Europas Bischöfe zwischen Dialog und Ausgrenzung mit Rechtspopulisten
Bischöfe in der Synodenaula (Archiv)
Michael Kardinal Czerny SJ
Michael Czerny SJ

17.07.2021

Kardinal Czerny fordert bessere Kommunikation von Synodalität "Wir müssen dazulernen"

Die gesamte Weltkirche soll sich am synodalen Prozess beteiligen, den der Vatikan für die kommenden zwei Jahre ausgerufen hat. Wie geht das, wenn das Konzept der Synodalität so schwer zu vermitteln ist? Fragen an einen Insider im Vatikan.

DOMRADIO.DE: Im Moment bereitet der Vatikan den weltweiten synodalen Prozess vor, der im Oktober beginnt und in zwei Jahren ein Meinungsbild der Weltkirche einholen will. Sie waren Sondersekretär der letzten Synode, der Amazonas-Synode von 2019. Was waren da Ihre Erfahrungen mit dem Prozess der Synodalität?

Michael Kardinal Czerny SJ: Der Prozess war sehr ertragreich. Das hat 2019 sehr gut funktioniert. Viele Teilnehmer waren davon bewegt, wie sich der Ablauf im Gegensatz zu früheren Synoden verändert hat. Es war also nicht nur eine gute Einzelveranstaltung, sondern auch unser Beitrag, das Konzept der Synodalität weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig war und ist uns aber auch bewusst, dass die Synode, die in den Medien dargestellt wurde, nicht viel mit dem zu tun hatte, was wir wirklich erlebt haben. Deswegen haben viele Menschen ein negatives Bild bekommen, besonders in den Sozialen Medien. Es hat sich so angefühlt, als ob es zwei Synoden gleichzeitig gab: Unsere, von der Innenperspektive, und die mit dem Blick von außen. Das ist eine völlig neue Gegebenheit, an die wir uns in der Kirche noch gewöhnen müssen. Da müssen wir dazulernen. Wie können wir das, was in der Synode tatsächlich passiert, so nach außen kommunizieren, dass das Gottesvolk – das für seine Informationen und Meinungsbildung ja auf die Medien angewiesen ist – trotzdem gut informiert ist und so am Prozess teilnehmen kann? Man darf das nicht als – Verzeihen Sie den Ausdruck – Kleinkram ansehen, weil es um ganz andere Interessen geht.

DOMRADIO.DE: Können Sie das erläutern? Was verstehen wir als Medien und Öffentlichkeit nicht?

Czerny: Es geht weniger darum, dass Sie etwas nicht verstehen, sondern eher darum, dass das ein kirchlicher Prozess ist, dessen Essenz wir nicht richtig kommunizieren können. Es geht um respektvolles Zuhören und darum, sich vom Heiligen Geist den Weg weisen zu lassen. Das ist essentiell, um als Synodenversammlung eine Frage in all ihren Dimensionen und Komplexitäten betrachten zu können. Wir müssen uns dem Heiligen Geist als Wegweiser öffnen und die Eingaben der vielen verschiedenen Stimmen hören. Nur so können wir unseren Weg finden. Das ist Synodalität. Es gibt einen Pfad, auf den uns Gott leiten will. Wir müssen uns gegenseitig helfen, um mit der Inspiration Gottes diesen Weg zu finden.

Es ist nicht einfach, das in den Medien zu vermitteln. Deshalb müssen wir da eine Kommunikation erlernen, die harmonisch ist, die Verständnis hat für das, was in der Synodenaula – und auch in der intensiven Vorbereitung – besprochen wurde.

DOMRADIO.DE: Sie haben gesagt, dass die letzte Synode zur Amazonasregion anders abgelaufen ist, als die Vorgängersynoden. Was hat sich da verändert?

Czerny: Das Schlüsselwort habe ich schon gesagt. Die Synode – in Vorbereitung und Durchführung – legt einen viel größeren Wert aufs Zuhören. Wir haben versucht im Vorfeld zu vermeiden, uns zu sehr auf fertige Konzepte oder Dokumente zu stützen. Natürlich gab es vorab Studien und theologische Reflektionen, um dem Prozess ein Fundament zu geben. Die Synode selbst war aber kein Prozess, um fertige Dokumente abzusegnen. Deshalb ist es so wichtig, diesen Weg gemeinsam zu gehen, unter der Führung des Heiligen Geistes.

Und – wie ich auch schon sagte – der Prozess beginnt bei weitem nicht mit dem ersten Tag der offiziellen Synode. Das passiert mehrere Jahre vorher mit dem Prozess des Hinhörens. Genau das haben wir in den vergangenen Jahren mehr und mehr gelernt.

DOMRADIO.DE: Aber es gibt auch die Kritik, dass der Prozess mehr wie ein politisches Parlament wirkt, als ein gemeinsamer spiritueller Weg. Das hat selbst Papst Franziskus gesagt, als er das postsynodale Schreiben "Querida Amazonia" veröffentlicht hat, und explizit einige Beschlüsse der Synode nicht aufgenommen hat.

Czerny: Das ist die wichtige Rolle des Heiligen Vaters. Nicht nur den Kern der Diskussion, sondern auch die Qualität der Beratungen zu beurteilen.

DOMRADIO.DE: Aber ist diese Gefahr der Politisierung real? Oder wird das nur herbeigeredet?

Czerny: Es ist ganz normale menschliche Natur, dass man nicht zuhören, sondern lieber von seinem eigenen Standpunkt überzeugen will. Die Beratungen, mit denen wir viel vertrauter sind, Parlamente, Kongresse in der Welt der Politik, legen viel mehr Wert auf Überzeugungsarbeit und Strategien, um Abstimmungen mit einer Mehrheit zu gewinnen. Das ist eine große Dimension der menschlichen Gesellschaft und auch eine wichtige Aufgabe der Volksvertretungen. Das ist aber eben nicht der Weg der Synodalität, und das müssen wir als Kirche lernen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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