Papst Johannes XXIII.
Papst Johannes XXIII.

12.09.2017

Johannes XXIII. ist nun Patron des italienischen Militärs Umstrittene Entscheidung des Vatikan

Respektlos oder vorbildhaft? In der Debatte um Johannes XXIII. als Schutzpatron des italienischen Militärs betonen die einen seine eindeutige Verurteilung des Krieges. Andere verweisen auf sein Engagement für Soldaten.

"Johannes XXIII. als Patron der Streitkräfte? Da wird er sich im Grab umdrehen", meint ein Kommentator zur jüngsten Entscheidung des Vatikan, die in Italien für einigen Wirbel sorgt.

Pax Christi: "Respektlos"

Der "gute Papst", 2014 heiliggesprochen, ist beliebt wie nur wenige. Doch ihn als Patron der italienischen Streitkräfte zu vereinnahmen, sei "respektlos" und "absurd", so der Vorsitzende von Pax Christi Italien, Bischof Giovanni Ricchiuti. Immerhin sei Johannes XXIII. der Papst, der in seiner Enzyklika "Pacem in terris" (Frieden auf Erden) den Krieg anprangerte.

Doch am Dienstagnachmittag übergab Italiens oberster Militärseelsorger, Erzbischof Santo Marciano, in Rom eine entsprechende Urkunde an General Danilo Errico, Oberbefehlshaber der Streitkräfte des Landes. Per Dekret vom 17. Juni erklärte die vatikanische Gottesdienstkongregation "den heiligen Johannes XXIII. zum 'Fürsprecher der italienischen Streitkräfte bei Gott'".

An der Zeremonie im Verteidigungsministerium nahm auch die Ministerin Roberta Pinotti teil. In der Zentralbibliothek des Ministeriums wurde eine Büste des Roncalli-Papstes gesegnet und eine Ausstellung eröffnet. Ihr Titel: "'Ich liebe Italien' - der heilige Johannes XXIII., Mann des Friedens".

Der richtige Patron für Italiens Streitkräfte?

Organisiert wurde die Ausstellung von der Stiftung "Papst Johannes XXIII." in Bergamo und dem italienischen Militärbischofsamt. Großformatige Fotos aus dem Leben des Heiligen und Textauszüge sollen belegen: Er ist der richtige Patron für Italiens Streitkräfte, zu denen neben Heer, Marine und Luftwaffe auch die Carabinieri gehören.

Am Vormittag waren zu diesem Anlass Militärbischof Marciano und General Errico bereits in der Kaserne Pius IX. mit rund 100 Militärseelsorgern zusammengetroffen.

In der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" versucht der Kirchenhistoriker und Vorsitzende der "Stiftung Johannes XXIII.", Ezio Bolis, die Verbindungen des heiligen Papstes zum Militär und seine Liebe zum Vaterland aufzuzeigen. Angelo Giuseppe Roncalli (1881-1963), der spätere Johannes XXIII., hatte 1901/1902 Militärdienst geleistet. Nach Italiens Eintritt in den Ersten Weltkrieg 1915 wurde er als Sanitätssoldat einzogen, war später im Rang eines Leutnants als Militärseelsorger tätig, sowohl an der Front wie auch in Lazaretten.

Die Welt des Militärs, so Bolis, sei für Roncalli "eine wahre Schule (...) des Glaubens und der Menschlichkeit" gewesen. Den Krieg dagegen habe er "verachtet", weil er dessen Grausamkeiten selbst erlebte.

Pax Christi widerspricht Befürwortern

Johannes XXIII. zum Patron der Streitkräfte zu machen, so Bolis, unterstreiche deren grundlegende Aufgabe in einem demokratischen Staat, "das kostbare Gut des Friedens mit der Kraft des Gesetzes zu bewahren". Bei einer Audienz für Militärseelsorger 1959 habe Johannes XXIII. an seine eigenen Erfahrungen erinnert und betont, sie seien "Männer des Friedens, die allein durch ihr Präsenz ruhige Sachlichkeit vermitteln". Keinesfalls gehe es darum, Waffen zu segnen oder Kriegslust zu schüren - ganz im Gegenteil.

Bisher scheinen solche Argumente indes wenig zu überzeugen. Es dürfe nicht vergessen werden, dass Papst Benedikt XV. (1914-1922) den Ersten Weltkrieg als "unnützes Gemetzel" bezeichnet habe, erinnert Pax Christi. Johannes XXIII. sei für die Menschen "der gute Papst", der "Papst des Friedens" und nicht der Armee, so Pax-Christi-Präsident Bischof Ricchiuti. Ob sich Johannes XXIII. im Grab umgedreht hat, als der Militärbischof dem General die entsprechende Urkunde übergab? Ein Blick in den Sarkophag des "guten Papstes" im Petersdom verrät: Er liegt noch so da wie am Morgen. Und das tut er wohl auch, wenn an seinem Gedenktag am 11. Oktober dort aus diesem Grund eine Messe gefeiert wird.

Roland Juchem
(KNA)

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