Wohnung von Kardinal Bertone im Vatikan – um diese dreht sich ein Veruntreuungsprozess
Wohnung von Kardinal Bertone im Vatikan – um diese dreht sich ein Veuntreuungsprozess
Tarcisio Bertone
Tarcisio Bertone

03.10.2017

Doppelte Rechnungen, neue Zeugen im Veruntreuungsfall Prozess um Kardinal Bertone

Im Veruntreuungsprozess um Kardinal Bertone werden neue Zeugen geladen: Die Direktorin des Krankenhauses und der Vatikanische Finanzdirektor sollen aussagen, ob die Kardinalswohnung mit Spendengeldern renoviert wurde.

Im Prozess um die Veruntreuung von Spendengeldern beim vatikanischen Kinderkrankenhaus "Bambino Gesu" sollen nun weitere, prominentere Zeugen geladen werden: die Direktorin des Kinderkrankenhauses, Mariella Enoc, und der Direktor der Vatikanischen Finanzaufsicht (AIF), Tommaso Di Ruzza. Das entschied der Vatikanische Gerichtshof am Montagabend, wie Prozessbeobachter anschließend vor Journalisten berichteten.

Arbeiten an Kardinalswohnung seien ohne Vertrag erfolgt

Bei der Verhandlung am Montag wurde im Wesentlichen der beteiligte Bauunternehmer Gianantonio Bandera befragt. Von ihm wollte das Gericht wissen, ob Banderas Unternehmen bei der Renovierung der Wohnung für Kardinal Tarcisio Bertone im Vatikan Rechnungen sowohl an das Governatorat des Vatikanstaates wie an die Stiftung des Krankenhauses "Bambino Gesu" ausgestellt habe. Bandera erklärte, für die Restaurierungsarbeiten habe es "weder doppelte Zahlungen noch doppelte Rechnungen" gegeben.

Zeugenaussagen bei der Verhandlung am 23. September hatten das aber nahegelegt. Bandera bestritt das, schränkte aber ein: Nach der Eröffnung eines Konkursverfahrens für sein Unternehmen im Oktober 2013 habe er nicht mehr die volle Kontrolle über die Geschäfte gehabt. Allerdings räumte er auch ein, dass Arbeiten im Wert von Hunderttausenden Euro für die Wohnung von Bertone "ohne Vertrag" und "auf Basis einfacher Mailwechsel" erfolgt seien. Für andere Arbeiten habe es jedoch einen Ausschreibungsvertrag mit dem Governatorat gegeben.

Der Kardinal habe das Projekt und die Firma vorgeschlagen

Der Genueser Unternehmer Bandera und Kardinal Bertone, früher Erzbischof von Genua, kennen sich seit Anfang der 1990er Jahre. Unlängst hatte ein anderer Zeuge, der als Ingenieur im Governatorat für Bausanierung zuständig ist, erklärt, das Vorgehen in der Causa Bertone sei insofern besonders gewesen, als der Kardinal das Projekt und die ausführende Firma vorgeschlagen sowie die Übernahme der Kosten angekündigt habe.

Am Ende des Verhandlungstages am Montag entschied das Gericht, dass nun doch die Direktorin des Kinderkrankenhauses, Mariella Enoc, und der Direktor der Vatikanischen Finanzaufsicht (AIF), Tommaso Di Ruzza, als Zeugen aussagen sollen. Zwar waren beide schon einmal vorgeladen worden, hatten ihr Erscheinen aber verweigert und schriftliche Aussagen eingereicht. Die genügten nicht, entschied das Gericht nun und lud Enoc und Di Ruzza für kommenden Freitag vor, um sie persönlich zu befragen.

Für Renovierung Spendengelder veruntreut?

Bertone, der beim Prozess bisher nicht in Erscheinung trat, hatte laut Medien erklärt, er habe 300.000 Euro selbst für die Renovierung beigesteuert. Nach eigenen Angaben wusste er auch nichts von einem Beitrag der Stiftung. In dem Prozess angeklagt sind der ehemalige Chef der "Stiftung Bambino Gesu" und ihr früherer Schatzmeister, Giuseppe Profiti und Massimo Spina. Sie sollen für die Renovierung der Wohnung Spendengelder veruntreut haben; der Kardinal sollte dort im Gegenzug Veranstaltungen anbieten, um Spendengelder einzuwerben.

(KNA)

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