Bernd Hagenkord SJ
Bernd Hagenkord SJ
Martin Stark SJ
Martin Stark SJ
Martin Stark und Bernd Hagenkord beim Katholikentag 2016
Martin Stark und Bernd Hagenkord beim Katholikentag 2016

26.07.2021

Weggefährte erinnert sich an Bernd Hagenkord "Nicht glatt, nicht einfach, aber sehr geradlinig"

Mit nur 52 Jahren ist der prominente Jesuit Bernd Hagenkord verstorben. Ob im Vatikan oder beim Synodalen Weg, er habe immer wieder mit sich, seinem Glauben und der Kirche "gerungen", erinnert sich ein langjähriger Weggefährte.

DOMRADIO.DE: Wie werden Sie Pater Hagenkord in Erinnerung behalten?

Martin Stark SJ (Leiter Abteilung Kommunikation & Fundraising für die Zentraleuropäische Provinz der Jesuiten): Ich habe ihn vor allem in Erinnerung als einen wirklich geradlinigen, ehrlichen Menschen, der auch gerungen hat, auch mit seiner Kirche. Auch mit seinem Orden, mit seinen Kommunität, wo er gelebt hat - aber der ganz ehrlich seinen Glauben gelebt hat und versucht hat, dies auch zu begründen, Antwort zu stehen, sich auch Kritik auszusetzen. So habe ich ihn in Erinnerung. Nicht glatt, nicht einfach, aber sehr geradlinig.

DOMRADIO.DE: Wie hat er denn sein Wirken in Rom verstanden, bei Radio Vatikan, als Journalist und Jesuit zugleich?

Stark: Er kam ja aus der Jugendarbeit in Hamburg. Er hat dort versucht, den Glauben zu leben in der Moderne, unter den Bedingungen der Großstadt, der weiten Welt, der vielen Kulturen. Und mit all diesen Eindrücken ging er dann nach Rom. Dort hat er als Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan natürlich auch die Aufgabe gehabt, so eine Art Papst-Erklärer im deutschen Raum zu sein. Also das, was in Rom gemacht, getan, gedacht wird, irgendwie zu vermitteln in die deutsche Kirche. Damit kamen große Erwartungen auf ihn zu. Denen hatte er sich gestellt. Das hat er angenommen, aber auch immer gesagt: Ich bin, der ich bin und ich verbiege mich nicht. Ich nehme diese Herausforderung an, aber ich sehe auch, dass dort in Rom manches nicht gut läuft, auch in den Strukturen. Ich kann mich erinnern, dass er immer sehr geklagt hat über die mangelhaften Strukturen im Radio oder auch im Orden oder im Vatikan natürlich. Und da hat er wirklich - das meine ich mit dem Wort "gerungen" - versucht aber dennoch irgendwie diese Aufgabe des "Papst-Erklärers" auch wahrzunehmen, die wirklichen Anliegen, die dahinter standen, auch darzulegen, zu argumentieren, dafür zu werben.

DOMRADIO.DE: 2019 ist er dann von Rom aus zurück nach Deutschland gekommen, hat in München eine Kommunität der Jesuiten geleitet und wird vor allem mit dem Synodalen Weg in Verbindung gebracht. Da war er als geistlicher Begleiter dabei. Da ist dieses Ringen wahrscheinlich auch wieder weitergegangen, oder?

Stark: Genau das sehe ich. Das ging dann eben genauso weiter, dass er dann gesagt hat: Ja, er nimmt diese Herausforderung an. Er war dann auch irgendwie ein bekannter Mensch in der Kirche. Die Bischöfe und das Zentralkomitee der Katholiken haben damals jemanden gesucht, der diesem Prozess, der ja mit ganz vielen Unwägbarkeiten verbunden war und auch noch ist, eine geistliche Dimension geben sollte. Das heißt ja übersetzt - diese geistliche Dimension -, dass man versucht, eine Offenheit da reinzubringen und Gott ins Spiel zu bringen und zu sagen der Prozess, der läuft nicht nach unseren Vorstellungen ab, sondern wir sind wirklich offen und schauen, was und wohin der Geist uns führen wird. So hat er seine Aufgabe eben, zusammen mit Maria Boxberg, im Synodalen Weg verstanden. Da sehe ich eben auch dieses Ringen,  diese Welten miteinander zu verbinden oder ins Gespräch zu bringen.

DOMRADIO.DE: 52 Jahre ist er nur alt geworden. Das ist nicht sehr alt. Er war schon längere Zeit schwer erkrankt. Wie ist er mit seiner Krankheit umgegangen?

Stark: Er ist einige Monate jünger als ich und von daher trifft mich sein Tod natürlich auch irgendwie nochmal besonders. Wir waren Weggefährten. Wir haben eine ähnliche Ordens-Biographie. Ich muss sagen, es fiel ihm auch nicht leicht, überhaupt diese Diagnose anzunehmen, damit umzugehen, sich auch zu verabschieden von bestimmten Dingen, die er nicht mehr machen konnte, Dinge abzugeben an andere. Das fiel ihm alles nicht leicht. Und dann schließlich auch anzunehmen, dass er sich auf den Tod vorbereiten muss. Auch das fiel ihm nicht leicht. Er hat da eben damit gerungen. Da sehe ich ihn wieder als jemanden, der sich dem gestellt hat. Nicht einfach und direkt, sondern ganz ehrlich und mit Zweifeln. Aber er hat sich dem gestellt und ist letztlich dem Ruf seines Herrn gefolgt.

DOMRADIO.DE: Was nehmen Sie persönlich von Pater Hagenkord mit, von den Gesprächen mit ihm? Was kann uns das Leben und vielleicht auch dieses Ringen von Pater Hagenkord mitgeben für unseren Lebens- und Glaubensweg vielleicht?

Stark: Ein Charakterzug war sicherlich auch irgendwie sein Humor. Er war sicherlich jemand, dem auch sehr viel Vertrauen entgegengebracht wurde. Dadurch, dass er so ehrlich, so transparent lebte, aus seinem Ringen auch kein Geheimnis gemacht hat. Dadurch hat er eben Vertrauen genossen. Bei uns im Orden, aber eben auch in der Kirche. Da war er deswegen, glaube ich, auch als Gesprächspartner geschätzt. Und was ich irgendwie so mitnehme, ist, dass er das verbunden hat mit einer großen Gelassenheit, aber eben auch mit einem Humor. Also ich glaube seinen Tod hätte er bestimmt noch mal in passende Worte irgendwie gekleidet, die sicherlich eine große Gelassenheit ausgestrahlt hätten, aber auch sicherlich eine Prise Humor.

Das Interview führte Gerald Mayer.

(DR)

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