Papst Benedikt XVI. im August 2005 in der Kirche Sankt Pantaleon in Köln
Papst Benedikt XVI. im August 2005 in der Kirche Sankt Pantaleon in Köln
Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK)
Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK)
Weißer Rauch am 19. April 2005
Weißer Rauch am 19. April 2005

19.04.2020

Konklave zur Wahl Benedikts XVI. vor 15 Jahren "Nicht geplant und natürlich für alle unvergesslich"

Vor 15 Jahren hat das Konklave geendet, bei dem die Kardinäle einen Nachfolger für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. wählten. Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, war damals dabei und erinnert sich.

DOMRADIO.DE: Sie waren mit einer Gruppe Kölner Journalisten an diesem denkwürdigen Tag in Rom. Wie war das?

Matthias Kopp (Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz): Das ist unvergessen, damals war ich noch in meiner Funktion als Pressesprecher des nahenden Weltjugendtages vor Ort. Wir hatten damals in Köln ja das Problem, dass der Papst gerade gestorben war, wir alles auf Johannes Paul II. ausgerichtet hatten.

Mein Eindruck war, dass viele Journalisten in Köln aus dem säkularen Bereich, aber auch aus dem kirchlichen Bereich nicht immer ganz verstanden haben, warum manche Entscheidungen der Kirche so langsam liefen. Da habe ich gesagt, wir fahren nach Rom und ich erkläre zwei Tage lang den Vatikan. Dass ausgerechnet in diesen Tagen das Konklave stattfinden würde, war nicht geplant und war natürlich für alle unvergesslich.

DOMRADIO.DE: Wie haben sie dann den Beginn des Konklaves miterleben können?

Kopp: Wir hatten die Möglichkeit, dass die Journalisten an der Messe teilnehmen konnten, bevor die Kardinäle ins Konklave eingezogen sind. Das ist diese berühmte Messe im Petersdom gewesen, in der Kardinal Ratzinger eine fulminante Predigt gehalten hat. Da spürte man schon ein bisschen: Der könnte es durchaus werden.

Meine Journalistengruppe saß so schön platziert, dass wir nachher an einem Ausgang auch noch zufällig Kardinal Ratzinger trafen. Der begrüßte uns und wir haben noch miteinander gesprochen. Ich werde nie vergessen, wie ein Kollege vom Express zu Kardinal Ratzinger noch sagte: "Good luck!" – also "viel Glück". Dann gingen die Kardinäle ins Konklave und wir haben gewartet. Dann kam plötzlich weißer Rauch und wir standen auf dem Petersplatz.

DOMRADIO.DE: Schon einen Tag später wurde Kardinal Joseph Ratzinger dann zum Papst gewählt – Papst Benedikt XVI. aus Deutschland. Wie haben Sie davon dann erfahren? Auf dem Petersplatz?

Kopp: Wir standen, wie viele andere tausend Menschen, auf dem Petersplatz. Von den Journalisten waren viele noch nie in Rom gewesen und erleben jetzt das Ereignis aller Ereignisse. Dann weißer Rauch – natürlich diese angespannte Stimmung: Wer wird es denn jetzt? Es dauert ja immer etwas vom weißen Rauch, bis der Papst sich dann zeigt. 2005 war die Phase von Facebook, Twitter oder Durchstechen noch längst nicht so da wie 15 Jahre später – es wusste ja wirklich keiner, wer es werden würde.

Wir stehen also alle dort versammelt, und dann kommt der Protodiakon unter den Kardinälen auf die Loggia und verkündet den Papst. Ich sagte nur zu meinen Kolleginnen und Kollegen: "Großartig, Deutscher Papst zum Weltjugendtag nach Köln." Wir waren natürlich alle ganz aus dem Häuschen. Vor allem als Ratzinger dann auf die Loggia kam, waren alle sprachlos. Denn das Schöne war ja, dass wir ihn eineinhalb Tage vorher noch als Kardinal Ratzinger gesehen hatten. Jetzt sahen wir ihn, etwas weiter entfernt, als Papst Benedikt.

DOMRADIO.DE: War die Wahl für Sie eine Überraschung?

Kopp: Ja und nein. Einerseits keine Überraschung, weil sich durch diese Messe schon etwas abgezeichnet hatte und viele gesagt haben, es wird eine gewisse Kontinuität zu Johannes Paul II. geben. Da war Kardinal Ratzinger ein sicherer Garant dafür.

Andererseits war auch klar, es würde Gegenwind geben. Kardinal Lehmann, damals Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, war durchaus anderer Auffassung, wer Papst werden müsse. Er hatte ja damals schon am Konklave teilgenommen, und er hatte durchaus Hoffnung, dass es jemand aus einem anderen Erdteil werden könne. Umso bedeutender war, glaube ich, dass es dann nachher zunächst mal ein deutscher Papst wurde.

Aber nicht weniger eindrucksvoll war das Zeremoniell: Es gab nachher noch eine Pressekonferenz der deutschen Kardinäle, spät am Abend im Vatikan, zu der ich mit meinen Leuten auch hingegangen bin. Da saßen die deutschen Kardinäle und waren auch alle ganz aus dem Häuschen.

DOMRADIO.DE: Und dann haben Sie den neuen Papst quasi direkt zum Weltjugendtag nach Köln eingeladen. Wie waren die Reaktionen in Rom, die Sie miterlebt haben, um Sie herum?

Kopp: Sehr positiv. Das ist immer eine gewisse Euphorie, wenn der Papst gewählt wird. Die Menschen auf dem Petersplatz waren alle begeistert. Die Presse war nachher teilweise sehr verhalten. Nicht die deutsche Presse, die war ebenfalls aus dem Häuschen. Wir erinnern uns an den Titel der Bild-Zeitung: "Wir sind Papst!" – auf einer ganzen Seite.

Aber die britische Presse, daran erinnere ich mich noch, und auch die amerikanische Presse: "The German pope", "Watchdog", wurde immer gesagt, also der "Kettenhund" ist Papst geworden. Das war schon eher verhalten. Da muss man doch, glaube ich, sagen, dass es Benedikt XVI. gerade in den ersten Tagen seines Pontifikates gelungen ist, durch die herzliche Art auch auf Menschen zuzugehen und ganz viel Eis zu brechen. Damit konnte er auch viele in der internationalen Presse überzeugen, dass er der richtige Mann auf dem richtigen Platz ist.

DOMRADIO.DE: Jetzt liegen 15 Jahre dazwischen und auch ein neuer Papst. Wie blicken Sie heute auf diese zwei denkwürdigen Tage in der Ewigen Stadt zurück?

Kopp: Es waren unglaublich bereichernde Tage. Ich habe ja lange in Rom gelebt, wirklich vieles mitgemacht und viele Gottesdienste dort erlebt, aber Papstwahl und Konklave in der Form zu erleben, das war für mich völlig neu. Ich durfte es dann 2013 nochmal erleben, als ich die deutschen Kardinäle nach Rom begleitet habe in meiner neuen Funktion als Sprecher der Bischofskonferenz. Das waren großartige Tage damals in Rom.

Und das Tolle ist: Wenn ich heute noch Kolleginnen und Kollegen treffe, die damals mit mir vor 15 Jahren dort waren, dann sprechen sie mich als erstes auf diese Reise an – als bei unserer Reise der Papst gewählt wurde. Dann ist für uns natürlich das Spannende gewesen, dass nach der Wahl im April 2005 dann wenige Monate später Benedikt hier nach Deutschland, nach Köln kam, dann ein Jahr später nach Bayern und er dann 2011 noch einmal Deutschland besucht hat in Berlin, Erfurt und Freiburg. Das waren für mich tolle Jahre, in denen ich ihn sehr oft sehr hautnah erleben konnte.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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