Ein Mann trägt eine Atemschutzmaske während des Angelusgebets
Ein Mann trägt eine Atemschutzmaske während des Angelusgebets
Stefan von Kempis (l.) mit Pater Bernd Hagenkord
Stefan von Kempis (l.) mit Pater Bernd Hagenkord

03.02.2020

So reagiert die Kirche auf das Coronavirus Mit Mundschutz zur Messe?

Fluglinien streichen Flüge, Fabriken schließen, Landsleute werden in Quarantäne gesteckt. Weltweit ergreifen Staaten und Unternehmen Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus aus China. Doch wie sieht es eigentlich in der Kirche aus? 

DOMRADIO.DE: Das Weihwasserbecken leer lassen oder beim Friedensgruß nicht mehr die Hand geben, hält die Kirche das für eine Option?

Stephan von Kempis (Leiter der deutschsprachigen Abteilung von "Vatican News"): Ich denke, bei der katholischen Kirche müssen wir differenzieren. Vom Vatikan kann man kaum erwarten, dass er hierfür detaillierte Gesundheits-Vorschriften nach draußen schickt. Da sind wohl eher die Bischofskonferenz oder die einzelnen Bistümer für zuständig.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn in Hongkong Planungen, was konkrete Schutzmaßnahmen sein könnten?

Kempis: Das Erzbistum Hongkong hat tatsächlich ein paar Sicherheitsmaßnahmen dieser Art angekündigt. Die Leute sollen vor und nach der Messe Mundschutz tragen, und zwar nicht nur die Gläubigen, sondern auch Priester und Diakone. Und zwar solche Masken, die der Vatikan nun auch nach China schicken will. Aber vom Verweigern des Friedensgrußes zum Beispiel war da keine Rede. Die Angst vor dem Virus wird zum Teil ein bisschen hochgeputscht.

DOMRADIO.DE: Gibt es aus Ihrer Sicht Maßnahmen für Besorgte?

Kempis: Wer trotzdem Sorge hat, der kann sich beim Friedensgruß verbeugen, statt die Hand zu geben. Damit ist der Friedensgruß trotzdem gültig. Oder man verzichtet vielleicht auf das Weihwasser. Aber man sollte die Sache auch nicht so hoch hängen, wie das im Moment oft gemacht wird. Vom Vatikan gibt es da keinerlei Anweisung. Ich war heute zweimal für eine ganz andere Sache im vatikanischen Gesundheitszentrum. Da war kein Arzt oder Pfleger mit Mundschutz unterwegs. Da hingen auch nicht auf einmal Desinfizierungsapparate. Da herrscht "business as usual" - jedenfalls hier im kleinen Vatikan.

DOMRADIO.DE: In Rom kommen Christen aus aller Welt zusammen. Da sind viele vorsichtig. Und es wird wahrscheinlich auch über das Virus gesprochen. Was bekommen Sie da mit?

Kempis: Man zuckt schon zusammen, wenn man auf einmal diese chinesischen Reisegruppen über die Via della Conciliazione laufen sieht. Denn da beobachtet man schon, dass so circa 20 Leute in der Gruppe Schutzmasken tragen. So etwas sieht man sonst hier nicht. Vielleicht kommt es mal vor, dass man einen Anti-Smok-Fanatiker durch die Ewige Stadt radeln sieht. Aber das ist selten.

Ansonsten witzeln die Leute eher über den Virus. Jeder hat zur Kenntnis genommen, dass es auch zwei Fälle hier in Rom gab. Es gab zwei Chinesen aus einer Besuchergruppe, die dann gleich auf eine Isolierstation gekommen sind. Aber es scheint überhaupt keine weiteren Infizierten in der Stadt zu geben. Laut Behörden soll es keine akute Ansteckungsgefahr geben.

DOMRADIO.DE: Völlig entgegengesetzt ist allerdings die Stimmung in den Zeitungen, oder?

Kempis: In den italienischen Medien tobt nur so der Virus. Das liegt auch daran, dass es starke politische Konnotationen hat. Denn die kleinere der beiden Regierungsparteien - die "Fünf-Sterne"-Protestbewegung, ist gegen Impfungen jeder Art. Sie findet sich jetzt in der peinlichen Lage, dass sie damit gegen einen Virus ist, der sich momentan verbreitet. Das wird dann von den politischen Gegnern kräftig ausgenutzt. Ich glaube, ein Teil der Panik - zumindest in den Medien hier in Italien - ist mit diesem politischen Kalkül zu erklären.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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