Blick über die Via della Conciliazione auf den Petersdom
Blick über die Via della Conciliazione auf den Petersdom

04.02.2020

Papst will Römern zum Hauptstadtjubiläum Mut machen "Eine große Ressource der Menschlichkeit"

Zum Auftakt des 150-Jahr-Jubiläums von Rom als Hauptstadt Italiens hat Papst Franziskus die Römer aufgerufen, sich trotz aller Unzulänglichkeiten für ihre Stadt stark zu machen. Es gehe um eine "gemeinsame Vision" für die Stadt.

Man könne in "Rom nicht 'gesenkten Hauptes' leben", heißt es in Grußbotschaft, die Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Montag bei einem Festakt im "Teatro dell'Opera" verlas. Nach der Eroberung des Kirchenstaates durch Giuseppe Garibaldi 1870 war Rom zur Hauptstadt des damaligen Königreichs Italien erklärt worden.

Als Bischof von Rom fordert Franziskus die Menschen zu einer "gemeinsamen Vision einer geschwisterlichen und universalen Stadt auf". Gerade Migranten und Flüchtlinge, die unter oft schwierigen Bedingungen an den Rändern der 3,5-Millionen-Metropole lebten, sähen Rom als Hafen der Hoffnung. "Oft sehen sie die Stadt mit mehr Erwartungen und Hoffnungen als wir Römer, die wir sie wegen der vielen alltäglichen Probleme nur noch pessimistisch betrachten, als sei sie zum Verfall verdammt", so der Papst. Rom sei im Gegenteil "eine große Ressource der Menschlichkeit".

Internationaler Treffpunkt

Nach dem Sieg von Italiens Truppen gegen die des Papstes habe die Ausrufung Roms als Hauptstadt damals zwar zu Problemen und Polemik geführt, schreibt Franziskus. Doch die Stadt, Italien und die Kirche hätten sich verändert und eine neue Geschichte begonnen. Dazu erinnerte der Papst an die Besatzung Roms durch die Deutschen und die Deportation vieler Juden. Nachdem die Kirche in Rom damals viele Juden versteckt habe, hätten sich Christen und Juden einander angenähert.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) habe Rom zu einem internationalen Treffpunkt gemacht, wodurch es weltweit Ansehen gewonnen habe. Franziskus erinnerte auch an die sogenannte "Konferenz zu den Übeln Roms" 1974. Bereits damals wurde auf Anregung der Kirche über soziale und Infrastrukturprobleme der Metropole beraten. Nach wie vor leidet Rom unter kaputten Straßen, unzuverlässiger Müllabfuhr und schleppender Verwaltung, ebenso unter Armut und Drogenkriminalität.

Zahlreiche Jubliäumsveranstaltungen geplant

Im September 1870 hatten italienische Truppen unter Führung Garibaldis Rom erobert und im Oktober den Kirchenstaat dem Königreich Italien angegliedert. Am 26. Januar 1871 wurde Rom zur Hauptstadt des in den Jahren zuvor geeinten Königreichs erklärt; es übernahm diese Rolle von Turin und später Florenz, das ab 1865 als Hauptstadt fungierte. Das Jubiläum Roms wird in den kommenden Monaten mit zahlreichen Veranstaltungen begangen.

(KNA)

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