Vollmond am Petersdom
Vollmond am Petersdom
Kardinal George Pell
Kardinal George Pell
Erzbischof Giovanni Angelo Becciu
Erzbischof Giovanni Angelo Becciu

23.10.2020

Neues vom Skandal um Pell und Becciu "House of Cards" im Vatikan?

Das nächste Kapitel im vatikanischen Finanzkrimi: Hat der geschasste Kardinal Becciu Zeugen bestochen, die in einem Missbrauchsskandal gegen seinen Widersacher Pell aussagten? Der Vorwurf liest sich wie Fiktion, ist aber knallharte Realität.

Die Vergleiche zu Spionagefilmen oder Nexflix-Thrillern à la "House of Cards" und "The Young Pope" werden in den vergangenen Wochen so häufig herbeigezogen, dass sie fast schon wieder ermüdend wirken. Schaut man sich die Vorwürfe an, die im Moment in der katholische Welt kursieren, gibt es aber auch kaum treffenderere Vergleiche als eine Crime-Fiktion.

Die Vorgeschichte

Eines Septemberabends meldet der Vatikan überraschend, dass der Präfekt der Heiligsprechungskongregation (und Substitut im vatikanischen Staatssekretariat) Angelo Giuseppe Kardinal Becciu nicht nur von seinen Ämtern zurücktritt, sondern auch seinen Kardinalstitel ruhen lässt. Ein vor dem Pontifikat von Franziskus quasi ungekannter Vorgang im Vatikan. Schnell kamen die Fragen auf: Was steckt dahinter?

Der Vatikan selber gab keine Gründe an. Italienische Medien sprachen nicht nur von spekulativen Finanzgeschäften in dreistelliger Millionenhöhe, sondern auch von persönlicher Bereicherung. Becciu soll Familienmitgliedern Geld aus Vatikantöpfen zukommen haben lassen. Nach italienischen Medienberichten vom Freitag ermittelt deshalb jetzt auch die italienische Staatsanwaltschaft gegen ihn.

Das wäre schon Skandal genug gewesen, wenn nicht auf einmal auch der australische Kardinal Pell wieder auf der Bildfläche des Vatikandramas aufgetaucht wäre. George Pell galt lange Zeit als oberster Finanzaufklärer des Vatikans, musste sich aber im vergangenen Jahr in seiner Heimat dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs stellen. Nach einer mehrmonatigen Haftstrafe - und dem Freispruch mangels Beweisen im Frühjahr - weilt Kardinal Pell nun seit kurzem wieder im Vatikan. War an den Vorwürfen am Ende gar nichts dran? Erste Stimmen vermuteten ein Komplott gegen Pell.

Die Widersacher

Zwei Personen, zwei Geschichten – die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, würde man in Rom nicht munkeln, dass Pell und Becciu große Widersacher, ja Feinde, im Hofstaat des Papstes seien. Die Logik würde bei "House of Cards" sicher nicht anders aussehen: Der eine Kardinal versucht Geld in die eigene Tasche zu schaufeln, der andere versucht den unlauteren Geschäften auf die Spur zu kommen.

Angeblich habe Franziskus den Finanzaufklärer Pell hinter verschlossenen Türen deshalb auch immer "der Ranger“ genannt, weil er so gnadenlose Aufklärungsarbeit leistete.

Bei Netflix-Dramen wie "The Young Pope“ wäre jetzt das Ende der Staffel erreicht, und wir müssten ein Jahr auf die Fortsetzung des Skandals warten. Im wahren Leben geht es ein wenig schneller: In dieser Woche kamen aus Australien neue Vorwürfe. Diesmal gegen Kardinal Becciu. Dieser habe Zeugen in Pells Missbrauchsprozess bestochen, um seinen Widersacher außer Gefecht zu setzen – und ihn möglichst lange im australischen Prozess zu binden.

Ungeklärte Geldbewegungen

Während des Pell-Prozesses waren ungeklärte Gelder in Millionenhöhe vom Vatikan nach Australien geflossen. Erst sprach mal von umgerechnet 700.000 Euro, inzwischen berichtet das Magazin "The Australian“ von 1.4 Millionen. Die italiensiche Zeitung "L’Espresso" vermutet, dass mit dem Geld entweder Zeugen beeinflusst, oder sogar eine Medienkampagne gegen Pell finanziert werden sollte. Mehrere australische Behörden sind jetzt dabei, diese Vorwürfe zu prüfen, meldet die Nachrichtenagentur "AP".

Am Dienstag habe eine Parlamentsabgeordnete sich an die australische Finanzaufsicht Austrac gewandt, die die Vorwürfe zu prüfen sollte. Diese sei dann in Kontakt zur australischen Bundespolizei, wie zur zuständigen "Victoria Police" getreten. Auf Anfrage von "Guardian Australia“ hat die regionale "Victoria Police" erklärt, sie würde nicht ermitteln, da sie kein "verdächtiges Verhalten“ feststellen könne. Die australische Bundespolizei wollte weder bestätigen, noch dementieren, ob sie in diesem Fall ermittle.

Und wie geht es weiter in der nächsten "Staffel" des Vatikankrimis? Es gäbe da noch eine ehemalige Angestellte von Becciu, die kürzlich vom Vatikan selbst angezeigt wurde, weil sie 600.000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll. Oder aber die europäischen Finanzermittler, die gerade wieder die Vatikanbücher überprüft haben. Der Stoff für die nächsten Episoden scheint gesichert zu sein.

Renardo Schlegelmilch
(DR)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Tageskalender

Radioprogramm

 22.09.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Zwischenbericht Vollversammlung der Bischöfe
  • Vor Bundestagswahl: Schüler nehmen an Juniorwahl teil
  • Das Kinderinterview mit Annalena Baerbock
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Vorschau: Am Donnerstag beginnt die Dreikönigswallfahrt
  • Wählen für Schüler: Die Juniorenwahl zur Bundestagswahl
  • Aktuelles zu Corona und der Politik
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Vorschau: Am Donnerstag beginnt die Dreikönigswallfahrt
  • Wählen für Schüler: Die Juniorenwahl zur Bundestagswahl
  • Aktuelles zu Corona und der Politik
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Himmelklar Podcast

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!