Plastiknachbildungen der Madonna von Fatima
Plastiknachbildungen der Madonna von Fatima
Das Jubiläumsjahr "100 Jahre Fatima" zog Millionen Gläubige an
100 Jahre Marienerscheinung in Fatima
Pilgermagnet: die Lourdesgrotte
Madonna vor der Lourdesgrotte

13.05.2017

Franziskus sieht regelmäßige Marienbotschaften eher skeptisch "Maria ist keine Oberpostbeamtin"

Papst Franziskus ist - wie viele Lateinamerikaner - ein großer Marienverehrer. Aber er sagt auch: "Maria ist doch eine Mutter, die uns alle liebt - und keine Oberpostbeamtin, die uns täglich Botschaften schickt!"

Hier spricht durch Papst Franziskus der Jesuit Jorge Mario Bergoglio: Wiederholt hat sich der 80-Jährige skeptisch gegenüber Privatoffenbarungen geäußert. Maria sei keine Botin, die an bestimmte Seher zu bestimmten Tageszeiten Botschaften übermittele. Das sei "nicht christliche Identität", so Franziskus. Das letzte Wort Gottes heiße Jesus - "und nichts darüber hinaus".

Noch deutlicher wurde Franziskus im November 2013, als er sagte: "Maria ist doch eine Mutter, die uns alle liebt, und keine Oberpostbeamtin, die uns täglich Botschaften schickt!" Marienerscheinungen werden seit dem 18. Jahrhundert zu den "Privatoffenbarungen" gezählt. Als solche werfen sie theologische Probleme auf - da Gottes Offenbarung nach kirchlicher Lehre mit dem Tod des letzten Apostels an ihr Ende gekommen ist.

Wiederkehrendes Muster

Das kirchliche Lehramt trennt scharf zwischen Offenbarung und Privatoffenbarungen. Letztere können die ursprüngliche Offenbarung nur in Erinnerung rufen, erklären oder aktualisieren. Laut Weltkatechismus steht es jedem Katholiken frei, an solche Privatoffenbarungen zu glauben oder nicht - selbst wenn die Kirche sie als gesichert ansieht. Das gilt etwa auch für das südfranzösische Lourdes. Dort soll der Schafhirtin Bernadette Soubirous 1858 insgesamt 18 mal Maria als die "Unbefleckte Empfängnis" erschienen sein.

Kritiker wie der britische Historiker David Blackbourn (67) sehen in Lourdes eine Art Schema aller nachfolgenden Marienerscheinungen: eine einfältige Seherin aus dem Volk, geprägt durch Armut, Krankheit, Vernachlässigung und rohe Behandlung durch Eltern und Umwelt; Mitteilung einer frommen Botschaft, Heilwasser und Bau eines Heiligtums (Quelle und Kapelle); Ablehnung durch den Pfarrer und die Zivilbehörden, Berichte von Wunderheilungen und schließlich die Errichtung eines offiziellen kirchlichen Kults.

Entwicklung von Marienerscheinungen

Marienerscheinungen konkurrieren in der Volksfrömmigkeit mit den sogenannten Gnadenbildern, bei denen sich um ein Bild oder eine Statue der Muttergottes eine Wallfahrtsstätte entwickelt. Erste Berichte über Marienerscheinungen lassen sich bis ins frühe Christentum zurückverfolgen. Bereits im Jahr 41 soll Maria dem heiligen Jakobus auf einer Säule erschienen sein, während er in Spanien missionierte. Das Mittelalter hindurch blieb der typische Marien-Visionär männlich, erwachsen, zumeist Kleriker.

Erst relativ spät setzte sich das moderne Erscheinungsbild durch: Mädchen aus dem einfachen Volk sind die "Auserwählten", Hirten zumeist, der Ort einsam gelegen in Wald und Flur. Beispiele sind das Alpendorf La Salette 1846, das Pyrenäendorf Lourdes 1858 oder das saarländische Marpingen 1876. Experten sehen die Erscheinungen in zeitlichem Zusammenhang mit wirtschaftlichen und politischen Krisen: Hungersnöten, Cholera, Missernten. Eine Häufung gebe es in den 1860er und 1870er Jahren, im Ersten Weltkrieg oder dem Krisenjahr 1933.

Ihre Zahl geht europaweit in die Hunderte, mit Spitzen in den katholischen Ländern Italien und Frankreich. Aber auch aus Lateinamerika, Afrika und Asien gibt es einschlägige Berichte. Dennoch erlangten nur die wenigsten Erscheinungen eine kirchliche Approbation. In Frankreich waren es La Salette, Lourdes (1862) und Pontmain (1871). Mit ihnen wurde die Proklamation des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis von 1854 vorbereitet beziehungsweise besiegelt. Zugleich gelang es den Bischöfen, die regelrechte Marien-Welle allmählich zu kanalisieren - etwa durch die Gründung von Marienkongregationen.

Kirchliche Anerkennungen

1930 wurden die Visionen von drei Hirtenkindern 1917 im portugiesischen Fatima kirchlich anerkannt; bald darauf die belgischen Erscheinungen von Beauraing 1932 und Banneux 1933. Sie alle ähneln dem Ablauf von Lourdes. Seitdem ist keiner weiteren Erscheinung die offizielle Genehmigung zuteilgeworden. Ein besonderer Fall ist Medjugorje. Hier dauern die angeblichen Erscheinungen nach Darstellung der Seher seit 1981 bis heute an; ein endgültiges Urteil durch den Vatikan steht noch aus.

Alexander Brüggemann

(KNA)

Sonderseite zur DBK-Vollversammlung

Die deutschen Bischöfe in Fulda: Artikel, Videos, Bilder und Interviews.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Messenger-Gemeinde

Tageskalender

Radioprogramm

 25.09.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Schöpfung bewahren - Fridays For Future gehen wieder auf die Straßen
  • Dreikönigswallfahrt: Orgelmusik und Architektur
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Das Heilige Jahr in Santiago de Compostela

Pilgerreise auf dem Jakobsweg mit „ne Bergische Jung“ Willibert Pauels! Jetzt anmelden für Juli 2021!

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…