Papst Franziskus trifft den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Vatikan
Papst Franziskus trifft den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Vatikan

06.02.2018

Papst Franziskus lobt gute Beziehung zu Benedikt "Verständnis und Freundschaft"

Es ist wohl eine der ungewöhnlichsten Freundschaften, die es jemals gab: Kurz vor dem fünften Jahrestag des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. hat sein Nachfolger Franziskus ihre gute Beziehung gelobt.

"Bei all meinen Begegnungen mit ihm habe ich nicht nur Ehrfurcht und Gehorsam erfahren, sondern auch herzliche spirituelle Nähe, Freude darüber, gemeinsam beten zu können, Verständnis und Freundschaft, und auch die Bereitschaft zum Rat", schreibt Franziskus in einem Vorwort für eine neue Benedikt-Biografie, die am Montag auf Deutsch erscheint.

Erinnerung an letzte Audienz

Benedikt war am 28. Februar 2013 vollkommen überraschend zurückgetreten, Franziskus übernahm am 13. März sein Amt. "Ich muss oft an seine letzte Audienz vom 28. Februar 2013 denken, als er, bevor er den Vatikan verließ, mit folgenden bewegenden Worten von den Kardinälen Abschied nahm: 'Und unter euch ist auch der zukünftige Papst, dem ich schon heute meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam verspreche!'", so Franziskus. "Damals konnte ich natürlich nicht ahnen, dass er damit mich meinte!" In "Benedikt XVI. Die Biografie" würdigt der Autor Elio Guerriero das "große Vermächtnis" des deutschen Papstes.

Bald nach seiner Wahl besuchte ihn sein Nachfolger Franziskus. Das Bild von zwei römischen Päpsten, die sich treffen, ging um die Welt, wurde nach und nach zur Gewohnheit. Etwa wenn Franziskus dem "Papst emeritus" - auf die Bezeichnung wird nach wie vor viel Wert gelegt - neu ernannte Kardinäle vorstellt, oder wenn anfangs Benedikt XVI. bei großen Gottesdiensten im Petersdom zugegen war. Franziskus' Bemerkung über den "guten Großvater" im ehemaligen Kloster "Mater ecclesiae", der zuhören und Rat geben könne, tat ihr Übriges.

Kein Gegenspieler

Befürchtungen, der Altpapst könne zum Gegenspieler des Neuen werden, sind nicht eingetreten. So hat der amtierende Papst den emeritierten stets in seiner Nähe im Vatikan, seitdem er Castel Gandolfo zum Museum erklärte. Es gibt also keinen räumlichen Gegenpol. In Persönlichkeit und Stil unterscheiden sich der «Pfarrer-Papst» aus Buenos Aires und sein Vorgänger, der "Professoren-Papst" aus Bayern.

Theologisch mag - anders als von manchen behauptet - hier und da doch ein Blatt Papier zwischen die beiden passen. Die Gefahr, sie gegeneinander auszuspielen, geht aber eher von anderen aus, die sie für eigene Interessen instrumentalisieren wollen. mEs gab wohl auch Gäste, die sich bei Benedikt XVI. über Franziskus beschweren wollten. Doch die wurden, wie Franziskus selbst einmal erzählte, von seinem Vorgänger unverzüglich vom Hof gejagt; "auf bayerische Art", wie er hinzufügte.

(dpa, KNA)