Junge Katholiken
Jugendliche vermissen Begeisterung bei Gottesdiensten
Vorsynode der Jugendlichen in Rom
Vorsynode der Jugendlichen in Rom

22.03.2018

Jugend-Vorsynode offenbart guten Austausch und große Unterschiede "Wir wollen Feuer"

Halbzeit beim vatikanischen Vortreffen zur Jugendsynode: Die rund 300 Teilnehmer haben den ersten Teil ihrer Arbeit beendet. Sie begrüßten den offenen Dialog und äußerten Hoffnungen für die Bischofssynode im Oktober diesen Jahres.

Seit Montagmittag hatten sie in 20 Kleingruppen Erfahrungen und Einschätzungen zu den Themen Lebenswelt, Kirche und persönliche Lebensentscheidungen zusammengetragen. 

Ziel der sogenannten Vorsynode ist die Erarbeitung eines Dokuments, das auch Gegenstand der Beratungen der Bischöfe im Oktober sein soll. Das Thema der dreiwöchigen eigentlichen Synode lautet: "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung".

Auch Nichtgläubige sind in Rom dabei

"Ich war schon sehr überrascht, wie unterschiedlich etwa die Ansichten zum Frauendiakonat oder zu Gender sind", berichtet Magdalena Hartmann. Ähnlich sieht es Alina Oehler: Was in Deutschland wichtig sei, werde international oft anders gewichtet.

Gleichzeitig schätzen beide den offenen Dialog unter den Teilnehmern, zu denen auch einige Nichtglaubende oder Angehörige anderer Religionen gehören. Zudem beteiligen sich am Austausch weltweit insgesamt gut 14.000 Teilnehmer, darunter 1.374 deutschsprachige, mittels eigener Facebook-Gruppen zur Vorsynode.

Ansonsten entspricht die Arbeitsweise der Vorsynode in einem Bildungshaus am Stadtrand Roms dem der Bischofssynode im Herbst. Die Ergebnisse der 20 Kleingruppen in den Sprachen Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch werden auf vier Seiten zusammengefasst; ein Redaktionsteam erstellt daraus den ersten Entwurf eines Abschlussdokuments.

Junge Menschen verstehen Liturgie nicht mehr 

Bevor dieses am Sonntag dem Papst übergeben wird, soll es am Donnerstag und Freitag noch einmal in den Kleingruppen überarbeitet werden. Besonders überrascht hat Oehler das große Interesse der Teilnehmer am Thema Liturgie.

"Überall zeigt sich, dass junge Menschen Liturgie nicht mehr verstehen; auch in Ländern, wo viele Jugendliche zur Kirche gehen, weil der soziale Druck groß ist." "We want fire" (wir wollen Feuer), zitierte sie einen Teilnehmer aus Afrika, der sich mehr Leben und Verständlichkeit in Gottesdiensten wünscht.

Sehr angetan zeigten sich Hartmann und Oehler bei der Eröffnung am Montag von der Aufforderung des Papstes, die jungen Menschen sollten kein Blatt vor den Mund nehmen. "In den Sprachgruppen merken wir, wie gut es ist, wirklich gehört zu werden", sagt Oehler.

Mehr persönliche Begegnungen mit Bischöfen

Skeptisch sind sie und Hartmann jedoch, ob und inwieweit es gelingt, diese Erfahrungen und Wünsche in das Bischofstreffen im Herbst wirklich einfließen zu lassen. Sie wünschen sich mehr persönliche Begegnungen mit Bischöfen und Kardinälen. Es wäre besser, so Hartmann, wenn mehr als die bisher vorgesehenen 20 jungen Teilnehmer bei der Synode im Herbst dabei sein könnten. Diese haben dort zwar Rede-, aber kein Stimmrecht.

(KNA)

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