Nuntius Alois Muench und Bundespräsident Theodor Heuss
Nuntius Alois Muench und Bundespräsident Theodor Heuss

09.03.2021

Vor 70 Jahren kam wieder ein Nuntius nach Deutschland Ein Seiteneinsteiger am Rhein

Der US-amerikanische Bischof Alois Muench war seit 1946 für Papst Pius XII. in Deutschland tätig, zunächst als Leiter einer Päpstlichen Mission in Kronberg/Taunus, ab März 1951 dann als erster Nuntius in der neuen Bundeshauptstadt Bonn.

Kopfschütteln im Vatikan: Als Papst Pius XII. (1939-58), selbst einst Nuntius in Deutschland, den 62-jährigen US-Erzbischof Alois J. Muench mit dieser Aufgabe betraute, setzte er auf einen Seiteneinsteiger in die päpstliche Diplomatie. Denn der am 18. Februar 1889 in Milwaukee/Wisconsin geborene Sohn deutscher Auswanderer war eigentlich "nur" Bischof der Diözese Fargo im entlegenen North Dakota an der Grenze zu Kanada. Am 9. März 1951 wurde Muench, der damals bereits seit fünf Jahren in Deutschland wirkte und die Nöte der Menschen kannte, vom Papst zum Apostolischen Nuntius ernannt. 

Eisenhower setzte US-Amerikaner durch

Beim Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa, General Dwight D. Eisenhower (1890-1969), hatten die Vatikan-Diplomaten erreicht, eine Päpstliche Mission in Deutschland zu errichten. Ziel war es, der Bevölkerung, den Heimatvertriebenen und den "Displaced People" - Menschen, die von den Nazis als Zwangsarbeiter verschleppt worden waren - besser helfen zu können.

Eisenhower setzte durch, dass der Leiter dieser Mission mit Sitz in Kronberg/Taunus ein Amerikaner sein musste. Die Wahl des Papstes fiel auf Muench, den er am 16. Mai 1946 zum Apostolischen Visitator "ad interim" ernannte. Die US-Bischöfe betrauten ihn mit der Leitung der Militärseelsorge im amerikanisch besetzten Teil Deutschlands. Weil der Bischof Sohn deutscher Auswanderer war, hatte er wenig Probleme, in Kontakt mit der Bevölkerung zu kommen, und diese wand sich in der direkten Nachkriegszeit oft genug um Hilfe bittend an ihn.

Eng mit der Entstehung der Bundesrepublik verknüpft

Muenchs Beförderung zum Nuntius wurde möglich, nachdem die Westalliierten vom Morgenthau-Plan, der endgültigen Zerschlagung Deutschlands, abrückten. Sie begannen, wieder Landesverwaltungen zu errichten, um den Aufbau der Wirtschaft zu fördern. Im Frühjahr 1948 machte die Sechs-Mächte-Konferenz in London den Weg frei für die Errichtung eines westdeutschen Teilstaates. Dies sei auch Muench zu verdanken, erklärte General Lucius D. Clay (1897-1978), als er sich 1949 als Militärgouverneur der US-Besatzungszone in Deutschland verabschiedete.

Muench habe dazu beigetragen, das amerikanische Volk wachzurütteln: "So konnte ein Wechsel zu einer Besatzungspolitik herbeigeführt werden, die unserem Nationalcharakter mehr entspricht als die anfängliche Politik der Bestrafung und der Rache" Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Mit der Gründung der DDR im Oktober 1949 war dann die Teilung besiegelt, die vier Jahrzehnte Bestand haben sollte.

Heiliger Stuhl hielt zunächst am Vorkriegszustand fest

Der Anfang der Vatikanvertretung war holprig. Am 21. Oktober 1949 ernannte der Papst Muench zum "Regenten der Apostolischen Nuntiatur im Deutschen Reich". Die saß in Eichstätt, wohin der letzte Reichs-Nuntius, Erzbischof Cesare Orsenigo (gest. 1946), mit seinem Personal Anfang 1945 vor den sowjetischen Truppen aus Berlin geflüchtet war.

Der Heilige Stuhl hielt an der mit Kriegsende diplomatisch erloschenen Nuntiatur fest und wartete erst einmal ab. Er signalisierte, im Fall einer Lockerung des Besatzungsstatus einen Nuntius bei der Bundesrepublik akkreditieren zu wollen, nicht aber bei der DDR. Die wieder aktivierte Nuntiatur solle - wie bis 1945 - für das gesamte Deutschland zuständig sein.

Am 4. April 1951 überreichte Muench in der Bonner Villa Hammerschmidt Bundespräsident Theodor Heuss seine Akkreditierung. Darin beglaubige ihn der Papst als Apostolischen Nuntius "beim deutschen Volk". Nach dem Umzug der Nuntiatur nach Bad Godesberg im Juni wirkte Muench fast acht Jahre lang am Rhein.

Zwei Besuche in der DDR waren möglich

Eines seiner Verdienste ist es, dass er mit der westdeutschen Nachkriegsregierung die Fortdauer der Konkordate regelte. Besuche im Osten Deutschlands, die ihm als Visitator in Kronberg verwehrt blieben, waren ihm als Nuntius zweimal möglich: 1954 kam er zur 1.200-Jahrfeier des Märtyrertods des Heiligen Bonifatius und 1957 anlässlich des 750. Todestags der Heiligen Elisabeth von Thüringen in die DDR.

Papst Johannes XXIII. berief Muench an die Kurie und erhob ihn im Dezember 1959 zum Kardinal. Damit endete seine Zeit als Nuntius in Bonn. Muench starb am 15. Februar 1962 in Rom - drei Tage vor Vollendung seines 73. Lebensjahrs.

Albert Steuer
(KNA)

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