Gemeinsames Gebet in Castel Gandolfo (2013)
Franziskus und Benedikt: Gemeinsames Gebet in Castel Gandolfo im Jahr 2013
Ulrich Nersinger
Ulrich Nersinger

07.08.2017

Zwei Päpste: Vatikan-Experte fordert Regelungen "Es kann nur einen geben"

Seit über vier Jahren gibt es zwei Päpste. Forderungen werden laut, dass Benedikt auf Papst-Utensilien verzichten solle. Der Vatikan-Experte Ulrich Nersinger findet dies rückwirkend betrachtet problematisch, fordert aber zukünftige Regelungen.

domradio.de: Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller spricht davon, dass Benedikt XVI. oder allgemein ein zurückgetretener Papst keine weiße Kleidung mehr tragen und seinen Fischer-Ring ablegen sollte. Ist das eine angemessene Forderung?

Ulrich Nersinger (Vatikan-Experte): Ja, solche Regelungen, die auf den Verzicht auf Titel, Anrede, Kleidung oder all die Utensilien, die mit dem Papsttum verbunden werden, zu fordern, das ist generell legitim und sinnvoll. Mir persönlich kommt dabei immer ein Kinofilm aus den 1980er Jahren in den Sinn mit dem Titel "Es kann nur einen geben". Allerdings muss ich sagen, jetzt einen solchen Verzicht rückwirkend einzufordern, das halte ich für sehr problematisch.

domradio.de: In der Zukunft muss man sich also darauf vorbereiten?

Nersinger: Auf jeden Fall. Das sollte unbedingt kommen. Wir können uns so eine unendliche Geschichte, wie wir sie jetzt erleben, eigentlich nicht erlauben. Das muss gemacht werden. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern absolut nötig.

domradio.de: Welche Rolle hat denn ein zurückgetretener Papst für die Kirche?

Nersinger: Die Figur eines emeritierten Papstes ist ja – wenn wir vom Mittelalter absehen – etwas Neues in der Geschichte. Damit sind wir natürlich alle ein wenig überfordert.

Als Benedikt zurückgetreten ist, da musste das ja auch alles relativ schnell geschehen. Es stand die Sedisvakanz (Anm. d. Red.: Zeit des "leeren Stuhles") und das nächste Konklave (Anm. d. Red.: Wahl des Papstes) an. Das ist alles unter starkem Zeitdruck geschehen und auch in einer Weise, die nicht alles miteinbezogen hat, was vielleicht notwendig gewesen wäre, um die Rolle und die Vorrechte entsprechend zu definieren.

domradio.de: Jetzt gibt es die Kreise, die Benedikt und Franziskus gerne gegeneinander ausspielen würden. Die beiden selbst sagen, da ist nichts dran. Ist das nicht ein Konflikt, den man hätte vorhersehen können?

Nersinger: Ich denke schon, aber natürlich ist es leicht jetzt zu sagen, das hätten wir alles sehen können. Natürlich hätte man vorher bedenken müssen, dass so etwas möglich ist. Ich will das jetzt auch gar nicht an den Personen Benedikt und Franziskus festmachen.

Wir leben ja in einer Zeit, die von den Medien und den sozialen Netzwerken und auch unterschiedlichen Interessen geprägt ist. Da bewegt man sich auf einem Minenfeld und das gibt natürlich gewissen Kräften, die dann auch den einen oder anderen Protagonisten instrumentalisieren wollen, Zündstoff. Das ist ein Spiel mit dem Feuer.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(dr)

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