Zwei Menschen reichen sich die Hände
Zwei Menschen reichen sich die Hände
Erzbischof Paul Richard Gallagher
Erzbischof Paul Richard Gallagher, vatikanischer Außenbeauftragter
Wang Yi, Außenminister von China
Wang Yi, Außenminister von China

16.02.2020

Überraschendes Außenministertreffen zwischen Vatikan und China Der zaghafte Händedruck von München

Die Nachricht kam wie aus dem Nichts. Eine Mitteilung des vatikanischen Staatssekretariats am Freitagabend um kurz nach 21 Uhr. Ihr Inhalt: das höchstrangige Treffen zwischen katholischer Kirche und China seit 70 Jahren.

Der Mail aus dem vatikanischen Presseamt beigefügt war ein Foto. Es zeigt Pekings Außenminister Wang Yi, der seinem vatikanischen Amtskollegen, dem Außenbeauftragten des Heiligen Stuhls, Erzbischof Paul Gallagher, die Hand reicht. Mit nicht ganz entspannten Gesichtern, ohne Lächeln, stehen beide im Flur eines Hotels oder Kongresszentrums.

Man sprach auch über Maßnahmen gegen den Coronavirus

Wo genau die bisher höchstrangige Begegnung zwischen Heiligem Stuhl und der Volksrepublik China stattfand, war der Mitteilung des Staatssekretariats nicht zu entnehmen. Nur, dass sich die beiden Diplomaten am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz getroffen hätten - auf neutralem Boden.

Themen des Gesprächs unbekannter Dauer waren demnach Maßnahmen gegen das Coronavirus sowie ein Meinungsaustausch "über interkulturellen Dialog und die Menschenrechte". Ebenfalls genannt: das "vorläufige Abkommen" vom September 2018 zur Ernennung von Bischöfen. Bis Samstagfrüh blieb dies die einzige Information. Erst Samstagmorgen berichtete auch die "Global Times", die internationale, englischsprachige Online-Version der Parteizeitung, über die ungewöhnliche Begegnung.

 "Durchbruch chinesisch-vatikanischer Beziehungen​"

Ihr zufolge ist das Treffen vorläufiger Höhepunkt einer "medizinischen Zusammenarbeit", die zu einem "Durchbruch chinesisch-vatikanischer Beziehungen" geführt habe. Anfang Februar war bekanntgeworden, dass der Vatikan angesichts der Coronavirus-Epidemie rund 700.000 Schutzmasken nach China geschickt habe. Damit wolle er die Bemühungen der Behörden gegen das Virus Covid-19 unterstützen, so die "Global Times".

Dazu zeigte sie ein Foto des Sozialbeauftragten des Papstes, Kardinal Konrad Krajewski, vor Paletten mit Masken, die für den Versand nach China vorbereitet werden. Gespendet wurden die Masken dem Bericht zufolge vom Heiligen Stuhl und von chinesischen Christen in Italien. Die Zeitung erwähnt auch das Gebet des Papstes am vergangenen Sonntag für die Opfer der Krankheit.

 

 

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua kam erst am Samstagmittag mit einer auf Freitag datierten Meldung. Dieser zufolge kann der Vatikan für Peking diplomatisch-strategisch nützlich sein. So könne der Vatikan nach Wangs Aussage "eine konstruktive Rolle spielen, indem er die internationale Gemeinschaft dazu drängt, Chinas Bemühungen zur Bekämpfung der Epidemie auf objektive, rationale und wissenschaftliche Weise zu unterstützen und mit ihr zusammenzuarbeiten".

Die "Global Times" zitiert Wang zudem mit der Bemerkung, das Abkommen vom September 2018 zur Ernennung von Bischöfen sei "bahnbrechend" und habe "positive Ergebnisse" erzielt. Der Vatikan hob lediglich "die Bedeutung des Provisorischen Abkommens hervor".

Repressionen gegen chinesische Christen

Aus Sicht von Kritikern lässt das Abkommen Chinas Christen im Regen stehen. Als schärfster Kritiker beschuldigte Hongkongs früherer Bischof, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, den Vatikan gar, Chinas Katholiken "den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen". 

Auch Menschenrechtsgruppen beklagen anhaltende Repressionen gegen Gläubige aller Religionen und scharfe Regulierungen ihrer Gemeinschaften. Und so finden sich die in der Vatikanmitteilung erwähnten "Menschenrechte" in chinesischen Meldungen nicht wieder.

Der vatikanische Pressedienst AsiaNews weist in einem Kommentar vom Samstag darauf hin, dass seit Unterzeichnung des "vorläufigen Abkommens" kein einziger Bischof neu ernannt worden sei. Zwei seither neu geweihte Bischöfe waren demzufolge schon vorher ernannt worden.

Werden diplomatische Beziehungen noch intensiviert?

Dessen ungeachtet scheinen Peking und Heiliger Stuhl ihre Beziehungen auch institutionell ausbauen zu wollen. Beobachter spekulieren über höherrangige Treffen auf vatikanischem oder chinesischem Boden. Da das vorläufige Abkommen im September ausläuft - zumindest nach Aussage der "Global Times", vom Vatikan gibt es keine solche Aussage -, könnte oder müsste es in den kommenden Monaten erneuert, modifiziert werden.

Im Jahr 1951 hatten Chinas Kommunisten die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl gekappt und den damaligen Nuntius Antonio Riberi des Landes verwiesen. Und so ist der Vatikan einer der wenigen, die noch diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhalten; Peking hingegen betrachtet den Inselstaat als abtrünnige Provinz. Dieses Thema aber scheint in den jüngsten Gesprächen (noch) keine Rolle zu spielen.

Von Roland Juchem

(KNA)

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