Altar in der Santa Maria dell'Anima Kirche in Rom
Altar in der Santa Maria dell'Anima Kirche in Rom

28.09.2021

Auslandsseelsorger lehnt Impfnachweis für Gottesdienste ab "Die Kirche muss jedem offenstehen"

Seit einem Jahr ist Michael Max Rektor der deutschsprachigen Kirchengemeinde Santa Maria dell'Anima in Rom und des Priesterkollegs. Corona habe die Gemeinde belastet, zu strenge Auflagen für die Gottesdienste sieht Max kritisch.

KNA: Zu Ihren Aufgaben gehört die Pfarr- und Pilgerseelsorge in der Ewigen Stadt. Sie haben im September 2020, mitten in der Covid-19-Pandemie, ihren Rektorenposten angetreten. Wie war das?

Michael Max (Rektor der deutschsprachigen Kirchengemeinde Santa Maria dell'Anima in Rom und des dortigen Priesterkollegs): Es war eine Herausforderung, aber so war ich auch von Anfang an in der Thematik drin und musste mich gleich mit gesetzlichen Pandemievorgaben auseinandersetzen. Und das lief relativ schnell sehr gut. Vor allem die Studenten haben sich innerhalb von zwei, drei Wochen an die Auflagen gewöhnt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass jemand unter der Situation besonders leidet.

KNA: Hatten Sie Covid-19-Fälle im Kolleg?

Max: Wir hatten vor Weihnachten fünf Fälle. Die wurden in Quarantäne geschickt und auf ihren Zimmern versorgt. Alle hatten kaum Symptome; aber es war für die Betroffenen mühsam. Einige musste sogar über Weihnachten in Quarantäne bleiben.

KNA: Wie blicken Sie mit dieser Erfahrung auf die kommenden Monate?

Max: Alle Studenten und das Personal sind mittlerweile geimpft. Daher erwarte ich, dass im Herbst eine gewisse Normalität zurückkehrt.

KNA: Wie sah es mit der Gemeindearbeit aus?

Max: Gott sei Dank war 2020 weiterhin einiges möglich, etwa der traditionelle Adventsbasar, die Senioren-Cafes und die Katechesen. Aber es war gebremst. Und ich hoffe, dass jetzt in den kommenden Wochen wieder Schwung ins Gemeindeleben kommt.

KNA: Ihr Vorgänger war klar gegen Gottesdienstverbote. Wie sehen Sie das?

Max: Rückblickend muss man freilich sagen, dass sich in Gottesdiensten in großen Kirchen wenige angesteckt haben. Aber am Beginn der Krise, wenn die Regierung wie in Italien zeitweise Präsenz-Gottesdienste verbietet, muss auch die Kirche mit Blick auf die Gesundheit solidarisch sein - auch wenn es ihr für die Gottesdienste schwerfällt.

KNA: Was würden Sie von einem Impf- oder Testnachweis für Gottesdienste halten?

Max: Grundsätzlich an der Kirchentür den italienischen «Green Pass» zu kontrollieren, kann ich mir nicht vorstellen. Die Kirche muss jedem offenstehen. Bei geschlossenen Gruppen wie einer Kommunion oder Hochzeit mit anschließender Feier müssen ja ohnehin alle «grün» sein.

KNA: In Kürze beginnt das neue Studienjahr. Welche Veränderungen hat es hier gegeben?

Max: Wir merken, dass es wieder normaler anläuft und wir mehr Anfragen auch von Gästen aus dem deutschsprachigen Raum erhalten. Grundsätzlich soll das Studienjahr in Rom in Präsenz beginnen, und die Studenten freuen sich darauf - auch wenn das virtuelle Lernen ganz gut funktioniert hat.

KNA: Geht nicht doch etwas verloren bei einem rein virtuellen Austausch?

Max: Doch, das schon. Gerade der globale Austausch - die Präsenz der Weltkirche - ist in Rom eine Besonderheit. Und das klappt online einfach nicht. Die Studenten sollen auch wieder Menschen treffen und einladen können.

KNA: Nicht nur Rom, die Weltkirche steht vor der im Oktober beginnenden Weltsynode. Welche Rolle spielt das für sie?

Max: Die Anima ist per se synodal. Bei der Gründung vor 600 Jahren ging es genau um den Austausch und die Brücke zwischen dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und dem Vatikan. Das heißt, der Dialog und die europäische Erfahrung ist Kern des Lebens hier. Was wir aus unserer Erfahrung bei der Weltsynode und in der ersten Phase einbringen können, das werden wir in den kommenden Monaten sehen.

KNA: Beschäftigt Sie auch der deutsche Synodale Weg?

Max: Natürlich ist das bei uns Thema. Und natürlich wird auch darüber gesprochen, wie spannungsgeladen das Thema ist. Grundsätzlich finde ich den deutschen Synodalen Weg sehr mutig, wobei Rom das parlamentarische Denken und den Fokus auf Abstimmungen eher kritisch sieht. Der Schlüssel wird sein, ob es klappt, die Weltsynode und den deutschen Synodalen Weg zusammenzubringen.

KNA: Wird bei Ihnen auch über Personalfragen diskutiert? Stichwort Kardinal Reinhard Marx, Kardinal Rainer Maria Woelki?

Max: Schon auch, aber das wird mit Distanz betrachtet. Und manchmal ist hier die Verwunderung über die päpstlichen Entscheidungen nicht ganz so groß wie in Deutschland.

KNA: Sie haben das erste Amtsjahr hinter sich und mindestens noch fünf Jahre vor sich. Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Max: Zunächst werden wir das 500-Jahr-Jubiläum von Papst Hadrian VI. (1459-1523), der in der Anima begraben ist, in den kommenden zwei Jahren begehen. Dann sind wir auch ein Wirtschaftsbetrieb und eine Stiftung. Da ist das Ziel, die Einbußen der pandemiebedingten Wirtschaftskrise wieder auszugleichen. Das dauert aber. Ansonsten möchte ich den europäischen Austausch mit den anderen Priesterkollegien stärken. Ich habe etwa mit dem Rektor des französischen Kollegs bereits das Gespräch gesucht; das will ich ausbauen. Wenn wir lediglich in unserer Geschichte leben, laufen wir Gefahr, ein Museum zu werden.

(KNA)

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