Kardinäle in Rom
Kardinäle vor dem Konklave 2013
Der erste Auftritt von Franziskus
Nach dem Konklave 2013

08.01.2019

Warum Papstgegner den Missbrauchsskandal missbrauchen Sehnsucht nach einem neuen Konklave?

Bereiten Kritiker von Papst Franziskus den Übergang vor? Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche wird jedenfalls nach Meinung des deutschen Kardinals Walter Kasper für eine Diskussion um die Person von Franziskus missbraucht.

"Es gibt schon Leute, die einfach dieses Pontifikat nicht mögen, und die wollen das so schnell wie möglich beenden und wollen sozusagen ein neues Konklave haben", sagte Kasper in einem Beitrag des ARD-Politmagazins "report München" (Dienstag). Diese Papstwahl wollten sie dann so vorbereiten, dass sie in ihrem Sinne ausgehe, so Kasper.

Thema Missbrauch instrumentalisiert

Auch die Irin Marie Collins, die Beraterin in der päpstlichen Kinderschutzkommission war, wirft Gegnern von Franziskus in dem Fernsehbeitrag vor, das Thema Missbrauch zu instrumentalisieren.

Opfer wie sie und die Kommission seien als günstige Gelegenheit betrachtet worden, die Initiativen des Papstes zu torpedieren. "Es war also eine Art Politik der Spaltung. Die Sicherheit der Kinder spielte keine Rolle", so Collins, die von ihrem Amt vor knapp zwei Jahren zurücktrat.

Papst als Stifter von Verwirrung

Gleichzeitig warf sie dem Papst vor, zu wenig gegen Missbrauch zu tun. Die Kommission habe ihm Vorschläge unterbreitet. Er habe sie genehmigt, aber deren Umsetzung nicht kontrolliert.

Der US-amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke dagegen beschuldigt Franziskus, Verwirrung zu stiften. Einen Rücktritt des Papstes will Burke in dem Beitrag nicht fordern. Es treffe aber zu, dass aus Sicht früherer Theologen ein Papst, der von seinem Amt vor allem in dogmatischer Hinsicht abweiche, "sich also der Häresie schuldig macht, automatisch aufhört, Papst zu sein".

Brandmüller bekräftigt jüngste Interviewaussage

Der emeritierte deutsche Kardinal Walter Brandmüller bekräftigte unterdessen seine jüngsten Interviewaussagen zum Thema Missbrauch und Homosexualität. Der "eigentliche Skandal" sei, dass Klerus und kirchliches Personal "sich auch in diesem Punkt nicht klar genug von der gesamten Gesellschaft unterscheiden", sagte der 90-Jährige im Interview des Pressedienstes CNA Deutsch (Dienstagabend).

Brandmüller wörtlich: "Die jahrzehntelange Sexualisierung der Gesellschaft - man denke an Oswald Kolle und Beate Uhse - ist auch an den Katholiken und ihrem kirchlichen Personal nicht spurlos vorübergegangen." Man dürfe zudem weder vergessen noch verschweigen, dass 80 Prozent der Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld männliche Jugendliche beträfen. Dieser Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität sei "statistisch erwiesen". Das habe "nichts mit Homophobie zu tun". Der frühere Chefhistoriker des Vatikan mahnte eine bessere Auswahl und Ausbildung von Priestern und Religionslehrern an.

Der derzeitigen Kirchenleitung warf Brandmüller Richtungslosigkeit vor. Es sei "offenkundig, dass - zumindest im westlichen Mitteleuropa - kirchliche Stellungnahmen mehr oder weniger auf der Linie des gesellschaftlichen Mainstreams" lägen. Nicht selten bestimmten "rein weltliche Gesichtspunkte Reden und Handeln kirchlicher Autoritäten".

"Umso peinlicher" sei es, wenn dann "eine finanziell potente, geistlich aber dahinschwindende Kirche Deutschlands meint, die ärmeren Geschwister schulmeistern zu sollen", obwohl die Kirche dort geistliche Vitalität und Wachstum erlebe. Als Beispiele nannte Brandmüller den Osten und Nordosten Europas sowie Afrika und Asien.

Kardinal Müller gegen "Kollektivschuldphantasien"

Der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller verwahrte sich unterdessen gegen "Kollektivschuldphantasien" und "Sippenhaft" für die katholische Kirche und ihre Priester beim Thema Missbrauch.

Ebenso wenig dürfe man für islamistische Terrorakte eines Einzelnen "den Islam" verantwortlich machen oder für kriminelles Verhalten eines Einzeltäters "die Ausländer", schrieb Müller im US-Portal "lifesitenews".

Sexueller Missbrauch habe seinen Grund in einem "unmoralischen Ausleben des Geschlechtstriebes", bekräftigte Müller. Wie Brandmüller verwies er darauf, dass 80 Prozent der Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld männliche Jugendliche beträfen. Müller wörtlich: "Der Wille des Täters nach sexueller Befriedigung ist Ursache der Verletzung der leiblich-seelischen Intimität einer anvertrauten Person. Hier von Klerikalismus oder kirchlichen Strukturen als Ursache zu faseln, ist eine Beleidigung jener vielen anderen Opfer sexuellen Missbrauchs durch Personen, die gar nichts mit Kirche und Klerus zu tun haben." (KNA)

(KNA)

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