17.12.2009

Bischöfe zum Advent: Bischof Konrad Zdarsa, Bistum Görlitz "Geschmack auf Weihnachten machen"

Jeden Tag im Advent ein Bischofswort. Heute von Bischof Konrad Zdarsa aus dem Bistum Görlitz: "Wenn wir sagen: 'Das muss ich mir erst mal auf der Zunge zergehen lassen.' Damit meinen wir keineswegs irgendeine Art von köstlicher Speise, sondern immer, dass wir das, was wir eben gesehen oder gehört haben, noch einmal in Ruhe und Konzentration bedenken und auf seinen eigentlichen Gehalt und seine Tragweite überprüfen müssen."

Kurz gesagt, wir müssen erst einmal sehen, ob wir an dem, was wir gerade erfahren haben, Geschmack finden oder auch nicht. Wir müssen es erst einmal verkosten oder auch schmecken. Das lateinische Wort für die Weisheit "Sapientia" geht doch tatsächlich auf diese Tätigkeit zurück. Einem anderen Geschmack machen, ist alles andere als ein Kinderspiel. Nur ein wahrhaft edler Wein, der die Erwartungen, die mit der blumigen Sprache auf dem Etikett geweckt werden, nicht enttäuscht, wird vom Weinliebhaber auf die Dauer bevorzugt werden. In der Adventszeit will es die Kirche buchstäblich Geschmack auf Weihnachten machen. Das unüberbietbare Geheimnis der Menschwerdung unseres Herrn lässt es nicht zu, dass wir uns schon lange vorher von allzu Vordergründigem abspeisen lassen. Obwohl die Adventszeit in der lateinischen Kirche in ihrem Charakter nicht der österlichen Bußzeit gleichgestellt ist, rät uns die Kirche dennoch, in dieser Zeit mit allen Sinnen inne zu halten, um dann umso intensiver des höchsten Bundes gewahr zu werden. Bisweilen wird es uns ja sogar schmerzlich bewusst. Alle Feiern der Kirche sind nächst ihrer offenbahrungstheologischen und gnadentheologischen Dimension auch eine Frage des guten Geschmacks. Das ganze Kirchenjahr ist darauf ausgerichtet, dass wir immer mehr Geschmack am einzig Wahren, Gültigen und Ewigen finden. Davon zeugen nicht zuletzt die sogenannten O-Antiphonen, die in der Woche vor Weihnachten bei der Eucharistiefeier dem Evangelium und dem Stundengebet, dem Lobgesang Marias, vorgestellt werden. Mit dem ganzen Motivreichtum der Bibel verbinden Sie jeweils eine preisende Anrede des erwartenden Messias mit einer flehendlichen Bitte um sein Heil bringendes Kommen, sagt uns ein Liturgiewissenschaftler. Es verwundert uns nicht, wenn der Messias von der ersten dieser Antiphonen, die dem Magnificat vorangestellt werden, als die Weisheit angesprochen wird. Der Lobpreis der Gottesmutter, das Magnificat, steht geradezu exemplarisch dafür, was es heißt, sich das, was der Herr in der Geschichte an uns Menschen und an Maria getan hat, im wahrsten Sinn des Wortes auf der Zunge zergehen zu lassen. Maria selbst hat Geschmack an dem Einzigen, dem Gültigen, dem Wahren und Ewigen gefunden, wie kein anderer Mensch. In der Gottesmutter, so sagen uns die Theologen, hat die geschaffene Weisheit die volle Einheit mit der Unerschaffenen erlangt. In der christlichen Ikonografie ist Maria mit dem göttlichen Kind auf dem Schoß als Sedes Sapientiae - Thronsitz der Weisheit - zum Typus geworden. Können wir uns für das kommende Weihnachten etwas Besseres wünschen, als daran immer tieferen Geschmack zu finden?"

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