19.11.2020

Wofür stehen die neuen Bischöfe in Frankreich? "Sie werden die Kirche nicht revolutionieren"

​Mehr als ein halbes Jahr lang hatte es in Frankreich keine Bischofsernennung gegeben, obwohl manche Diözese länger vakant war. Seit August hagelt es Ernennungen. Doch die Namen sind in Deutschland wenig bekannt. Wer sind die Neuen?

Nantes, Arras, Lyon, Auch, Bayeux - seit in Frankreich ein neuer Nuntius amtiert, haben schon fünf französische (Erz-)Bistümer einen neuen Oberhirten bekommen. Fünf in drei Monaten, eine stattliche Zahl. Doch das ist erst der Anfang. Etliche weitere Bischofssitze sind vakant; andere werden es bald sein, weil der Amtsinhaber kurz vor seinem 75. Geburtstag steht und somit laut Kirchenrecht dem Papst seinen Amtsverzicht anbieten muss.

Von einem Umbruch ist folglich die Rede - ein Wort, das manch einer mit Reformen, gar einem Kurswechsel in Verbindung bringt. Womit sich eine Frage aufdrängt: Wer sind die Neuen?

"Nur" ein Weihbischof

Zunächst fällt eines auf: Vier der neu Ernannten waren zuvor bereits Bischof in einer anderen Diözese. Jacques Habert wechselt von Sees in der Normandie ins benachbarte Bayeux, Olivier de Germay vom korsischen Ajaccio nach Lyon. Olivier Leborgne, neuer Bischof im nordfranzösischen Arras, leitete zuvor die Nachbardiözese Amiens, Laurent Percerou, jetzt Bischof in Nantes, war zuvor Oberhirte im ländlich geprägten Bistum Moulins im Zentralmassiv.

Einzig Bertrand Lacombe, neuer Erzbischof von Auch in Südwestfrankreich, war bislang "nur" Weihbischof in Bordeaux.

Diese Art des "Verschiebebahnhofs" habe durchaus System, meint eine in Kirchenkreisen gut vernetzte französische Journalistin. Indem sich die Geistlichen von Bistum zu Bistum hochdienen und somit bewähren müssten, wolle man "Auffälligkeiten" an höherer Stelle vermeiden, wie sie in den 1990er und 2000er Jahren immer mal wieder vorgekommen seien. Der Fall des 1995 abgesetzten Bischofs Jacques Gaillot stecke manchen noch immer in den Knochen.

Viel erzählen zu den neuen Bischöfen kann allerdings auch die Expertin nicht. Der eine gilt als besonders naturverbunden, dem anderen liegt speziell die Jugend am Herzen, der Dritte wird als "dialogorientiert" beschrieben. "Groß aufgefallen ist aber bislang keiner von ihnen."

Keine konserativen Hardlinener

Vielleicht mit Ausnahme von Olivier Leborgne, dem neuen Bischof von Arras. 2018 debattierte er bei einer Veranstaltung der Landjugendbewegung mit einem Abgeordneten der linken Partei "La France insoumise" (Das unbeugsame Frankreich); eine Diskussion, die damals für einiges Blätterauschen sorgte und deren Transkript wenig später auch in Buchform erschien. 2019 wählte die Vollversammlung der französischen Bischöfe Leborgne zu einem ihrer Vizepräsidenten. Zudem ist er dort Vorsitzender der Katechese-Kommission.

Und wie steht es um die kirchenpolitische Ausrichtung der fünf Neuen? Auch hier weiß die Expertin nichts Spektakuläres zu berichten. Ein konservativer Hardliner sei jedenfalls nicht darunter, auch wenn der neue Erzbischof von Lyon und Primas Galliens in Medienberichten schon mal in die konservative Ecke gestellt worden sei. Umgekehr sei aber auch klar: "Das sind keine Leute, die die französische Kirche revolutionieren werden." Auch ein klassischer "Franziskus-Bischof" mit Sozialarbeiter-Charme sei nicht darunter.

Einen Trend aber zeigten die Bischofsernennungen: Die Personaldecke wird dünner. Immer weniger Geistliche trauten sich das Bischofsamt in diesen herausfordernden Zeiten noch zu. Im Fall von Lyon etwa, wo es zuletzt viel um Missbrauch und Vertuschung gegangen war, hätten gleich drei Kandidaten abgelehnt.

Und noch etwas stellt die Journalistin fest: Auch viele Katholiken hätten das Interesse an ihren Bischöfen verloren. Hätten Ernennungen vor 10 oder 20 Jahren noch zu Debatten im Kirchenvolk geführt, würden sie inzwischen meist schweigend quittiert. Entsprechende Artikel hätten in Online-Medien schlechte Klick-Zahlen.

Andreas Laska
(KNA)

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