Der Campo Santo macht Platz für Flüchtlinge
Der Campo Santo macht Platz für Flüchtlinge
Blick von der Kuppel des Petersdom: der Campo Santo
Blick von der Kuppel des Petersdom: der Campo Santo

30.11.2017

Campo Santo Teutonico will Platz machen für Flüchtlinge "Kleiner Beitrag mit Mut und Phantasie"

Der Vatikan – der kleinste Staat der Welt – überrascht mit dem Schritt in Zukunft Flüchtlinge aufzunehmen. Das Priesterkolleg am Campo Santo Teutonico setzt dieses Projekt um, der Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft ist dazu im domradio.de-Interview.

domradio.de: Flüchtlinge im Vatikan – wie kam es denn zu diesem Schritt?

Prof. Stefan Heid (Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft): Die Diskussion steht im Kontext einer allgemein erforderlichen Erneuerung des Campo Santo Teutonico. Der Campo Santo muss grunderneuert werden und bei dieser Gelegenheit stellt sich auch die Frage, was man zukunftsorientiert verändern kann. Da hat der "Hospiz-Gedanke" sehr zündend eingeschlagen ein solches Projekt zu verfolgen. Das ist zunächst nur in der Beschlussfassung, die Realisierung muss im Detail noch erarbeitet werden.

domradio.de: Im Campo Santo leben neben Seminaristen und Priestern auch Gäste. In der Geschichte war es lange Zeit schon ein Hospiz für Menschen. Wie soll das Projekt umgesetzt werden?

Heid: Vor allem mit Schwung, Phantasie und mit großer Begeisterung. Zunächst ist die Idee auf ein enorm positives Echo gestoßen. Der Gedanke einer Herberge ist ja schon seit 500 Jahren ein Markenzeichen des Campo Santo. Dieses Markenzeichen hat im Zweiten Weltkrieg eine tragische Berühmtheit erfahren. Im Jahre 1943/1944, zur Zeit der deutschen Besatzung, wurden 50 politisch und religiös Verfolgte auf Wunsch der Päpste im Campo Santo untergebracht. Nach dem Krieg ist dieser Impuls etwas untergegangen, dadurch dass das Priesterkolleg alles absorbiert hat. Das muss nicht so bleiben. Wir möchten den sozialen und religiösen Gedanken wieder stärker in den Vordergrund stellen.

domradio.de: Wie viele Menschen können Sie denn unterbringen? Und wie werden Sie das angehen?

Heid: Das ist noch sehr früh, um das zu diskutieren. Das müssen wir mit allen Beteiligten absprechen, aber ich sehe keine großen Probleme. Wer sich im Campo Santo auskennt, der weiß, dass die Wege im Vatikan sehr kurz sind. Es ist ja gerade Papst Franziskus, der eine solche Initiative inspiriert.

domradio.de: Sie haben das im Rahmen der Erzbruderschaft beschlossen. Inwiefern müssen Sie diese Aktion mit dem Vatikan absprechen?

Heid: Es müssen alle involvierten Institutionen ins Boot geholt werden. Auch weit über dem Campo Santo hinaus ist die Begeisterung groß. Die Zeit der Bedenkenträger sollte gar nicht erst anbrechen. Wir sind eine "Chiesa in uscita", eine "Kirche auf dem Weg", das wollen wir als Bruderschaft verdeutlichen. Der soziale Gedanke lebt seit 500 Jahren in der Bruderschaft und ist etwas zu kurz gekommen.

Das Vorhaben betrifft auch eine innere Erneuerung und soll nicht nur eine Erneuerung des Gebäudes sein. Wir sind nicht nur ein Verein für das Gebet, sondern möchten auch für die Armen und Unterprivilegierten da sein. Darin besteht eben auch diese innere Erneuerung. Es gibt sehr viel Armut in Rom, von daher sind die Flüchtlinge nur ein Aspekt. Wir können nur einen kleinen Beitrag tun, aber den wollen wir angehen. Das Gute zu tun, erfordert Phantasie und nicht Bedenken. Wir hoffen, dass wir damit eine große Solidarität auslösen.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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