Protest gegen Atomwaffen
Protest gegen Atomwaffen
Papst Franziskus mit Teilnehmern der Anti-Atomwaffen-Konferenz im Vatikan
Papst Franziskus mit Teilnehmern der Anti-Atomwaffen-Konferenz im Vatikan

12.11.2017

Vatikankonferenz debattiert über ein klares Papstwort Was bedeutet ein Atomwaffenverbot für die Kirche?

Nach dem Ende des Kalten Krieges schien die Debatte um Atomwaffen verstummt. Jetzt sorgt vor allem der Vatikan dafür, dass sie wiederbelebt wird - allerdings anders als die Führer Nordkoreas und der USA.

Die Diskussion begann schon auf dem kurzen Fußweg vom Apostolischen Palast zurück in die Synodenaula: Was heißt dieser eine Halbsatz in der Ansprache, die der Papst gerade gehalten hat? Nicht nur die Drohung, Atomwaffen einzusetzen, sondern "allein ihr Besitz ist mit Nachdruck zu verurteilen", hatte Franziskus gesagt.

So klar hatte das bislang kein Vertreter des katholischen Lehramtes formuliert.

Perspektiven für eine Welt ohne Atomwaffen

"Wir haben uns gefragt: 'Sind Arbeiter und Ingenieure in einer Rüstungsfabrik, Politiker und Militärs, die über Atomwaffen entscheiden, jetzt exkommuniziert?'", berichtet Heinz-Günther Stobbe.

Stobbe, ehemaliger Professor für theologische Friedensforschung in Siegen, war einer der Teilnehmer einer internationalen zweitägigen Konferenz zu "Perspektiven für eine Welt ohne Atomwaffen", die am Samstag im Vatikan zu Ende ging. Mit dem Treffen wollte der Vatikan vor allem für einen Vertrag zum UN-Atomwaffenverbot werben. Einem solchen hatten Anfang Juli 122 Staaten in New York zugestimmt, der Heilige Stuhl ihn als erster unterzeichnet und ratifiziert.

Vatikankonferenz "sehr wichtiges Ereignis"

"Man kann sagen: Der Vatikan hat's leicht", räumt Stobbe sein. Für ihn es dennoch ein wichtiges Zeichen. Im Übrigen sei die Initiative des Vatikan im derzeitigen Kontext ein "sehr wichtiges Ereignis", weil sie das Problem der Atomwaffen wieder bewusst mache. Nun müsse sich auch die Kirche in jedem Land, von den Bischöfen bis in die Gemeinden, fragen: Wie stellen wir uns dazu, zur Politik unseres Landes?

Seit den Hirtenbriefen zur Nachrüstungsdebatte der 80er Jahre war das moralische Dilemma rund um Atomwaffen kaum mehr angesprochen worden.

USA: Viele Katholiken in Rüstungsfabriken oder beim Militär

Welche Folgen hat nun das klare Urteil des Papstes? Bei seinen Mitbrüdern genieße dies derzeit wenig Aufmerksamkeit, räumte Robert McElroy, Bischof von San Diego und Mitglied des Komitees für Gerechtigkeit und Frieden der US-Bischöfe, ein. In seinem Bistum seien viele Katholiken in Rüstungsfabriken oder beim Militär beschäftigt. Die seien nicht mit einem Schlag exkommuniziert; man müsse aber über den Irrsinn nuklearer Abschreckung reden.

Denn ihre einstweilige moralische Akzeptanz durch die Kirche sei an die Bedingung geknüpft gewesen, dass die Verantwortlichen mit Nachdruck daran arbeiten, Atomwaffen abzuschaffen, erklärte McElroy.

Zwar haben die Supermächte USA und Sowjetunion ihre Atomwaffenarsenale Anfang der 90er Jahre erheblich reduziert. Dennoch gebe es keinen wirklichen Willen, diese taktisch sinnlosen und unmoralischen Waffen ganz abzuschaffen, so eine häufige Einschätzung. Mit der UN-Initiative für ein Atomwaffenverbot und dem Wort des Papstes wird die Debatte wieder dringlicher.

Abkommen würde Nuklearwaffen völkerrechtlich verbieten

Würde der Vertrag von den notwendigen 50 Staaten ratifiziert und in Kraft treten, wären Nuklearwaffen völkerrechtlich ebenso illegal wie Streubomben, Landminen oder B- und C-Waffen. Damit ließe sich mittelfristig ein weltweiter Mentalitätswandel herbeiführen, hofft Österreichs ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen, Thomas Hajnoczi.

Er hat am Zustandekommen des jüngsten Abkommens maßgeblich mitgearbeitet. Natürlich könne man über die Reihenfolge politischer Maßnahmen unterschiedlicher Meinung sein, griff Hajnoczi Bedenken zum Verbotsvertrag auf. "Aber jetzt haben wir den Text und sollten mit ihm weiterarbeiten."

Stellevertretende Nato-Generalsekretärin eher skeptisch

Die stellvertretende Nato-Generalsekretärin Rose Gottemoeller zeigte sich gegenüber den vielfachen Appellen zum Atomwaffenverzicht eher skeptisch. Der nukleare Schutzschirm für Europa bleibe Bestandteil der Nato-Doktrin. Gleichzeitig warb sie: "Kommen Sie nach Brüssel, um zu sehen, wie hart unsere Leute für den Schutz unserer Alliierten arbeiten." - Das wolle man gern tun, nahm ein anderer Podiumsteilnehmer die Einladung auf.

"Wir reden auch mit Vertretern von Rüstungsfirmen, Militärs - das hilft beiden Seiten", berichte Susi Snyder von der niederländischen Abrüstungsinitiative Pax. Dann brauche es für den Erfolg nicht immer die große Politik. So habe kürzlich ein US-Unternehmen die Produktion von Streubomben eingestellt, um attraktiver für europäische Investoren zu werden.

(KNA)

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