Katholische Kirche in der Schweiz will Missbrauchsopfer pauschal entschädigen
Symbolbild Kirche und Geld

28.11.2019

Finanzskandal im Vatikan und der Peterspfennig Ursprung und Verwendung

Ein Finanzskandal belastet momentan den Vatikan schwer. Papst Franziskus hat die missbräuchliche Verwendung aus den Mitteln des Peterspfennigs eingeräumt und entsprechende personelle Konsequenzen gezogen. Worum geht es?

DOMRADIO.DE: Was ist dieser Peterspfennig?

Jan Hendrik Stens (Theologie-Redakteur): Da handelt es sich um eine Kollekte, die weltweit in der katholischen Kirche zum Hochfest Peter und Paul, also um den 29. Juni herum eingesammelt wird. Und diese Sonderkollekte ist für humanitäre Aufgaben des Papstes bestimmt. Seit einiger Zeit kann man sogar auch online spenden.

DOMRADIO.DE: Seit wann gibt es den Peterspfennig?

Stens: In der Weltkirche eingeführt wurde der Peterspfennig 1871 durch Papst Pius IX. als Ausdruck der Verbundenheit der Gläubigen mit dem Papst. Die Idee allerdings, die Aufgabe des Heiligen Stuhls mit einem jährlichen Obolus zu unterstützen, ist schon viel älter. Ende des achten Jahrhunderts haben zum Beispiel die Angelsachsen schon beschlossen, dies zu tun. Sie hatten sich gerade zum Christentum bekehrt und haben dabei beschlossen, eine solche regelmäßige Unterstützung zu leisten. Es folgten dann in den Jahrhunderten danach einige weitere Länder Europas, bis dann 1871 Pius IX. gesagt hat: Wir machen das jetzt weltweit.

DOMRADIO.DE: Um welche Beträge geht es dann bei dieser Kollekte?

Stens: Es geht hier um Beträge in zweistelliger Millionenhöhe. Nach offiziellen Angaben betrug der Peterspfennig 2017 etwa 63 Millionen Euro. Der größte Anteil davon kommt aus den USA. Gerade dieses Spendenaufkommen, das ist seit dem Missbrauchsskandal sehr infrage gestellt. Aus den USA kommt sonst eigentlich sehr, sehr viel an Spenden. Die Bistümer in Deutschland überweisen jedes Jahr einen Betrag zwischen etwa einem und zwei Millionen Euro an die Apostolische Nuntiatur in Berlin. Dazu kommt dann auch noch ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag vom Verband der deutschen Diözesen. Das ist so eine Art rechtliche Institution, die die 27 Bistümer in Deutschland vertritt.

DOMRADIO.DE: Wofür gibt denn der Vatikan das Geld aus dem Peterspfennig aus?

Stens: Ja, es geht hier um humanitäre Zwecke. Gehen wir zum Beispiel mal auf 2017 noch einmal zurück. Von diesen 63 Millionen Euro bei der Sonderkollekte sind laut Vatikan rund 24 Millionen Euro für karitative Projekte des Papstes ausgegeben worden. Dabei handelt es sich beispielsweise um Soforthilfe nach Naturkatastrophen oder aber auch um den Bau von Krankenhäusern.

DOMRADIO.DE: Und was passiert dann mit dem Geld, das nicht verwendet wird?

Stens: Dieses Geld wird dann irgendwo angelegt, damit es nicht an Wert verliert. Papst Franziskus hat ja auch im Flugzeug von einem Sparstrumpf gesprochen. Das bringt einfach wenig, wenn man das Geld in einen Sparstrumpf steckt, denn da verliert es an Wert. Diese Investition befürwortet auch Papst Franziskus. Er betont aber auch, dass diese ethisch sauber abgesichert sein müssten.

Das ist im aktuellen Fall dann eben nicht geschehen. Hier hat das Staatssekretariat bereits vor fünf Jahren aus dem Peterspfennig einen dreistelligen Millionenbetrag in einen Immobilienfonds investiert und sich dann auch später entschlossen, die gesamte Immobilie in London zu übernehmen. Und für die Ablösung einer Hypothek wurde ein weiterer dreistelliger Millionenbetrag fällig.

Und das führte laut Medienberichten dann zu einer Anzeige des IOR (Istituto per le Opere di Religione = Vatikanbank) und der Antikorruptionsstelle. Papst Franziskus hat direkt nach seiner Asienreise auch dann den Italiener Carmelo Barbagallo zum neuen Präsidenten der Vatikansaufsicht ernannt, der dann René Brülhart folgt. Es ist also alles schon am Laufen. Aber das sind tatsächlich die Hintergründe, weshalb hier interveniert wird und weshalb es hier zu einem Prozess zum Peterspfennig gekommen ist.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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