Bilder der zukünftigen Heiligen hängen vor deren Heiligsprechung an der Fassade des Petersdoms
Bilder der zukünftigen Heiligen hängen vor deren Heiligsprechung an der Fassade des Petersdoms
Blick während einer Heiligsprechungsfeier auf den Petersplatz
Blick während der Heiligsprechungsfeier auf den Petersplatz
Priester tragen Gewänder mit dem Bildnis von Oscar Romero
Priester tragen Gewänder mit dem Bildnis von Oscar Romero
Porträts von Erzbischof Oscar Romero (l) und Papst Paul VI. am Petersdom
Porträts von Erzbischof Oscar Romero (l) und Papst Paul VI. am Petersdom

14.10.2018

Vatikan-Experte zu Heiligsprechungen in der katholischen Kirche "Das ganz große breite Spektrum katholischen Lebens"

Am Sonntag wurden in Rom sieben Kirchenvertreter heiliggesprochen. Über die Kritik an den Heiligsprechungen und darüber, was die Heiligen der Jugend vermitteln können, spricht Vatikan-Experte Ulrich Nersinger im Interview.

DOMRADIO.DE: Was hat so eine Heiligsprechung für eine Bedeutung im Gegensatz zu einer Seligsprechung?

Ulrich Nersinger (Journalist und Vatikan-Experte): Eine Heiligsprechung erlaubt einen weltweiten unbegrenzten Kult, eine weltweite Verehrung, während eine Seligsprechung in der Regel die Verehrung einer Person auf eine Diözese, auf eine Gemeinschaft oder auf einen Ort beschränkt. Das ist eigentlich der Grundunterschied.

DOMRADIO.DE: Manchmal steckt auch eine bestimmte Aussage oder Politik dahinter, dass bestimmte Personen heilig oder selig gesprochen werden. Was bringen denn die heutigen Personen zum Ausdruck?

Nersinger: Da haben wir etwas ganz Besonderes mit diesen sieben Heiligen - das ist ja eine sehr große Zahl. Man könnte sagen, eine Heiligsprechung von sieben Leuten ist doch etwas viel – und auch ungewöhnlich. Aber das Schöne daran ist, diese sieben neuen Heiligen das ganz große breite Spektrum katholischen Lebens wiedergeben und damit auch die verschiedenen Formen, wie Heiligkeit erlangt und gelebt wird. Das geht vom Märtyrer über den Beschaulichen, der sich im Allerheiligsten Altarsakrament versenkt, bis hin zu demjenigen, der wirklich karitativ arbeitet, und Papst Paul VI., der an der Spitze der Kirche steht.

DOMRADIO.DE: Jetzt hat uns der Weihbischof aus El Salvador, Kardinal Chávez, im Interview gesagt, dass Erzbischof Romero auch für Menschen, die nicht glauben, ein Heiliger und ein Vorbild sein kann. Glauben Sie, dass seine Heiligsprechung auch über die Ränder der katholischen Kirche hinaus strahlen wird?

Nersinger: Ja, das denke ich schon. Das gilt nicht nur für Romero, das gilt auch für andere Leute. Denken wir an Mutter Teresa oder viele andere Heilige. Die sind nicht auf ein katholisches Publikum begrenzt, wenn man das so salopp sagen kann, sondern sie sind auch Ansprechpartner, Vorbilder oder Hilfen für andere gläubige und manchmal auch nichtgläubige Menschen.

DOMRADIO.DE: Es gibt auch Kritik. Die Theologieprofessoren Tück aus Wien und Wolf aus Münster kritisieren insbesondere die Heiligsprechungen von Päpsten durch Päpste. Dies sei gerade angesichts des Missbrauchsskandals, wo doch die Kirche in Sack und Asche gehen müsse, unangemessen. Wie sehen Sie das?

Nersinger: Es gibt verschiedene Aspekte. Ich denke, wir hatten heute Heiligsprechungen, wo wir auch Vorbilder für priesterliches Leben haben. Zur Kritik über zu viele Heiligsprechungen hat Papst Johannes Paul II. einmal gesagt, man könne dem Heiligen Geist oder dem lieben Gott nicht vorschreiben, wie viel Heiligkeit oder wie viele Heilige es gibt. Da ist auch etwas dran.

Natürlich standen hinter vielen Heiligsprechungen, auch in den vergangenen Jahrhunderten, politische Interessen oder Interessen von Ordensgemeinschaften. Aber das versucht die Kirche zu kontrollieren und die Verfahren so zu führen, dass da ein Missbrauch oder eine Vereinnahmung ausgeschlossen ist.

DOMRADIO.DE: Die heutige Heiligsprechung findet während der Jugendsynode in Rom statt, die noch bis zum Ende des Monats andauern wird. Meinen Sie, Papst Franziskus richtet damit auch eine Botschaft an die Jugendlichen?

Nersinger: Ja, ganz deutlich. Auch wenn man bedenkt, dass er heute bei der Predigt vom Manuskript abgewichen ist. Wir haben unter den Heiliggesprochenen ja auch einen Laien, der in sehr jungen Jahren gestorben ist. Den hat Papst Franziskus noch einmal extra erwähnt und hervorgehoben. Ich denke, dass es Papst Franziskus wirklich ein Anliegen war, diese Heiligsprechungen bei der Jugendsynode durchzuführen und ein großes, breitgefächertes Angebot von Heiligen zu geben.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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