10.01.2013

Der Weihrauch Eine Duftspur durch die Kulturgeschichte

Er gehört einfach dazu, wenn die katholische Kirche festliche Gottesdienste feiert. Vor allem aber prägt er auch die Weihnachtszeit, denn es waren vor allem die Sterndeuter an der Krippe, die den Weihrauch so berühmt machten. Duft und Rauch, die beim Verbrennen würziger Substanzen wie dem Weihrauch freigesetzt werden, haben die religiösen Rituale der Menschen seit Jahrtausenden begleitet.

Weihrauch war – neben Myrrhe und Balsam – in antiker Zeit sehr begehrt. Er wurde von weit her aus südarabischen Ländern transportiert und als kostbare Substanz mit Gold aufgewogen. Sumerer,  Babylonier, Perser, Ägypter, Griechen und Römer huldigten den Göttern in den Tempeln. Die Ägypter bezeichneten den getrockneten Harz des Baumes Boswellia sacra als „Schweiß bzw. Tränen der Götter“. Sie verwendeten den Weihrauch auch zur Mumifizierung. In arabischen Ländern dient er bis heute zur Desinfizierung.

Huldigung der Kaiser

Den römischen Kaisern wurde beim Einzug in die Stadt Weihrauch vorangetragen – als Zeichen der Huldigung, aber auch ganz praktisch gegen den Kloakengestank. Diese Herrscher ließen sich als „Dominus et Deus“, als „Herr und Gott“, verehren und verlangten Rauchopfer. Die Christen verweigerten diese Art Anbetung und gaben damit den Römern einen triftigen Grund, sie zu verfolgen. Erst mit dem römischen Kaiser Konstantin, der zum Christentum übergetreten war, änderte sich das. Die Bischöfe wurden zu Staatsbeamten, und jedem von ihnen mussten in der Kirche im Zeremoniell Lichter und Weihrauch vorangetragen werden. Der Altar wurde als Typus Christi inzensiert, auch das Evangelienbuch und die Opfergaben, und so wurde der Gebrauch von Weihrauch immer mehr mit dem Gottesdienst verwoben.

Heute kann man sich, vor allem an hohen kirchlichen Feiertagen wie dem bevorstehenden Weihnachtsfest, keinen Gottesdienst ohne Weihrauch mehr vorstellen. Um ihn zu verbrennen, wurden im Laufe der Jahrhunderte höchst kunstvolle Weihrauchfässchen mit christlicher Symbolik geschaffen, die oft in Museen gezeigt werden.

Weihrauch macht Gebete sichtbar

Symbolik spielt generell eine große Rolle. Wenn sich die weißen oder gelben Weihrauchkörnchen  in der Glut in feinen, weißen, dichten Rauch auflösen, entstehen besondere Dufträume. Sie grenzen sich als feierliche und herausgehobene Areale ab. „Mit dem aufsteigenden Rauch,“ so deutet es Dr. Hiltrud Westermann-Angerhausen, die ehemalige Direktorin des Schnütgen Museums Köln, „sieht man praktisch die Gebete und die Verehrung für Gott nach oben steigen“.  In vielen Stellen im Alten Testament werde der göttliche Wohlgeruch erwähnt und der Gläubige sogar mit exquisitem Duft vor Gott verglichen.

Weihrauch als Symbol der Gottgefälligkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Christentums. So sind diese Substanz und das Rauchfass als kleiner Feuerofen nicht nur sinnbildlich für das Erscheinen Gottes in der Welt zu sehen, sondern auch für seinen Tod, die Auferstehung und die Erinnerung daran im eucharistischen Opfer. Darüber hinaus finde man Weihrauch u.a. auch in der Dichtung, sagt Westermann-Angerhausen, und zwar als Metapher, als symbolische Formel. Das gehe quer durch das hohe Lied des Salomon bis zu den „Blumen des Bösen“ von Charles Baudelaire.

(Monika Lüpschen)

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