Was steht 2019 im Vatikan an?
Was steht 2019 im Vatikan an?

30.12.2018

Das Jahr 2019 aus vatikanischer Sicht Papst im verflixten siebten Jahr

Der Kampf gegen Missbrauch sowie die Kurienreform sind sicherlich zwei übergreifende Themen, die das Jahr 2019 aus vatikanischer Sicht prägen werden. Von möglichen Papstreisen sind zwei bekannt: Panama und Marokko.

Während es für die Veröffentlichung der neuen Kurienordnung noch keinen absehbaren Termin gibt, richten sich beim Thema Missbrauch alle Augen auf Ende Februar. Für den 21. bis 24. des Monats hat der Papst die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen und unierten Ostkirchen nach Rom gerufen.

Treffen des dezimierten Kardinalsrats

Geplant sind unter anderem Vorträge, Gespräche - auch mit Betroffenen und externen Fachleuten - und eine Bußliturgie. Am Ende steht wohl die Hoffnung, dass dann auch der letzte Bischof in der katholischen Welt begriffen hat, welch gravierendes Problem sexuelle Gewalt und ihre Vertuschung sind: zuerst für die Betroffenen und dann auch für die Kirche.

Zuvor aber reist der Franziskus Ende Januar zum Weltjugendtag nach Panama. In Lateinamerika und bei jungen Menschen fühlt sich der Papst aus Argentinien wohl. Kreuzweg, Vigilfeier und Abschlussmesse sind die Höhepunkte des Großtreffens. Zusätzlich will Franziskus Sozialprojekte besuchen. Das Gastgeberland Panama wird den weltweit beachteten Besuch nutzen wollen, sich gut zu präsentieren.

Im Februar endet zudem die Arbeitsperiode des Aufsichtsrats der Vatikanbank IOR. Dieser Einschnitt sowie ein dann geplantes weiteres Treffen des dezimierten Kardinalsrats für die Kurienreform - ohne die Kardinäle George Pell, Francisco Javier Errazuriz und wohl auch Laurent Monsengwo Pasinya - böten Anlass für größere Personalentscheidungen zur Kurienreform.

Dialog mit dem Islam in Marokko

Zu Beginn der Fastenzeit im März begibt der Papst sich mit seiner Kurie wieder in mehrtägige Exerzitien. An den letzten beiden Tagen des Monats besucht er Marokko. "Diener der Wahrheit", lautet das Motto der Reise. Bestimmende Themen des Besuches in den Städten Rabat und Casablanca werden wohl der Dialog mit dem Islam und Migration sein.

Der April steht dann ganz im Zeichen der Karwoche und von Ostern: mit einer Fußwaschung am Gründonnerstag und dem Kreuzweg am Kolosseum, bevor der Papst in der Osternacht die wichtigste christliche Botschaft verkünden wird, die Auferstehung Jesu. Am Ostersonntag spendet er von der Loggia des Petersdomes aus den Segen "Urbi et orbi", der Stadt und dem Erdkreis.

Im Mai könnte eine weitere kürzere Reise anstehen, eventuell innerhalb Italiens, da am ersten Sonntag das Angelusgebet nicht stattfindet. Es könnte aber auch ein innereuropäischer Trip sein. Bei erwarteten Zielen wird Rumänien genannt, zumindest sprachen Bischöfe des Landes davon. Bestätigt ist das bisher nicht.

Für ihn heißt Urlaub schlicht: weniger arbeiten

Im Juni soll zum Pfingstfest in der Kurie eine Koordinierungsstelle für charismatische Gruppen und Bewegungen in der katholischen Kirche ihre Arbeit aufnehmen. Zum römischen Patronatsfest Peter und Paul am 29. Juni wird wieder eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats erwartet.

Wie weit bis dahin sich der innerorthodoxe Zwist zwischen Moskau und Konstantinopel entwickelt hat, ist nicht abzusehen. Dem Vatikan und seinen Dialogbemühungen mit der Schwesterkirche bereitet das erhebliche Kopfschmerzen.

Im Juli fährt der Vatikan das Programm herunter; die wöchentlichen Generalaudienzen werden ganz ausgesetzt. Im August, wenn es richtig heiß wird und die Römer die Stadt verlassen, bleibt einer da - der Papst aus Argentinien. Für ihn heißt Urlaub schlicht: weniger arbeiten. Dennoch nimmt er die Generalaudienzen wieder auf, im August ist Rom voller Touristen und Pilger. Laut dem bisher bekannten päpstlichen Terminkalender könnte Mitte des Monats noch einmal eine kürzere Reise anstehen.

Sondersynode zur Amazonas-Region

September ist traditioneller Reisemonat des Papstes; 2017 ging es nach Kolumbien, 2018 ins Baltikum. Im kommenden Jahr könnte sich der dann 82-jährige Papst nach Fernost aufmachen oder nach Südostafrika, etwa Mosambik und Madagaskar. Diese möglichen Reiseziele waren von einem Präsidenten (Mosambik) und einem Kardinal (Madagaskar) genannt worden.

Bestätigt ist nichts, ebenso wenig wie eine Reise nach Japan, von der Franziskus selbst einmal gesprochen hatte. Außerdem ist da noch die Einladung nach Nordkorea, die Südkoreas Präsident Moon Jae-in Mitte Oktober überbrachte. Dem steht jedoch einiges mehr entgegen als die übliche aufwendige Reiselogistik.

Im Oktober ist der Vatikan durch die Sondersynode zur Amazonas-Region belegt. Wie bei der Jugendsynode 2018 wird Franziskus wohl fast ständig anwesend sein. Themen des Bischofstreffens sind einerseits der Schutz der Umwelt und der indigenen Bevölkerung in der sechs Länder umfassenden Region.

Neue Kurienordnung "Verkündet das Evangelium!"

Andererseits geht es auch um Seelsorge an weit verstreuten Christengemeinden bei gleichzeitig sehr geringer Priesterzahl - Stichwort "Pflichtzölibat". Der politische Machtwechsel im größten Amazonasland Brasilien verleiht der Synode zusätzliche Brisanz: Präsident Jair Bolsonaro hält wenig vom Schutz des Regenwaldes und indigener Kulturen.

Im November dann könnte sich Franziskus noch einmal auf große Reise begeben. Anfang des Monats sind erneut Generalaudienz und Angelusgebet gestrichen. Über mutmaßliche Reiseziele ließe sich das gleiche sagen wie bereits im September.

Im Dezember darf man wieder gespannt sein auf die Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz, deren Gestaltung in den vergangenen Jahren mitunter für kontroverse Diskussionen gesorgt hat. Franziskus wird sein 83. Lebensjahr vollenden und erneut zu seinen Kurienkardinälen und anderen vatikanischen Führungskräften sprechen. Bis dahin sollten diese die neue Kurienordnung in den Händen halten. Deren Arbeitstitel: "Verkündet das Evangelium!" (KNA)

(KNA)

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