Muslime in Pakistan verbrennen aus Protest gegen den Luftangriff die Flaggen der USA und Israels
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Papst Franziskus
Papst Franziskus nachdenklich

05.01.2020

Katholische Kirche sehr besorgt über Lage im Mittleren Osten "Wir müssen davon überzeugt sein, dass der andere ebenso wie wir Frieden braucht"

Kirchenvertreter im Mittleren Osten, im Vatikan und in Deutschland sehen die wachsenden Spannungen in der Region mit großer Sorge. Papst Franziskus erinnerte an die Notwendigkeit des Friedens.

Nach der Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani in Bagdad durch die USA sagte der Botschafter des Papstes im Iran, Erzbischof Leo Boccardi, dem Portal Vatican News am Freitagabend, weitere Spannungen seien jetzt unbedingt zu verhindern und alle Beteiligten zu Verhandlungen zu bewegen.

Papst Franziskus verfolge die Situation mit großer Sorge, so der Diplomat weiter. Das Kirchenoberhaupt selbst schrieb in einem Tweet am Samstag: "Wir müssen davon überzeugt sein, dass der andere ebenso wie wir Frieden braucht." Es gebe keinen Frieden, wenn man ihn nicht erhoffe.

"Eine Spirale der Rache"

Weihbischof Shlemon Warduni in Bagdad sprach gegenüber Radio Vatikan von einem "kritischen, sehr schwierigen Moment". In den vergangenen Monaten hätten "zwei, drei Nationen versucht, andere zu besetzen". Die Iraker seien dadurch "in große Schwierigkeiten geraten" und litten sehr. "Die Welt steht Kopf: Statt Frieden zu säen, sät man Hass", so der Weihbischof.

Laut Kurienkardinal Peter Turkson, Leiter der vatikanischen Entwicklungsbehörde, erlebt die Region mit den jüngsten Vorfällen und der andauernden Krise im Irak "eine Spirale der Rache mit all den Anzeichen für Spannungssituationen und Krieg", so der Kardinal im Gespräch mit Vatican News. Derzeit schaukelten sich in der Region Misstrauen und Angst gegenseitig hoch.

Sorge vor Eskalation

Besorgt zeigte sich auch der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk im Irak, Yousif Thomas Mirkis. "Wir haben zu Weihnachten um Frieden auf Erden gebetet; nun macht uns der Zeitpunkt dieser Rache der USA große Angst vor dem, was passieren wird", sagte der Erzbischof telefonisch dem US-Pressedienst Catholic News Service (CNS). Die Iraker seien kriegsmüde und fürchteten, in einen Konflikt zwischen den USA und dem Iran gezogen zu werden. "Dies könnte auch die Bevölkerung spalten", so Mirkis. Einige seien gegen, einige für die Intervention.

Die Tötung Soleimanis, des Architekten der Stellvertreterkriege Teherans im Nahen Osten, könnte weitere Spaltungen zwischen Sunniten und Schiiten im Irak zur Folge haben, warnte der Erzbischof. Soleimani galt als zweitmächtigste Figur im Iran hinter Ayatollah Ali Khamenei. Die USA machen ihn für Hunderte getötete US-Geheimdienstmitarbeiter verantwortlich. Er war auch der Chefstratege des Iran im Syrien-Konflikt.

Aufruf zu Gebet und Engagement für den Frieden

Zuvor hatte sich bereits der Ökumenische Rat der Kirchen (Weltkirchenrat, ÖRK) besorgt über "mögliche Konsequenzen" des Iran-USA-Konflikts für die ganze Region gezeigt. General Soleimani sei zwar "kein unschuldiges Opfer" gewesen, so ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit. Doch der Angriff der USA und die zu erwartenden Reaktionen machten die Lage noch bedrohlicher. Tveit sprach von "unkalkulierbaren Folgen" und mahnte die Konfliktparteien zu "größtmöglicher Zurückhaltung". Denselben Ausdruck wählte auch UNO-Generalsekretär Antonio Guterres.

In Deutschland rief der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf zu Gebet und Engagement für den Frieden auf. "Hoffentlich finden sich diplomatische Lösungen. Beten wir um den Frieden und gestalten ihn aktiv", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Kohlgraf ist Präsident der deutschen Sektion der katholischen Friedensbewegung Pax Christi.

Roland Juchem, Alexander Brüggemann
(KNA)

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