Erzbischof Georg Gänswein
Erzbischof Georg Gänswein
Erzbischof Georg Gänswein
Erzbischof Georg Gänswein
Erzbischof Georg Gänswein und Papst Franziskus (r.) (Archiv)
Erzbischof Georg Gänswein und Papst Franziskus (r.) (Archiv)
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. und sein Privatsekretär, Kurienerzbischof Georg Gänswein im Dezember 2015.
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. und sein Privatsekretär, Kurienerzbischof Georg Gänswein im Dezember 2015.
Georg (l.) und Joseph Ratzinger (m.) mit Erzbischof Georg Gänswein im Jahr 2008
Georg (l.) und Joseph Ratzinger (m.) mit Erzbischof Georg Gänswein im Jahr 2008

30.07.2021

Erzbischof Georg Gänswein wird 65 Jahre alt "Ich versuche, nicht mehr zu hadern"

Seit der Papst ihn aus der Präfektur des Päpstlichen Hauses verbannte, ist es ruhiger um Georg Gänswein geworden. Er ist weiter Privatsekretär des emeritierten Benedikt XVI. - und hofft auf eine Perspektive.

Am 30. Juli feiert Georg Gänswein seinen 65. Geburtstag. Für Bischöfe wie ihn kein so besonderer Tag; normalerweise gehen sie mit 75 in Ruhestand. Gleichwohl fühlt Gänswein sich ähnlich wie manche Rentner, wenn sie zum 65. in ein Loch fallen. Dabei wünsche man sich als Mittsechziger doch noch Perspektiven, sagt er im Gespräch.

"Heiliger Vater, geben Sie mir einen Rat: Was soll ich tun?", hatte Gänswein Mitte Januar 2020 den Papst gefragt. Damals gab es weltweite Aufregung um ein Buch von Kardinal Robert Sarah zum Priesteramt, das auch einen Beitrag des emeritierten Benedikt XVI. enthielt. Vielfach rezipiert wurde es wie eine Absage des Ex-Papstes an mögliche Überlegungen seines Nachfolgers zu "viri probati", also der Idee, bewährte verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Was vor allem an Aufmachung und Präsentation durch den französischen Verlag lag; aber auch Gänsweins Rolle wurde diskutiert.

Papst: Ab sofort zu Hause bleiben

Die Antwort des Papstes traf ihn wie ein Schlag: Er solle ab sofort zu Hause bleiben, brauche nicht mehr in die Präfektur zurückkommen: "Ich möchte, dass Sie mehr Zeit für Benedikt haben." Seither ist Gänswein weiter formal Präfekt des Päpstlichen Hauses, soll sich aber ausschließlich um den "Papa emeritus" kümmern.

Gänswein fühlt sich bestraft für etwas, was andere eingebrockt haben. Franziskus verneint eine Strafabsicht; er habe ihn nach all den Wirren lediglich aus der Schusslinie nehmen wollen. "Es waren schwere Monate", bekennt der Deutsche. In dem Punkt "ist und bleibt Franziskus für mich ein Rätsel". "Die Sache mit dem Sarah-Buch war vielleicht ungeschickt, aber ich habe nichts falsch gemacht", sagt Gänswein rückblickend.

Gänswein macht vitalen Eindruck

Sonst macht Georg Gänswein weiter einen vitalen Eindruck, wie man ihn über Jahrzehnte von "Don Giorgio" gewohnt war, wenngleich er nachdenklicher und verhaltener auftritt: "Ich versuche, nicht mehr mit meiner Situation zu hadern, und tue, was mein Auftrag ist", resümiert er.

26 Jahre lang ist der Badener inzwischen in Rom. Der junge Mann aus dem Schwarzwald, der Priester wurde, um als Pfarrer einer Landgemeinde zu wirken, ist heute Privatsekretär und Bezugsperson für einen emeritierten Papst. Dazwischen liegen Stationen als Diakon in Mosbach am Neckar, zwei Jahre als Kaplan im mittelbadischen Oberkirch sowie sechs Jahre Kirchenrechtsstudium in München.

Zunächst Saiers Privatsekretär 

Nach der Promotion wurde Gänswein 1993 Privatsekretär seines Erzbischofs Oskar Saier. Weil ein Jahr später der Nuntius in Deutschland drängte, das große Erzbistum Freiburg habe noch nie einen Priester an die Römische Kurie geschickt, wurde Gänswein der erste.
Als Mitarbeiter an der Gottesdienstkongregation bearbeitete er 1995 unter anderem Laisierungsanträge von Priestern. Nach einem guten Jahr holte ihn Kardinal Ratzinger in die Lehrabteilung der Glaubenskongregation. "Da war ich inhaltlich gefordert", sagt Gänswein.

2003 hoffte Ratzinger, endlich in Ruhestand gehen zu können. Weil sein damaliger Privatsekretär Josef Clemens in den Laienrat wechselte, wurde Gänswein dessen Nachfolger. Es sollte ein "Provisorium" sein. "Aber bekanntlich dauern Provisorien am längsten", kommentiert Gänswein heute schmunzelnd.

Wechsel in den Apostolischen Palast

Der weitere Verlauf ist bekannt: Mit der Wahl Ratzingers zum Papst im April 2005 wechselte Gänswein in den Apostolischen Palast. Im Dezember 2012, knapp drei Monate vor seinem Rücktritt, ernannte Benedikt XVI. ihn zum Präfekten des Päpstlichen Hauses. Als solcher war Gänswein für die offiziellen Termine des Papstes verantwortlich: Begegnungen mit Staatsmännern, Kardinälen und sonstigen Gästen.
Benedikts Rücktritt war für Gänswein ein Schock; er habe ihm damals abraten wollen, gestand er mehrfach.

Tagesablauf orientiert sich an Benedikt

Der Erzbischof ist ein Mann, der häufig offen ausspricht, was er denkt: So meldet er sich regelmäßig zu kirchenpolitischen Themen und zur Lage der katholischen Kirche, auch in Deutschland, zu Wort. Dabei liegt er mitunter quer zum dortigen kirchlichen Mainstream. Seitdem der Papst den Präfekten ins vatikanische Kloster "Mater ecclesiae" verbannte, ist es auch in der Öffentlichkeit ruhiger um Gänswein geworden.

Sein Tagesablauf orientiert sich weitgehend an dem des 94-jährigen Benedikt. Hin und wieder ist Gänswein unterwegs - zu Vorträgen und Priesterweihen etwa. Im August aber macht er erst einmal Urlaub. Und feiert im heimatlichen Schwarzwald den 65. Geburtstag nach.

Roland Juchem
(KNA)

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