieg im Sommer 2014 erstaunlich ruhig. Dafür kommt der Rest des Landes seither nicht so recht zur Ruhe. Spätestens die tödliche Messerattacke auf eine jüdische Familie in der Jerusalemer Altstadt Anfang Oktober setzte einen Teufelskreis der Gewalt in Bewegung, dessen Ende nicht absehbar scheint.

Christen als Ziel aller Seiten

Neu in dem endlos scheinenden Konflikt ist, dass Christen ausdrücklich zum Ziel werden - von allen Seiten. Dabei blieb es nicht bei Worten wie auf den im Juli in Jerusalem gefundenen Flugblättern, auf denen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" den Christen mit Hinrichtung drohte. Ende Juni legten extremistische Juden Feuer im deutschen Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth und verursachten einen Sachschaden in Millionenhöhe.

Was für Tabgha gilt, mag für das Jahr 2015 der Heilig-Land-Christen allgemein gelten: Verglichen mit ihren Glaubensgeschwistern in Syrien oder dem Irak geht es ihnen recht gut. Aber, wie Patriarch Twal in seiner Weihnachtsbotschaft betonte: In Syrien wird sich das Schicksal der ganzen Region entscheiden.

Andrea Krogmann
(KNA)

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