Papst Franziskus und Mahmoud Abbas (l.)
Papst Franziskus und Mahmoud Abbas (l.)

14.01.2017

Palästinensische Botschaft beim Heiligen Stuhl öffnet Für Frieden und eine Zwei-Staaten-Lösung

Im Nahostkonflikt ist Rat auch für Kirchendiplomaten teuer: Der Vatikan ist für die Zwei-Staaten-Lösung, jüngst schloss er einen Grundlagenvertrag mit Palästina. Derweil hakelt er mit Israel ergebnislos über Rechtsfragen.

An diesem Samstag ist Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bei Papst Franziskus zur Privataudienz. Anlass für das vierte Treffen der beiden im Vatikan: Die Einweihung der palästinensischen Vertretung beim Heiligen Stuhl. Die Botschaft ist ein Ergebnis langer Verhandlungen. Nun soll Abbas offiziell die Tafel der Botschaft enthüllen und die palästinensische Fahne hissen.

Die Niederlassung gegenüber der Porta Sant'Anna, der Hauptzufahrt in den Vatikanstaat, ist seit Anfang vergangenen Jahres in Betrieb - damals trat nach sechsjährigen Verhandlungen ein Grundlagenvertrag zwischen Palästina und dem Heiligen Stuhl in Kraft. Er regelt das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den staatlichen Behörden in den Palästinensergebieten.

Vatikan für Zwei-Staaten-Lösung

Erstmals erkannte der Vatikan damit in einem offiziellen Dokument den Staat Palästina an. Seine Position im Nahostkonflikt machte er ebenfalls in dem Text deutlich: für eine Friedenslösung zwischen Israelis und Palästinensern im Rahmen einer Zwei-Staaten-Lösung. Israel reagierte damals mit Kritik: Man werde das Abkommen nicht akzeptieren; es sei übereilt und einseitig.

Ob es bei den Gesprächen zwischen Heiligem Stuhl und Israel für ein Abkommen ähnlich dem Grundlagenvertrag mit Palästina vorangeht, bleibt abzuwarten. Es gibt zwar bereits seit 1993 einen Vertrag über bilaterale Beziehungen, wichtige Fragen sind aber nach wie vor ungeklärt. Seit Jahren verhandeln beide Seiten um ein Rechts- und Wirtschaftsabkommen, das offene Fragen um Kirchenbesitz, Heilige Stätten und gemeinnützige katholische Einrichtungen regeln soll.

Die Beziehungen zu Palästina und Israel fordern auch Vatikan-Diplomaten heraus. Als zum Jahresende der UN-Sicherheitsrat erstmals seit Jahrzehnten in einer Resolution den israelischen Siedlungsbau in den besetzten Gebieten verurteilte, hieß es: "Kein Kommentar". Wie üblich herrscht Zurückhaltung bei politischen Äußerungen zum Nahostkonflikt.

Naher Osten im Blick

Die Region jedoch hat der Vatikan immer im Blick: Das Heilige Land mit den Ursprungsstätten des Christentums, mit den ungeklärten politischen Dauerkonflikten und den ständig schrumpfenden Kirchengemeinden ist und bleibt ein Dauerthema. Für Jerusalem fordert der Vatikan ein international garantiertes Statut, das Religions- und Gewissensfreiheit schützt, dem besonderen Charakter Jerusalems als Heiliger Stadt dreier Religionen Rechnung trägt und den Zugang zu den Heiligen Stätten sichert. Eine Erwartung, die der Vatikan gegenüber Israelis wie Palästinensern geltend macht.

Im Konflikt zwischen beiden Parteien betont der Vatikan einerseits das Recht des Staates Israel auf ein Leben in Sicherheit innerhalb international anerkannter Grenzen. Zugleich verlangt er für das palästinensische Volk ein Recht auf ein unabhängiges und souveränes Heimatland, ein Leben in Würde und freie Reisemöglichkeiten.

Friedensgebet mit Peres und Abbas

Immer wieder ruft der Vatikan Palästinenser und Israelis zu Frieden und Versöhnung auf. Bei seiner Nahostreise 2014 sagte Papst Franziskus, beide Seiten müssten den "Mut zum Frieden" aufbringen. Im Juni 2014 kamen auf Einladung des Papstes der damalige israelische Staatspräsident Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu einem Friedensgebet in die vatikanischen Gärten, kurz danach versuchte der Papst per Telefon ein Ende der Gewalt im Gazastreifen zu erreichen.

Trotz des Gaza-Krieges war das Friedensgebet im Vatikan nach Ansicht von Papst Franziskus nicht umsonst. Die Initiative habe auf jeden Fall ein Tor für den Frieden geöffnet. "Durch den Rauch der Bomben kann man das Tor nicht sehen, aber es ist weiter offen", sagte er. Peres und Abbas bezeichnete Franziskus als "Männer des Friedens".

Zum Tod Peres' Ende September 2016 schrieb Franziskus in einem Telegramm an Israels Staatspräsident Reuven Rivlin: "Ich hoffe, sein Andenken und seine vielen Jahre des Dienstes inspirieren uns alle, mit noch größerem Nachdruck für Frieden und Versöhnung zwischen Völkern zu arbeiten." Ein erneuter Appell für Verhandlungen, den Franziskus möglicherweise auch Palästinenserpräsident Abbas beim Treffen am Samstag noch einmal mit auf den Weg geben wird.

Stefanie Stahlhofen
(KNA)

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