Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle
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Historiker Hubert Wolf
Historiker Hubert Wolf

27.01.2017

Historiker Wolf über archaische Riten und Frauen als Kardinäle Konklave als Beugehaft

Er spricht temperamentvoll, engagiert und ohne Furcht vor Tabus. Hubert Wolf blickt als Historiker auf die lange Geschichte der Katholischen Kirche. Jetzt hat der Münsteraner Historiker ein Buch über das Konklave geschrieben.

Franziskus ist mit 80 Jahren im besten Papstalter – dennoch hat der Professor für Kirchengeschichte in Münster sein Buch "Konklave. Die Geheimnisse der Papstwahl" zum jetzigen Zeitpunkt über die Papstwahl vorgelegt: "Weil viele Fragen der Papstwahl und der Umgang mit einem zurückgetretenen Papst unklar sind", gibt Wolf als Grund für das Buch an. Auch habe Franziskus gesagt, dass es zukünftig mehrere zurückgetretene Päpste gleichzeitig geben könne. Da sei aber vieles offen, weil es das über Jahrhunderte nicht gegeben habe. Weder ist geregelt, welche Kleidung das zurückgetretene Oberhaupt der Kirche tragen soll, noch wie es angesprochen werden soll, sagt der Kirchenhistoriker.

Wolf blickt nicht nur auf die Geschichte der Papstwahl, sondern kompakt auf die Geschichte des Papsttums insgesamt. Da zeigt sich: das Konklave entwickelte sich erst nach und nach. "Jesus hat das Konklave nicht eingesetzt", sagt Wolf lachend. Die historische Vernunft habe zur Entwicklung des Konklaves geführt – dafür seien aber Erfahrungen aus der Geschichte nötig gewesen. Das abgeschiedene Konklave war ursprünglich eine Art Beugehaft für die Kardinale im 13. Jahrhundert gewesen, die sich partout nicht auf einen Papst einigen konnten. Die Abschottung von allen äußeren Einflüssen und die Ermöglichung von Gewissensentscheidungen der einzelnen Kardinäle hält Wolf für die wichtigsten Errungenschaften des Konklaves.

Bizarr wirkende Riten im Informationszeitalter

Nur über den Schornstein kommunizieren die Kardinale als exklusive Papstwähler mit der Außenwelt, die durch die Farbe des Rauches erfährt, ob ein neues Oberhaupt der Katholischen Kirche gewählt worden ist oder ob die rund 1,2 Milliarden Mitglieder der Kirche noch länger warten müssen. Doch gerade das Geheimnisvolle der Wahl fasziniert die Menschen, meint Wolf. Er will die Aura und Autorität des Papstamtes gerne bewahren – doch genau da sieht er eine Gefahr durch fehlende Regeln für einen Papst-Rücktritt.

"Ich habe mich nicht daran gewöhnt, dass wir regelmäßig zwei weiß gekleidete Männer im Vatikan sehen." Wolf findet die Kleiderwahl und die Anrede mit "Heiliger Vater" bei Benedikt nach seinem Rücktritt problematisch. Auch wenn Franziskus offenkundig kein Problem mit regelmäßigen Treffen mit Benedikt hat, legt Wolf Wert auf die Feststellung, dass das Papstamt keine Weihe ist, sondern eine Funktion. Für die Rückgabe des Amtes müsste es klare Regelungen für das Prozedere und dem Umgang mit dem emeritierten Bischof von Rom geben, fordert Professor Wolf. Ebenso solle geregelt werden, was passiert, wenn ein Papst dement wird und gar nicht mehr in der Lage ist, den Rücktritt zu erklären. Eine Antwort darauf gibt der Historiker in seinem Buch allerdings nicht, möchte aber zu Überlegungen anregen.

Frauen als Kardinäle, aber keine Direktwahl des Papstes

Eine klare Zukunftsvision für die Papstwahl präsentiert der Historiker am Ende des gut lesbaren und spannend geschriebenen Buches. Ein fiktiver Papst Hadrian VII. im Jahr 2059 behält das Konklave und den Vatikan als Wahlort bei, erweitert allerdings den Kreis der Papstwähler. Neben 120 Kardinälen sollen zukünftig 120 Laien aus aller Welt ihre Stimme abgeben dürfen. Ganz konkret spricht sich Wolf für die Verleihung der Kardinalswürde auch ohne Priesterweihe aus – dann könnten Laien und damit auch Frauen Kardinäle werden. Dass 1,2 Milliarden Katholiken ihr Oberhaupt in einer Direktwahl selbst bestimmen können, das hält der 57jährige nicht für praktikabel.

Dass der Papst nur Oberhaupt der Katholiken sein kann, weil er der Bischof vom Rom ist, diesen Aspekt möchte der Träger des renommierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft wieder mehr betonen. Dafür müsste die Einführung des neugewählten Papstes in der Lateranbasilika und nicht im Petersdom sein, da sie die Bischofskirche des römischen Bischofs ist. Auch wenn solche Vorschläge auf den ersten Blick ungewöhnlich scheinen: Wolf gibt in dem Buch nicht den Revoluzzer, der aus Lust an der Provokation Reformen fordert. Der Priester des Bistums Rottenburg-Stuttgart weist auf Probleme hin, die seiner Meinung nach dringend gelöst werden müssten – damit das Papstamt auch in Zukunft seine Ausstrahlung und Autorität behält: "Wir sind als Katholiken froh, dass es den Papst gibt – er ist ein Einheitspunkt, den gibt es sonst nirgendwo!"

Mathias Peter
(dr)

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