Papst Franziskus bei einer Zeremonie mit Indigenen aus dem Amazonasgebiet
Papst Franziskus bei einer Zeremonie mit Indigenen aus dem Amazonasgebiet
Papst Franziskus hat ein Schreiben zur Amazonassynode verfasst
Papst Franziskus hat ein Schreiben zur Amazonassynode verfasst

13.02.2020

Vatikan-Experte ordnet Papstschreiben ein Der Charme des Widersprüchlichen

"Die Tür für die Priesterweihe von verheirateten Männern ist im Pontifikat von Papst Franziskus zu", sagt Stefan Kempis von Vatican News. Er hat die Ereignisse im Vatikan verfolgt. Warum ist das Papstschreiben so zwiegesichtig ausgefallen?

DOMRADIO.DE: Welchen Eindruck macht der Franziskus-Text auf Sie?

Stefan Kempis (Vatican News): Es macht schon Freude ihn zu lesen, wenn man sich ein bisschen an diesen Duktus gewöhnt. Diese Texte haben ja auch etwas Sperriges, da haben viele mitgewirkt. Aber es ist schon ein sehr interessanter Text. Es geht nicht um den Zölibat, um das offensiv zu sagen. Aber wenn man nicht alles nur unter dieser Zölibats-, Laien- oder Frauenlupe sieht, sondern darauf achtet, wir er zum Beispiel einen sozialen Schrei des Amazonas hörbar macht, dann ist das schon ein spannender Text. Ganz anders, als man es unmittelbar nach der Synode erwartet hat, das stimmt allerdings auch.

DOMRADIO.DE: Welche Reaktionen gibt es denn bislang aus dem Umfeld des Vatikan darauf?

Kempis: Der Vatikan sagt, man solle bitte nicht so tun, als sei jetzt noch irgendetwas offen. Die Tür für die Priesterweihe von verheirateten Männern ist jedenfalls in diesem Pontifikat von Papst Franziskus erst einmal zu. Was nicht heißt, dass die Debatten nicht weiterlaufen und ein Nachfolger später das vielleicht auch anders sehen darf. Der Vatikan bittet, man solle das ganze Dokument lesen und wahrnehmen, dass das Schlussdokument der Synode, in dem ja eine ganze Reihe von interessanten Vorschlägen stehen, nicht ersetzt worden ist, sondern dass der Papst dies ausdrücklich stehen lässt. Da könnte man natürlich sagen, dass das ein bisschen unentschlossen wirkt.

DOMRADIO.DE: Was gilt denn jetzt? Die Vorschläge der Amazonassynode oder das, was jetzt der Papst schreibt?

Kempis: Das gehört auch zu diesem Zwiegesichtigem in diesem Pontifikat, dass auch mal das eine und das andere nebeneinander steht, und wir, die wir alle immer gerne alles ein bisschen eindeutiger hätten, knabbern da natürlich herum. Aber das hat auch seinen Charme.

DOMRADIO.DE: Es überrascht, wie sehr Franziskus den Abschlusstext der Amazonassynode gelobt hat, aber dann auf das Thema Zölibat überhaupt nicht richtig eingeht, obwohl es ja durchaus in diesem Text thematisiert wurde. Warum spricht er das überhaupt nicht an?

Kempis: Gute Frage. Auf mich selber wirkt das wie eine Leerstelle, sodass mein Gefühl beim ersten Lesen war, dass das auch bedeuten könnte, dass da auch mal was kommen könnte, was sich dann nur mit diesem Thema beschäftigt. Ich dachte, vielleicht hat der Papst das hier weggelassen, damit nicht alle nur darauf starren und die anderen wichtigen Dinge zum Thema Amazonien untergehen.

Viele im Vatikan sagen mir aber, so sei das nicht gemeint. Der Papst strebe höhere Ziele an als immer nur diese Erwartungen und Fragen zum Zölibat, zu Frauen, zu Laien. Er wolle das Missionarische, den Schwung, die Vorwärtsverteidigung, wie schon in seinem ersten Grundsatzschreiben Evangelii gaudium. Er wolle nicht das Abarbeiten einer Agenda in einiger Unzufriedenheit, bis wirklich jeder Punkt gelöst ist. Das zielt zu kurz, scheint der Papst zu denken: Wir brauchen ein Gesamtpaket, das uns vorwärts bringt. Auf dem Weg werden sich dann auch kontroverse Fragen lösen. Das mache ich jetzt nicht mit Federstrich.

DOMRADIO.DE: Papier ist ja bekanntlich geduldig. Wie wird der Inhalt eines Apostolischen Schreibens eigentlich denn jetzt umgesetzt? 

Kempis: Es gibt ganz verschiedene Ebenen, auf denen man sich weiter mit Amazonien beschäftigen wird. In der Region selbst darf der brasilianische Präsident sich jetzt wenigstens mal eine Zusammenfassung des Textes zu Gemüte führen. 

Die Bischöfe, die im Amazonien-Netzwerk zusammengeschlossen sind, werden das Schreiben als große Rückenstärkung für ihre Lobbyarbeit erleben. Die Indigenen werden sich wertgeschätzt fühlen. In Deutschland wird vor allen Dingen jeder, dem der Synodale Weg am Herzen liegt, auch mit etwas Bangen diesen Text überfliegen. Es ist schwer in so einem Text, der für die Universalkirche gedacht ist, gleichermaßen die Bedürfnisse eines kleinen Weilers irgendwo im Amazonas-Regenwald und die zum Beispiel in Gütersloh zu erfüllen.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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