Der Papst solle nicht alles allein bestimmen, befand schon das Zweite Vatikanum
Feierliche Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962
In der Kirche Sankt Paul vor den Mauern in Rom hängen Medaillons aller bisherigen Päpste
In der Kirche Sankt Paul vor den Mauern in Rom hängen Medaillons aller bisherigen Päpste

25.01.2021

Vor 62 Jahren wurde das Zweite Vatikanische Konzil angekündigt Die Kurie war fassungslos

Mit dem Zweiten Vatikanische Konzil wollte Papst Johannes XXIII. die Kirche Ende der 50er Jahre in die Gegenwart katapultieren. Auch wenn die Reformen des Konzils heute selbstverständlich sind, nicht alle waren damals davon angetan.

Rom, 25. Januar 1959: 17 Kardinäle und Papst Johannes XXIII. sind in St. Paul vor den Mauern versammelt. Eigentlich begehen sie den Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen – wie immer Ende Januar. Der Papst hält eine Ansprache und kündigt darin auf einmal völlig überraschend an, ein Konzil einberufen zu wollen. Nicht einmal 90 Tage ist er da im Amt.

Andacht oder Entsetzen?

Mit einem “eindrucksvollen, andächtigen Schweigen“ hätten die Kardinäle darauf reagiert, notiert Johannes XXIII. zwei Jahre später. Vielleicht mag es auch Entsetzen gewesen sein, denn längst nicht alle waren der Meinung, dass es an der Zeit für Reformen wäre.

Dabei war die Idee eines Konzils an sich nichts Neues. Die vorherigen Päpste Pius XI. und Pius XII. hatten eine Fortführung des Ersten Vatikanischen Konzils prüfen lassen, das 1871 auf unbestimmte Zeit vertagt worden war, nachdem der Kirchenstaat von Italien eingenommen worden war. Aber Johannes XXIII. wollte nichts Altes fortführen. Er wollte etwas Neues.

Warum gerade jetzt ein Konzil?

Ein Blick auf die Welt Ende der 50er Jahre: Der zweite Weltkrieg war seit noch nicht einmal 15 Jahren zu Ende. Der rasante technische Fortschritt machte sich breit, die modernen Medien hielten Einzug. Nicht umsonst gilt das Zweite Vatikanische Konzil als eines der ersten großen Medienereignisse. In seiner Rede zur Ankündigung des Konzils sprach der Papst eben davon, dass es in Kirche und Welt viel Gutes gebe, dass aber der Mensch seine Freiheit auch missbrauche. Und, dass moderne Annehmlichkeiten und technischer Fortschritt auch Versuchungen darstellen könnten.

Im Gespräch mit seinem Kardinalstaatssekretär Tardini soll sich Papst Johannes XXIII. nur wenige Tage vor seiner überraschenden Ankündigung gefragt haben: Was kann man tun, um der Welt ein Beispiel für Frieden und Eintracht zu geben? Und neue Hoffnung für die Menschheit? Die Antwort soll ihm dann direkt selbst über die Lippen gekommen sein: “Ein Konzil.“

Die beiden wichtigsten Stichworte dabei: “Aggionamento“ und “Approfondamento“: Wie muss die Kirche mit all ihren Traditionen auf die Herausforderungen der neuen Zeit reagieren?

Reaktionen seitens Kirche und Öffentlichkeit

Längst nicht alle Bischöfe sind mit den Plänen des Papstes einverstanden. In der Kurie herrscht Fassungslosigkeit. Der Bitte nach einem "vertrauten und vertrauenden Wort" bezüglich seines Plans, die der Papst in seiner Rede ausgesprochen hatte, kommen nur wenige nach. Auch zur Vorbereitung des Konzils setzt sich der Kurienapparat nur langsam in Gang.

In der breiten Öffentlichkeit hingegen wird diese Ankündigung äußerst positiv aufgenommen. Mit Spannung wird erwartet, welche Themen auf dem Konzil wohl in den Blick genommen werden, gilt doch die Kirche damals vielen als verstaubt. Nicht umsonst sagt man Johannes XXIII. nach, er sei der Papst, der die Fenster aufreißen und mal ordentlich durchlüften wollte.

Hannah Krewer
(DR)

Die neue App von DOMRADIO.DE

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Tageskalender

Radioprogramm

 15.05.2021
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Seligsprechung Pater Jordan
  • 40 Jahre Menschen für Menschen
  • Benefiz-Konzert von "Alte Bekannte"
11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

16:00 - 19:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

16:00 - 19:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

Lichterfeier aus Taize

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Himmelklar Podcast

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!