Matteo Bruni (l.) mit Papst Franziskus während eines Fluges
Matteo Bruni (l.) mit Papst Franziskus während eines Fluges

18.07.2019

Matteo Bruni leitet künftig das vatikanische Presseamt Der Papst hat wieder einen Sprecher

Sieben Monate, nachdem die beiden Vatikansprecher das Handtuch warfen, ist der Posten neu besetzt. Der Italiener Matteo Bruni kennt das Presseamt von der organisatorischen Seite. Wie er sein neues Amt ausfüllt, ist offen.

Es ist wieder ein Radfahrer. Künftig leitet Matteo Bruni das Presseamt des Heiligen Stuhls, ein sportlicher 43-Jähriger, der den Weg zu seinem Arbeitsplatz am Vatikan gern mit dem Fahrrad zurücklegt, von der Gegend bei Sankt Paul vor den Mauern im Süden Roms vorbei am antiken Scherbenhügel und den Tiber aufwärts. Bruni kennt die Nebenwege abseits des großen Verkehrs, die geheimen Abkürzungen.

Auch seinen Vorgänger Greg Burke sah man gelegentlich das Mountainbike durch das Presseamt tragen, die Rennradschuhe klackernd auf dem polierten Marmor. Der US-Amerikaner warf nach zweieinhalb Jahren am Silvestertag das Handtuch, genau wie seine Stellvertreterin, die Spanierin Paloma Garcia Ovejero. Danach führte Alessandro Gisotti übergangsweise das Amt. Er ging zu Fuß, und sein Gang schien manchmal gedrückt.

Die Ernennung Brunis durch Papst Franziskus soll wieder Normalität in die vatikanische Medienabteilung bringen, die nach Monaten mit Kirchenskandalen und Krisen weiterhin vor hohen Anforderungen steht. Bruni ist ein Mann aus den eigenen Reihen. Man wollte wohl auf eine sichere Karte setzen.

Bruni bringt eine gewisse Weltläufigkeit mit

Obzwar Italiener wie inzwischen alle Leitungsfunktionäre im Presseamt, bringt Bruni eine gewisse Weltläufigkeit mit. Sein Vater war für ein Elektrounternehmen international tätig; Bruni, am 23. November 1976 in Winchester geboren, verbrachte seine Kindheit in England, den USA, Australien. Erst für die letzte Schulphase kehrte die Familie nach Rom zurück.

Dort studierte er an der Universität La Sapienza Sprachen sowie moderne und zeitgenössische ausländische Literatur und wurde Übersetzer. Mit 32 fand er eine Anstellung im Vatikan, zunächst im Akkreditierungsbüro. Ende 2013 erhielt er die Verantwortung für die Begleitung des Pressetrosses bei Auslandsreisen des Papstes und die damit zusammenhängende Logistik. Brunis Generalprobe und Gesellenstück war die letzte Reise von Benedikt XVI., ein Libanonbesuch im September 2012.

Es ging um komplexe Organisationsabläufe in einem minutengenauen Zeitkorsett. Bruni folgte in dem Job auf Vic van Brantegem, einem für einen gewissen Kasernenhofton berüchtigten Belgier. Der freundlich-zurückhaltende Bruni versuchte es mit einem Appell an Kollegialität und Gemeinsinn, um den Flohhaufen von meist rund 70 internationalen Journalisten durch das minuziöse Programm päpstlicher Staatsbesuche zu dirigieren - und hatte mit seiner Methode zumindest keinen schlechteren Erfolg.

Zehnjährige interne Kenntnis

Für die neue Aufgabe als Direktor des Presseamts bringt Bruni seine zehnjährige interne Kenntnis des vatikanischen Medienapparats mit, Sprachgewandtheit und ein verbindliches Auftreten. Auch macht er sich über manches keine Illusionen: Eine Aufstockung des lächerlich kleinen Teams von zwei Dutzend Mitarbeitern steht nicht in Aussicht, und allzu oft bleibt dem Vatikansprecher nichts anderes, als Schadensbegrenzung zu üben.

Mängel in der internen Kommunikation, fehlende Gestaltungsmöglichkeiten und betonharte Hierarchien waren Faktoren, die Brunis Vorgänger mürbe machten - Greg Burke war nach 18 Jahren als Korrespondent für das Magazin "Time" und für Fox News erst als Krisenberater in den Vatikan gerufen worden; später erhielt er den Auftrag, das Presseamt zu professionalisieren.

Welche Rolle könnte der Sprecher künftig haben

Für Übergangsleiter Gisotti richtete der Vatikan jetzt eine neue Stelle als stellvertretender Redaktionsverantwortlicher der Medienabteilung ein. Den gleichen Titel trägt künftig Sergio Centofanti, Urgewächs von Radio Vatikan und zuletzt in der Rolle eines Chefs vom Dienst beim hauseigenen Internetportal Vatican News. Präfekt der ganzen Abteilung ist Paolo Ruffini, redaktioneller Leiter Andrea Tornielli. Alles Italiener, alle mit einem mehr oder weniger starken Anspruch, die Außenkommunikation zu steuern.

Bleibt die Frage, welche Rolle der Sprecher künftig hat. Er könnte einer sein, der die Selbstpräsentation der katholischen Leitungszentrale aktiv gestaltet. Es könnte auch mehr oder weniger darum gehen, vorbereitete Texte vorzulesen. Bruni kennt den Betrieb. Aber erst über eine längere Strecke wird sich zeigen, ob er im Vergleich mit dem Radsportler Burke die größere Ausdauer hat.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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