Räume reichen nicht mehr aus: Päpstliche Uni Gregoriana in Rom
Die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom

05.10.2018

Kinderschutzbeauftragter des Vatikans stellt neuen Studiengang vor Professionelle Prävention

Die Päpstliche Universität Gregoriana bietet den ersten Masterstudiengang an, der Studierende lehrt, wie Kinderschutz geht. An diesem Freitag startet er. Jesuitenpater Hans Zollner stellt ihn als oberster Kinderschutzbeauftragter im Vatikan vor.

DOMRADIO.DE: Ist dieser neue Studiengang "Safeguarding" eine Reaktion auf die unlängst in den USA, Irland, Deutschland und anderen Ländern bekannt gewordenen Fälle von Missbrauch in der Kirche?

Pater Hans Zollner SJ (Theologe, Psychologieprofessor, Psychotherapeut und Leiter des Zentrums für Kinderschutz der Gregoriana): Unser Kinderzentrum der Gregoriana arbeitet bereits seit sieben Jahren im Bereich von Kinderschutz. Wir entwickeln unsere Programme ständig weiter, wie etwa E-Learning Programme, also internetgestützte Präventionsmaßnahmen. Vor drei Jahren haben wir dann begonnen, einen einsemestrigen Diplomkurs im Kinderschutz anzubieten. Aber auch hier haben wir gemerkt, dass es in diesen Zeiten, wichtig ist, dass es in Institutionen gut ausgebildetes Personal gibt. Und so haben wir uns entschlossen einen zweijährigen Vollzeitmasterstudiengang einzurichten.

DOMRADIO.DE: Was sind da die konkreten Inhalte?

Zollner: Das, was jeder, der mit Kindern zu tun hat, wissen muss. Wie erkennt man Missbrauch? Welche zeigt sich Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen? Wie geht man dann auf Betroffene zu? Wie hilft man ihnen? Wie unterstützt man sie in dem Moment? Auch nachdem dieser Missbrauch geschehen und angezeigt ist? Wie geht man auf die Täter zu? Wie muss man sie bestrafen? Welche rechtlichen Vorschriften gibt es da? Wie kann man Institutionen so sicher wie möglich machen, damit Kinder und Jugendliche tatsächlich auch in Frieden und gesund aufwachsen können?

DOMRADIO.DE: Jetzt haben Sie zuletzt kritisiert, sexueller Missbrauch sei kirchenrechtlich bisher unzureichend definiert. Ist das dann nicht schwierig, den Studierenden ganz klare Regeln an die Hand zu geben, wenn das am Ende gar nicht wirklich ausformuliert ist?

Zollner: Wir reden ja nicht nur vom kirchlichen Raum. Wir reden von jeder Art von Missbrauch, die gegen Personen gerichtet sind. Deshalb müssen wir die gängigen wissenschaftlich fundierten Definitionen, die etwa auch von Unicef verwendet werden und überall akzeptiert sind, hernehmen. Das tun wir. Uns hilft spezialisiertes Personal aus der ganzen Welt, diesen Studiengang aufzubauen und durchzuführen.

DOMRADIO.DE: "Safeguarding" wird ja jetzt weltweit wirklich erstmals als interdisziplinäres Vollzeit-Universitätsstudium angeboten. Was glauben Sie, wer sind da die Bewerber?

Zollner: Mit dem heutigen Tag beginnt das Programm bei uns. Deshalb kann ich bereits sagen: Wir haben in diesem Jahr Bewerber aus vier Kontinenten und aus sieben Ländern. Das sind Leute, die ganz unterschiedlichen, wissenschaftlichen, akademischen und professionellen Hintergrund haben. Das sind Juristen, das sind Theologen oder Psychologen. Frauen und Männer. Das sind Leute, die von den jeweiligen Institutionen, die sie schicken, ausgesucht wurden.

DOMRADIO.DE: Welche Institutionen?

Zollner: Das sind Bischofskonferenzen, Ordensgemeinschaften oder Schulverbände in den jeweiligen Ländern, die ein Interesse daran haben, dass Präventionsbeauftragte gut ausbildet werden. Es geht aber auch darum, dass sie im wissenschaftlichen Kontext als Experten für das jeweiligen Land fungieren. Sie haben den kulturellen Kontext, können die Sprache, kennen das Rechtssystem.

DOMRADIO.DE: Und nach Abschluss sind sie dann "lizensierte Kinderschützer", wenn man das so formulieren möchte. Wo und wie werden Sie am Ende eingesetzt?

Zollner: Uns ist wichtig, dass die Institutionen, die sie schicken, ihnen auch nach diesem zweijährigen Kurs eine entsprechende Stelle anbieten werden. Das kann zum Beispiel ein, dass sie in einer Diözese, in einer Ordensprovinz oder auf der Ebene der Bischofskonferenz die Präventionsmaßnahmen koordinieren. Das ist momentan unsere Zielgruppe. Aber ich bin überzeugt davon, dass das auch bei nicht-kirchlichen Organisationen Interesse finden wird.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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