Öffnung von Gräbern auf dem Campo Santo Teutonico
Öffnung von Gräbern auf dem Campo Santo Teutonico
Öffnung von Gräbern auf dem Campo Santo Teutonico
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Öffnung von Gräbern auf dem Campo Santo Teutonico
Öffnung von Gräbern auf dem Campo Santo Teutonico
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Öffnung von Gräbern auf dem Campo Santo Teutonico

11.07.2019

Leere Gräber im Vatikan und ein neues Mysterium Fall Orlandi bleibt weiter ungelöst

Kaum ein Kriminalfall beschäftigt den Vatikan so lange wie dieser: Die Tochter eines päpstlichen Dieners verschwindet spurlos. Nun wurden zwei Gräber auf einem deutschen Friedhof in Rom geöffnet. Doch das Ergebnis erstaunt noch mehr.

Eigentlich waren sie gekommen, um nach den Gebeinen eines verschwundenen Mädchens zu suchen und Licht in einen der rätselhaftesten Fälle der Geschichte des Vatikans zu bringen. Doch stattdessen öffnete sich ein weiteres Mysterium. Auf dem deutschen Pilgerfriedhof im Vatikan machten sich am Donnerstag Kriminaltechniker zu schaffen, um zwei Gräber zu öffnen.

Lag Emanuela Orlandi hier? Die damals 15-jährige Tochter eines päpstlichen Dieners war vor 36 Jahren spurlos verschwunden. Seitdem ist keine Theorie zu abstrus, um den Fall zu erklären.

Nun schien Bewegung in die Sache zu kommen. Eigentlich liegen auf dem kleinen Friedhof hinter Vatikanmauern Adelige und Geistliche aus dem deutsch- und flämischsprachigen Raum. Könnte jemand Emanuelas Leiche dort deponiert haben?

Die Gräber sind leer

Doch wenige Stunden, nachdem die Beteiligten in der pittoresken Anlage namens Campo Santo Teutonico ein Gebet sprachen und sich Forensiker mit weißen Helmen ans Werk machten, kam die Nachricht: Die beiden Gräber seien komplett leer gewesen, erklärte Papstsprecher Alessandro Gisotti. Also weder die Überreste von Emanuela noch die der Bestatteten waren darin.

Pietro Orlandi, Emanuelas Bruder, zeigt sich zwar erleichtert. "Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn man die Überreste von Emanuela gefunden hätte", sagte er. Aber alle seien sehr "verwundert" gewesen, dass die Gräber leer gewesen seien. Unglaublich, nennt er es.

Die beiden Gräber gehören laut Vatikan zu Sophie von Hohenlohe, gestorben 1836, und zu Herzogin Charlotte Friederike zu Mecklenburg, 1840 gestorben. Wo nur sind deren Gebeine? Wurden die Gräber vorher geöffnet und die Überreste herausgenommen? Oder lagen die Personen nie dort? Der Vatikan schweigt sich über die Hintergründe aus.

Was ist mit den Gräbern passiert?

Es hieß lediglich, im Hohenlohe-Grab sei ein Hohlraum von etwa 4 mal 3,70 Metern entdeckt worden. Und auch das Mecklenburg-Grab sei vollkommen leer gewesen. Die Hinterbliebenen der Adeligen seien über das Ergebnis benachrichtigt worden, fügte Papstsprecher Gisotti hinzu. Es sollten nun Dokumente ausgewertet werden, in denen Renovierungen auf dem Friedhof dokumentiert sind. Die habe es sowohl im 18. als auch im 19. Jahrhundert gegeben.

Für die Familie Orlandi bedeutet die neue Episode weiteres Leid. Emanuela war 1983 vom Besuch einer Musikschule in Rom nicht zurückgekehrt. Ihr Vater war Hofdiener von Papst Johannes Paul II. Wer mag den Hinterbliebenen seitdem immer wieder auf falsche Fährten locken?

Einmal sollte Emanuela Opfer Krimineller geworden sein, die den Papst-Attentäter Ali Agca freipressen wollten. Dann wieder hieß es, Emanuela sei von Vatikandiplomaten entführt und auf Sexpartys ausgebeutet worden.

Wo sind die Knochen geblieben?

Auch die römische Unterwelt kam ins Spiel. Auf der Suche nach Spuren wurde sogar das Grab des Mafiabosses Enrico De Pedis in der Kirche Sant'Apollinare in Rom geöffnet. Ergebnislos. Im Herbst letzten Jahres wurden dann Knochen bei einer vatikanischen Botschaft in Rom entdeckt und untersucht. Wieder Fehlanzeige. Sie stammten nicht von Emanuela, sondern aus der Antike. Zuletzt sollte ein Hinweis bei der Familie eingegangen sein, in einem Grab mit einer Engelsstatue zu suchen - das Hohenlohe-Grab.

Nun also wieder ein Rückschlag. Bruder Pietro kann der ergebnislosen Suche dennoch etwas abgewinnen. Bis vor einer Woche habe der Vatikan jede Zusammenarbeit verweigert. Mit der Graböffnung hätte er immerhin "auf gewisse Weise" zugegeben, dass es eine Verantwortung des Kirchenstaates gibt. Nur die Familie der adeligen Frauen müssten sich nun auch die gleiche Frage stellen wie er: "Wo sind die Knochen geblieben?"

Annette Reuther
(dpa)

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