Osservatore Romano: Katholische Fundamentalisten im Widerspruch zum Papst
Dunkle Wolken über dem Vatikan
Erzbischof Carlo Maria Viganò mit Vorwürfen gegen den Papst
Erzbischof Carlo Maria Viganò, ehemaliger Apostolischer Nuntius in den USA
Papst Franziskus
Papst Franziskus
Papst em. Benedikt XVI. und sein Privatsekretär Georg Gänswein im Jahr 2013
Papst Benedikt XVI. und sein Privatsekretär Georg Gänswein im Jahr 2013
Ehemaliger Kardinal Theodore Edgar McCarrick
Ehemaliger Kardinal Theodore Edgar McCarrick

29.08.2018

US-Staatsanwalt: Beweise für Vertuschung durch den Vatikan liegen vor Hat auch der Papst vom Missbrauch gewusst?

Der Vatikan habe über die Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der US-Kirche gewusst – dafür sollen laut US-Staatsanwaltschaft Beweise vorliegen. Derweil laufen über eine Hotline immer mehr Hinweise ein. Liegen gegen den Papst auch Beweise vor?

Pennsylvanias Staatsanwalt Josh Shapiro hat nach eigenen Angaben Beweise, dass der Vatikan über Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der US-Kirche Bescheid gewusst habe. Er könne aber nicht überprüfen, ob Papst Franziskus selbst Kenntnis von den Verbrechen von Priestern gehabt habe, sagte Shapiro in der Sendung "Today" des Nachrichtensenders NBC (Dienstag). Seit Bekanntmachung des Reports für die katholischen Bistümer im Bundesstaat Pennsylvania habe es über die Hotline rund 700 weitere Hinweise auf Sexualstraftaten gegeben.

Alles Lug und Betrug?

Die Grand Jury machte nach Shapiros Angaben handschriftliche Notizen ausfindig, in denen der Missbrauch in geheimen Archiven detailliert beschrieben worden sei. Kleriker seien vom Bostoner Kardinal Bernard Law gezwungen worden, "alles" zu dokumentieren. Diese Politik bezeichnete der Staatsanwalt als "unerklärlich". Er beklagte, Kirchenführer hätten "Gemeindemitglieder am Sonntag belogen, die Öffentlichkeit belogen, die Täter vor der Öffentlichkeit geschützt, aber alles dokumentiert und es in Geheimarchive gelegt".

Nach dem, was die Täter den jungen Menschen angetan hätten, sei es bitter zu sehen, wie die Vertuschung vieler Fälle bis zur Verjährungsfrist gelungen sei, so der Generalstaatsanwalt. "Wenn wir irgendeinen Fall vor Gericht bringen können, gegen irgendeinen übergriffigen Priester oder irgendjemanden, der es vertuscht hat, werden wir es tun", sagte Shapiro.

Gänswein: Benedikt XVI. äußert sich nicht zu Skandalpapier

Behauptungen, der frühere Papst Benedikt XVI. habe das "Memorandum" eines ehemaligen Vatikanbotschafters bestätigt, in dem dieser Papst Franziskus zum Rücktritt aufruft, sind offenbar falsch. "Papst Benedikt hat sich zum 'Memorandum' von Erzbischof Vigano nicht geäußert und wird es auch nicht tun", zitiert "Die Tagespost" (Online-Ausgabe Dienstag) den Privatsekretär von Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein.

US-Medienberichten zufolge behauptet ein Vorstandsmitglied des Nachrichtenkanals EWTN, der emeritierte Papst habe Vorwürfe von Erzbischof Carlo Maria Vigano bestätigt, der von 2006 bis 2011 Nuntius in Washington war. Das seien "Fake News", so Gänswein laut "Tagespost".

Kardinal: Rücktrittsforderung an Papst ist legitim

Der US-amerikanische Kardinal Raymond Burke sieht eine Rücktrittsforderung gegen Papst Franziskus grundsätzlich als legitim an. "Jeder kann sie gegenüber jedem Oberhirten stellen, der sich in der Ausübung seines Amtes schwerwiegend verfehlt, aber die Fakten müssen geprüft werden", sagte Burke der italienischen Zeitung "La Repubblica" (Mittwoch). Mit Blick auf Franziskus könne er allerdings nicht sagen, ob dieser Fehler begangen habe.

Kardinal Burke nannte es ein "Problem", dass manche Kirchenmänner eine "offene und verfehlte Haltung hinsichtlich der Homosexualität" verträten. Es gebe "Versuche, die Lehre der Kirche zu relativieren, nach der ein homosexueller Akt in sich schlecht ist", so der frühere Leiter des obersten vatikanischen Gerichtshofs. Gegen Franziskus habe er "nichts persönlich". Er wolle nur "die Wahrheit des Glaubens und die Klarheit in der Darlegung des Glaubens verteidigen". Vom Papst wünschte er sich zudem eine umfassende und objektive Antwort zu den Vorwürfen.

Vigano: Papst weiß seit 2013 Bescheid

In seiner Niederschrift, die am Sonntag auf mehreren Blogs konzertiert veröffentlicht wurde, behauptet Vigano, er habe Papst Franziskus bereits im Sommer 2013 persönlich gesagt, der frühere Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick habe "Generationen von Seminaristen und Priestern verdorben" und sei von Benedikt XVI. zu einem zurückgezogenen Leben in Buße verurteilt worden. Hintergrund waren laut Vigano, von 2006 bis 2011 Nuntius in Washington, zahlreiche homosexuelle Aktivitäten des prominenten Kardinals.

Franziskus entließ den 88-jährigen McCarrick Ende Juli aus dem Kardinalsstand. Eine Woche zuvor hatte er ihm die öffentliche Ausübung priesterlicher Aufgaben untersagt, nachdem das Erzbistum New York erstmals Vorwürfe sexueller Vergehen auch an Minderjährigen als "glaubwürdig und substanziell" einstufte.

Papst: Eigenes Urteil bilden

Der Papst sagte auf dem Rückflug von Dublin am Sonntagabend vor Journalisten, das Dokument von Vigano spreche für sich. Er werde dazu nichts sagen und vertraue auf die journalistische Kompetenz, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Wörtlich antwortete er eine entsprechende Frage: "Lesen Sie es selbst aufmerksam und bilden Sie sich ein eigenes Urteil."

(KNA)

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