Athleten des Sportvereins des Vatikans "Athletica Vaticana" (Archiv)
Athleten des neu gegründeten Sportvereins des Vatikans "Athletica Vaticana"
Ordensschwester Marie-Theo Puybareau, Athletin des Sportvereins des Vatikans "Athletica Vaticana"
Ordensschwester Marie-Theo Puybareau, Athletin des Sportvereins des Vatikans "Athletica Vaticana"

27.09.2019

Vatikan-Athleten träumen ein bisschen von Olympia Wie sportlich ist eigentlich der Papst?

Der Vatikan hat auch sportliche Ambitionen. Der Kirchenstaat träumt sogar von Olympia. Die erste vatikanische Athletik-Mannschaft will ihre Kondition in Deutschland unter Beweis stellen. Bleibt die Frage: Wie sportlich ist eigentlich der Papst?

Papst Johannes Paul II. brauste gerne mit den Skiern den Berg hinab, spielte Tennis und ließ sich von Paparazzi einst als Schwimmer in Badehose ablichten. Sein deutscher Nachfolger Benedikt XVI. empfing zwar gerne Fußballkaiser wie Franz Beckenbauer im Vatikan, setzte aber selbst mehr auf Intellekt als Muskelkraft.

Der derzeitige Papst Franziskus wiederum gilt als glühender Fan des Fußballclubs San Lorenzo aus seiner Heimatstadt Buenos Aires. Weil er aber nur einen Lungenflügel hat, treibt der 82-jährige Franziskus selbst keinen Sport. Dafür hat er seit einiger Zeit den ersten offiziellen vatikanischen Sportverein.

Marathon in Berlin

Ihr Können will die Laufmannschaft diesen Sonntag beim Marathon in Berlin unter Beweis stellen. "Der Vatikan ist nicht anders als der Rest der Menschheit: Der Sport ist eine schöne und gute Sache - vor allem wenn er nicht exzessiv kommerziell ist", erklärt Monsignore Melchor Jose Sánchez de Toca y Alameda die Motivation für die Gründung der Mannschaft. Der Mann mit dem wohlklingenden Namen ist sowas wie der Sportchef des Vatikans und steht an jenem Tag in der deutschen Botschaft beim Vatikan, um die Laufgruppe vorzustellen.

Mitmachen bei der "Athletica Vaticana" darf jeder, der die vatikanische Staatsbürgerschaft hat oder für den kleinen Kirchenstaat arbeitet. Apothekerinnen, Polizisten, Feuerwehrleute, Bibliothekare, die päpstlichen Leibwächter der Schweizergarde oder Kurienmitarbeiter. Geistliche sind freilich auch darunter.

Das größte Schwergewicht - was die Kirchenhierarchie angeht - sei ein laufender Bischof, sagt Sánchez. Die "superiori", also die Oberen, seien in der Laufgruppe aber nicht wie in der römischen Kurie die Prälaten, also die, die die hohen Ämter innehaben. "Es sind die, die schneller laufen."

Ihren ersten Auslandsauftritt hatte die Mannschaft ausgerechnet an einem symbolträchtigen Ort in Deutschland: In der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt. "Das war für uns natürlich eine besondere Ehre, und ich fand das so super", erzählt Doreen Meyer aus Wittenberg (Sachsen-Anhalt), die den Kontakt hergestellt hatte. Die Langstreckenläuferin war schon 1993 nach Rom gerannt, um den damaligen Papst Johannes Paul zu treffen. "Wir wollten den Bann nehmen lassen, der 1521 vom damaligen Papst Martin Luther auferlegt wurde."

Das Treffen kam zwar nicht zustande. Dafür nahm die Protestantin voriges Jahr wieder mit dem Vatikan Kontakt auf und lud die vatikanischen Athleten im Mai nach Wittenberg ein. "Beim Laufen spielt weniger eine Rolle, ob wir Protestanten oder nicht sind. Im Vordergrund steht die sportliche Freundschaft", sagt Meyer.

Die Kraft des Sports als versöhnendes Miteinander betont auch der Papst immer wieder. Deshalb laufen als Ehrenmitglieder auch Vertreter anderer Religionen mit. "Der Papst wollte zwei Mitglieder verschiedener Religionen, und ich bin Muslim. Das ist eine große Ehre für mich", sagt Ansou Cisse aus dem Senegal.

Olympische Ambitionen?

Hat der Vatikan nun auch olympische Ambitionen? Als souveräner Staat hat das Mini-Kirchenreich theoretisch das Recht, bei den Olympischen Spielen mitzumachen. Werden wir also schon bald Kardinäle beim Kugelstoßen, Bischöfe beim Weitsprung und Nonnen beim Hürdenlauf sehen? "Es ist ein Traum", sagt Sportsmann Sánchez.

Doch so einfach sei das für den etwa 1000 Einwohner zählenden Staat nicht. Der Athletik-Verein kooperiert derzeit mit dem italienischen Nationalen Olympischen Komitee. "Es ist ein langer Weg. Das Ziel ist nicht, für Medaillen zu kämpfen, sondern die symbolische Anwesenheit."

Für ein eigenes Olympisches Komitee bräuchte man mehrere professionelle Verbände. Sánchez hat jedenfalls schon eine erste Idee: Wintersport wäre wegen der Schweizergarde schon mal eine machbare Sportart, schließlich stammen die Männer aus dem Alpenland und könnten mit Skifahren und Bob Skeleton punkten.

Annette Reuther
(dpa)

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