31.12.2012

Die Kirchen ermutigen zum Aufbruch Mit Gottvertrauen ins Neue Jahr

Trotz aller Sorgen sehen die beiden großen Kirchen am Jahreswechsel Grund zu Hoffnung und Dankbarkeit. Die Menschen sollten sich nicht von der Last des Alltags erdrücken lassen, gesellschaftliche Veränderungen seien möglich.

Die beiden großen Kirchen haben zum Jahreswechsel zu Zuversicht, Gottvertrauen und gesellschaftlichem Aufbruch ermutigt. Beim traditionellen Abendgebet im Petersdom mahnte der Papst die Christen, sich von der Flut bedrückender Nachrichten nicht entmutigen zu lassen. "Ein Christ ist ein Mensch der Hoffnung, auch und gerade angesichts der Düsternis, die oft in der Welt herrscht", sagte Benedikt XVI. Wer die Welt wirklich verstehen wolle, dürfe sich nicht allein auf Nachrichten stützen, sondern brauche auch Zeit für die Stille, in der Gott spreche.

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner blickte in seiner Predigt auf das kommende Jahr – 2013 findet in Köln der Eucharistische Nationalkongress statt. „Die Eucharistie ist ja das Geheimnis des Glaubens schlechthin.“ Sie werde bei der Heiligen Wandlung in jeder Messfeier "Mysterium fidei", "Geheimnis des Glaubens" genann“, so Meisner. "Sie schenkt uns den Durchbruch in die Weite Gottes."

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch sagte, trotz ihrer Sorgen hätten die Menschen in Deutschland allen Grund zu Dankbarkeit für Frieden, Freiheit und Sicherheit. Gottes Licht helfe, sich nicht von der Last und dem Dunkel des Alltags erdrücken lassen. "Wir dürfen dankbar sein, dass Europa trotz aller Kritik und Schwierigkeiten in der Finanzmarktkrise nicht auseinandergefallen ist", betonte Zollitsch, der Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz ist, in seiner vorab verbreiteten Silvesterpredigt im Freiburger Münster. Zollitsch repräsentiert 24,5 Millionen Katholiken.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sagte, die Menschen könnten immer wieder neu aufbrechen und die Gegenwart verändern. Man müsse sich nicht mit dem Alltag und der Welt zufriedengeben, betonte der Repräsentant von fast 24 Millionen evangelischen Christen. Schneider ist auch rheinischer Präses.

Die zunehmende soziale Spaltung gefährdet nach Einschätzung des Berliner Kardinals Rainer Maria Woelki den gesellschaftlichen Frieden. "Es gibt einige Gewinner, aber eine wachsende Schar von Verlierern", erklärte der katholische Erzbischof in seiner vorab veröffentlichen Silvesterpredigt in der Berliner Hedwigskathedrale. "Die Schere zwischen arm und reich weitet sich und könnte eines Tages brechen", unterstrich Woelki mit Blick auf soziale Proteste in mehreren europäischen Krisenstaaten.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann fragte nach der Zukunft der Europas. Was vor Jahren bei der Diskussion über eine mögliche europäische Verfassung versäumt worden sei, hole die Menschen nun ein. "Wir müssen uns viel zügiger, mutiger und schöpferischer fragen, welche Gestalt dieses Europa von den geistigen und ethischen Fundamenten her erhalten soll", sagte er in seiner Predigt im Mainzer Dom. Darüber müsse ohne Wahlkampfgetöse gestritten werden, um den Zusammenhalt zu wahren.

Der braunschweigische evangelische Landesbischof Friedrich Weber sorgt sich um die politische Kultur in Deutschland: "Es wird gestritten und beleidigt, auch um die Religion", sagte er an Silvester im Kaiserdom zu Königslutter. Das habe die Debatte um die Beschneidung genauso gezeigt wie die Diskussionen über die Sterbehilfe und Organtransplantation.

Eine "Kultur des Misstrauens" ist nach Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx verantwortlich für die Finanz- und Schuldenkrise. Dagegen verlangte er in seiner Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom die "Erneuerung lebensnotwendiger moralischer Selbstverständlichkeiten". Es sei erstaunlich, wie oft auch von Ökonomen und Soziologen ein Mangel an Vertrauen als Grundproblem der gegenwärtigen Krisen genannt werde. Wenn eine große Bank vom notwendigen Kulturwandel in ihren eigenen Reihen spreche, sei offensichtlich genau dies gemeint.

Die derzeitige Schuldenkrise ist nach den Worten des Trierer Bischofs Stephan Ackermann auch eine Vertrauenskrise. Ihr liege ein wechselseitig sich verstärkendes Staats- und Marktversagen zugrunde, sagte Ackermann der "Süddeutschen Zeitung". Das politische Handeln müsse deshalb darauf aus sein, das Vertrauen der Marktteilnehmer wiederzugewinnen. Auch innerhalb von Europa gelte es, Vertrauen zwischen wirtschaftlich stärkeren und schwachen Ländern zu schaffen. Bei der Suche nach Lösungen sollte dabei auf jeden Fall das Prinzip der Subsidiarität beachtet werden. Der Bischof plädierte dafür, Wirtschaftsethik zum Pflichtfach an betriebswirtschaftlichen Fakultäten zu machen.

Zugleich riefen die Kirchen zum Vertrauen auf Gott auf. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode mahnte die Christen zu mehr Entschiedenheit im Glauben. Jeder Christ müsse sich gerade in der heutigen Zeit der Glaubenskrise fragen, wem er folgen wolle und was er letztlich suche, sagte Bode in seiner Silvesterpredigt.

(KNA, epd, dr)

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