Erzbischof Mario Zenari
Erzbischof Mario Zenari

08.08.2016

Papstbotschafter beklagt Völkerrechtsverletzungen in Syrien Hunger und Durst als Waffe

Der Krieg in Syrien wird nach Darstellung des dortigen Vatikanbotschafters zusehends mit völkerrechtswidrigen Mitteln geführt. In einigen Gebieten würden Hunger und Durst als Waffe eingesetzt, sagte der Nuntius in Damaskus, Erzbischof Mario Zenari.

Aleppo ist demnach seit Monaten von der Wasserversorgung abgeschnitten, sagt der Erzbischof telefonisch dem Sender Radio Vatikan (Montag). In einigen umkämpften Ortschaften sei auch die Belieferung mit Medikamenten und chirurgischen Instrumenten unterbunden. Derzeit lebten rund 600.000 Menschen unter Belagerung, so Zenari. Fünf Millionen weitere wohnten in Gebieten, die kriegsbedingt schwer zu erreichen seien.

Der Botschafter verwies auch auf mehrfache Angriffe mit Chemiewaffen in den vergangenen Jahren. Allerdings habe man für deren Einsatz "noch nicht die Schuldigen ermittelt". Weiter gerieten "täglich" Krankenhäuser, Schulen und Märkte, aber auch Flüchtlingslager, Kirchen und Moscheen unter Beschuss. Dabei seien die kriegführenden Parteien verpflichtet, das internationale Menschenrechte zu achten und Zivilisten zu schützen, so Zenari.

Sehr junge Opfer

Der Diplomat beklagte vor allem die minderjährigen Opfer. Viele Kinder seien durch Granatsplitter verwundet oder verstümmelt. Andere seien sexueller Gewalt ausgesetzt oder würden zum Kriegsdienst gezwungen. Mehr als zwei Millionen Kinder erhielten keine Schulbildung. In manchen Gebieten unter der Kontrolle des sogenannten Islamischen Staates würden Frauen und Mädchen "wie Vieh auf dem Markt" gehandelt, so der Nuntius.

(KNA)

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