Kardinal Theodore E. McCarrick, emeritierter Erzbischof von Washington
Kardinal Theodore E. McCarrick, emeritierter Erzbischof von Washington

28.07.2018

Papst nimmt Rücktritt von US-Kardinal McCarrick an Neue Wende im Missbrauchsskandal

Der von Missbrauchsvorwürfen belastete frühere Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, hat Papst Franziskus seinen Verzicht auf die Kardinalswürde angeboten. Wie der Vatikan am Samstag mitteilte, nahm der Papst das Gesuch des 88-Jährigen an.

Laut Medienberichten soll McCarrick, der von 2001 bis 2006 die Erzdiözese Washington leitete, junge Priesteranwärter zum Sex genötigt sowie auch mindestens zwei Minderjährige missbraucht haben. Die bisher bekanntgewordenen Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum zwischen 1970 bis 1990 und damit auf die Zeit vor der Ernennung McCarricks zum Erzbischof von Washington.

"Gebet und Buße"

Wie das vatikanische Presseamt weiter bekanntgab, ging der Brief McCarricks am Freitag ein. Franziskus habe ihn von der Ausübung sämtlicher priesterlicher Dienste in der Öffentlichkeit suspendiert und zugleich verfügt, dass sich der frühere Erzbischof an einen noch näher zu bestimmenden Ort zurückziehen solle, um dort "ein Leben in Gebet und Buße zu führen", bis die Anschuldigungen gegen ihn in einem kirchenrechtlichen Prozess geklärt seien.

Einen ähnlichen Fall gab es zuletzt 2015. Damals verlor der frühere Erzbischof von Edinburgh, Keith Michael Patrick O'Brien, seine Rechte und Privilegien als Kardinal. O'Brien hatte 2013 die sexuelle Belästigung von Priesteramtskandidaten zugegeben und kurz darauf sein Amt als Erzbischof der schottischen Diözese niedergelegt. Wenig später zog sich O'Brien in Abstimmung mit dem Papst für mehrere Monate zu "geistlicher Erneuerung, Gebet und Buße" ins Ausland zurück. Zu dem 2015 eingereichten Verzicht auf die Kardinalswürde hieß es wörtlich aus dem Vatikan, diesen habe O'Brien "am Ende eines langen Weges des Gebets" eingereicht.

Kein Recht mehr zur Teilnahme an Papstwahl

Mit dem Verzicht auf die Kardinalswürde erlischt das Recht des Betreffenden zur Teilnahme an einer Papstwahl und zur besonderen Beratung des Papstes. Er kann nicht mehr an Konsistorien teilnehmen und wird auch nicht mehr vom Papst zusammen mit den Kardinälen nach Rom einberufen.

Ein solcher Schritt ist in der jüngeren Kirchengeschichte extrem selten. 1927 trat der französische Kardinal und Jesuit Louis Billot (1846-1931) nach einem Streit mit Papst Pius XI. (1922-1939) zurück. Grund war Billots Unterstützung für die rechtsextreme und monarchistische Bewegung Action Francaise, die der Papst verurteilte. Pius XI. nahm Billots Ausscheiden aus dem Kardinalskollegium eine Woche später an, veröffentlichte dies jedoch erst zwei Monate später. Billot, ein renommierter Theologie-Professor, der nie zum Bischof geweiht wurde, verbrachte seine letzten Lebensjahre als einfacher Pater in einem Jesuitenhaus bei Rom.

Mit dem Rücktritt McCarricks gibt es in der katholischen Kirche derzeit 224 Kardinäle. Davon sind 124 unter 80 Jahre alt und damit zu einer Papstwahl berechtigt.

(KNA)

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