Der heiße Sommer 1978 bewegte Kirche und Welt
Der heiße Sommer 1978 bewegte Kirche und Welt
Papst Paul VI.
Papst Paul VI.
Papst Johannes Paul I.
Papst Johannes Paul I.
Papst Johannes Paul II.
Papst Johannes Paul II.

06.08.2018

Drei Päpste, zwei Konklave und ein angeblicher Giftmord Der heiße Sommer 1978 bewegte die Kirche

Der Hochsommer in Rom ist eben so heiß wie hier. Auch im Vatikan gehen die Uhren dann langsamer, der Papst entspannt in Rom oder Castelgandolfo. Im Sommer vor 40 Jahren war alles anders.

Um die Mittagszeit schlug die Nervosität in Alarm um. Papst Paul VI. sagte das Angelus-Gebet ab. Ein Indiz, dass sein Gesundheitszustand sehr ernst sein musste. Vier Tage zuvor hatte er noch im Innenhof von Castelgandolfo die Generalaudienz abgehalten. Danach bekam er plötzlich hohes Fieber. 48 Stunden lang litt der 80-Jährige, umgeben von Ärzten und engen Mitarbeitern, die mit ihm beteten. Das Fieber stieg, der Blutdruck sank, eine Herzattacke war schließlich zu viel für ihn. "Am Sonntag, den 6. August, um 21.40 Uhr entschlief Papst Paul VI. im Frieden des Herrn", teilte der Vatikan mit.

Erster Papst der Neuzeit

In die Geschichte ist Paul VI., der im Oktober heiliggesprochen wird, als Konzilspapst eingegangen. Zwar wurde das Zweite Vatikanum (1962-1965) von Johannes XXIII. (1958-1963) einberufen und eröffnet. Durchgeführt und umgesetzt aber hat es Giovanni Battista Montini. Als langjähriger vatikanischer Innenminister hatte er im Krieg die Unterbringung von Flüchtlingen und auch von Juden in Klöstern und im Vatikan angeordnet. Am 21. Juni 1963 trat er an die Kirchenspitze.

Paul VI. setzte den Konzilskurs der Kirchenöffnung fort. Als erster Papst der Neuzeit unternahm er Auslandsreisen. In Jerusalem leitete er 1964 mit dem Patriarch Athenagoras von Konstantinopel eine Annäherung mit den Ostkirchen ein. Er suchte die Aussöhnung mit dem Judentum, die Öffnung zu den Weltreligionen - und überhaupt zur Welt.

"Pillen-Paul"

Der oft zögerlich wirkende Paul VI. geriet zwischen die Fronten von Reformern und Bewahrern. Den Stimmungsumbruch markierte 1968 die Enzyklika "Humanae vitae". Von ihr blieb im Gedächtnis fast nur das Nein zu künstlichen Verhütungsmitteln. Der Papst wurde als "Pillen-Paul" verspottet.

19 Tage nach seinem Tod versammelten sich 111 Kardinäle zum Konklave; unter den 56 Europäern auch 5 Deutsche. Die Wahl war eine der kürzesten der Geschichte. Bei sengender Sommerhitze wählten die unter spartanischen Bedingungen eingeschlossenen Kardinäle den Patriarchen von Venedig, Albino Luciani. Dem Vernehmen nach hatte sich der mächtige Kardinal Giovanni Benelli von Florenz für ihn starkgemacht - um den konservativen Favoriten Giuseppe Siri aus Genua zu verhindern.

Johannes Paul I. nach 33 Tagen gestorben

Als Johannes Paul I. trat der 65-Jährige sein Amt an. Der "lächelnde" Papst faszinierte durch seine volkstümlichen Ansprachen und seine gewinnenden Gesten. Dann der Schock: Nach nur 33 Tagen war er tot. Der herzensgute Seelsorger schien vom Apparat der Kurie überfordert und alleingelassen. Auch wenn der britische Autor David Yallop eine Verschwörungs- und Giftmordtheorie konstruierte: Der herzkranke Luciani erlag einer Herzattacke. Gutachten in dem für ihn begonnenen Seligsprechungsprozess belegen das erneut.

Vor dem zweiten Konklave des Drei-Päpste-Jahres hieß es, der Nachfolger müsse von robuster Gesundheit sein. Jemand, der einen Verwaltungsapparat in den Griff bekommt und sich gegen machtbewusste Kurienkardinäle durchsetzen kann. Da anscheinend kein Italiener mehrheitsfähig war - diesmal soll Benelli selbst Gegenkandidat Siris gewesen sein - kam der Krakauer Karol Wojtyla (58) ins Gespräch, offenbar durch den Wiener Kardinal Franz König.

Wojtyla galt als unbekannter Ausländer

Am 16. Oktober stieg um 18.18 Uhr nach dem achten Wahlgang weißer Rauch auf. "Habemus Papam - Carolum Wojtyla", verkündete Kardinal-Protodiakon Pericle Felici einer überraschten Menge auf dem Petersplatz. Höflicher Beifall für den unbekannten Ausländer. Erst nach einer Schrecksekunde, vor allem aber bei seiner improvisierten Rede in passablem Italienisch sprang der Funke über.

Der neue Papst "aus einem fernen Land" sprach von seiner Angst vor dem hohen Amt, für das er Hilfe und Gebet der Gläubigen erbat. "Und wenn ich mich nicht gut ausdrücken kann in eurer - in unserer italienischen Sprache -, werdet ihr mich verbessern." Der artige Applaus wurde zur Begeisterung. "Ein magischer Moment voller Emotionen", titelt am nächsten Tag die Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano". Und mit Johannes Paul II. begann das zweitlängste Pontifikat der Kirchengeschichte, in dem die römisch-katholische Kirche noch stärker Weltkirche wurde.

Johannes Schidelko
(KNA)

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