Papst Johannes Paul II. im Jahr 1987
Papst Johannes Paul II. im Jahr 1987
Pater Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg SJ
Pater Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg SJ
Papst Johannes Paul II. mit Lech Walesa (l.), Vorsitzender der Gewerkschaft Solidarnosc und seiner Familie
Papst Johannes Paul II. mit Lech Walesa (l.), Vorsitzender der Gewerkschaft Solidarnosc und seiner Familie

16.10.2018

Experte ordnet Wahl von Johannes Paul II. vor 40 Jahren ein "Er hatte einen großen politischen Einfluss"

Als Leiter der deutschen Abteilung von Radio Vatikan hat er das Pontifikat Johannes Pauls II. hautnah miterlebt und erinnert sich genau an die Papstwahl vor 40 Jahren. Pater Eberhard von Gemmingen spricht über dessen bedeutdende Rolle zu der Zeit.

DOMRADIO.DE: Sie waren 26 Jahre lang Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan und haben das Pontifikat Johannes Pauls II. intensiv begleitet. Woran denken Sie zuerst, wenn Sie an diesen Papst denken?

Pater Eberhard von Gemmingen (Jesuit, von 1982 bis 2008 Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan): Natürlich schon an den ersten Auftritt von ihm auf der Loggia nach seiner Wahl, wo er mit sehr männlicher Stimme gesprochen hat. Man hat zwar gemerkt, dass seine Muttersprache nicht italienisch war, es war aber trotzdem sehr gut. Er hat gesagt: "Habt keine Angst." Dieser Satz in Zeiten des Kalten Kriegs, war sehr bezeichnend. Viele Menschen hatten Angst vor dem Kommunismus und vor Glaubensverfolgung. Und er wollte sie ermutigen.

DOMRADIO.DE: Ich habe die Superlative seiner Wahl schon angesprochen. Was haben sich die Kardinäle damals gedacht, diesen Karol Wojtyla zum Papst zu erklären?

von Gemmingen: Wojtyla hatte schon einen guten Ruf. Dass das erste Mal ein Papst aus einem anderen Land als Italien gewählt wurde, lag - denke ich - daran, dass er unter den Kardinälen etwas Besonderes war. Er fiel positiv auf. Er war mutig, stark, international und er hatte keine Angst, aufzutreten.

DOMRADIO.DE: Gibt es eine Begegnung zwischen Ihnen oder eine Anekdote, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

von Gemmingen: Sein Wunsch, dass das Jahr 2000, zweitausend Jahre nach der Geburt Jesu Christi, ganz groß gefeiert werden sollte. Bei dieser Feier hat er als erster Papst der Kirchengeschichte für Irrtümer und Verbrechen im Namen des katholischen Glaubens um Vergebung gebeten. Das war ein Schuldbekenntnis mit wahrhaft historischen Dimensionen.

Und was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Er konnte Inhalte nicht nur vermitteln, sondern er konnte sie auch so vermitteln, dass sie rüberkamen, dass es hängen blieb. Seine Symbolik war besonders. Schon die Bodenküsse, wenn er in einem fremden Land ankam, waren sicher für die besuchten Länder und die Menschen dort ganz großartig. "Er küsst unseren Boden." Er war auch Schauspieler, aber im guten Sinne.

DOMRADIO.DE: Was hat ihn denn aus Ihrer Sicht zu einem Heiligen gemacht?

von Gemmingen: Er war mutig und es war sein Auftreten und Eintreten für Menschen. Er hat viel dazu beigetragen, dass der Kommunismus zusammengebrochen ist. Oder anders gesagt: Er hat Polen und der Gewerkschaftsbewegung Solidarność den Rücken gestärkt.

DOMRADIO.DE: Solidarność, "Solidarität", so hieß die polnische Gewerkschaft, die 1980 aus der Streikbewegung hervorging. In kommunistischen Kreisen sah man in der Bewegung eher eine neue Arbeiterrevolution und einen beginnenden Zerfall des Stalin-Imperiums.

von Gemmingen: Daher war das nicht ungefährlich. Ein Papst ist immer in Lebensgefahr. Es gibt zwar Sicherheitsbehörden und -beamte. Aber: Ich meine, wenn jemand den Papst umbringen will, denke ich, kann man das immer. Sonst müsste er immer in seinem Zimmer bleiben. Und das hat er nicht gemacht. Er war in dem Sinne Schauspieler, aber auch Politiker. Er hatte einen großen politischen Einfluss.

Das Interview führte Martin Mölder.

(DR)

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