Papst Franziskus
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Petersdom im Vatikan
Petersdom im Vatikan

09.06.2016

Die Kurienreform im Vatikan geht weiter "Im Landeanflug"

Der von Papst Franziskus eingeleitete Umbau der vatikanischen Behörden ist kompliziert und braucht Zeit. Doch allmählich kommt die Zielgerade in Sicht.

Die Arbeit an der Kurienreform, einem der ehrgeizigsten Großprojekte von Papst Franziskus, nähert sich allmählich der Zielgeraden. Zwar sei das Ende noch nicht absehbar und die Nennung eines Termins unmöglich, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Aber man befinde sich "eher im Landeanflug als im Steigflug", sagte er nach der 15. Konferenzrunde des zuständigen Kardinalsrates (K9-Rat).

Die neun Kardinäle aus aller Welt, darunter der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, befassten sich bei den dreitägigen Beratungen erneut mit der Arbeit einzelner Behörden. So widmeten sie sich erstmals ausführlich dem für Ökumene zuständigen Einheitsrat und dem Rat für den interreligiösen Dialog. Weiter standen erneut die Kongregationen für die Bischöfe, die Bildung, die Ostkirchen und den Klerus sowie das Staatssekretariat auf der Tagesordnung. Abschließend ging es um die Kongregationen für Glaubenslehre, für Sakramente, Heiligsprechungsverfahren und Orden. Hierfür würden nun entsprechende Vorschläge dem Papst übergeben, der die letzte Entscheidung über die Kurienreform hat.

Den Behördenapparat verschlanken

Kriterien für das Vorhaben sind, wie Lombardi erneut betonte: eine Vereinfachung der Strukturen, eine Harmonisierung zwischen den verschiedenen Behörden und Zuständigkeiten sowie mögliche Formen einer Dezentralisierung zugunsten der Bischofskonferenzen. Bereits am Vorabend der Konferenzrunde hatte der Papst die Bildung einer neuen Großbehörde für "Laien, Familie, Leben" angekündigt, die Anfang September ihren Dienst aufnehmen soll. In ihr werden die bisherigen Räte für die Laien und für die Familie zusammengeführt, denen die Akademie für das Leben angegliedert wird. Sie soll unter Leitung eines Präfekten, eines Sekretärs sowie drei Sektionschefs im Rang von Untersekretären stehen.

Ob der Präfekt den Rang eines Kardinals oder eines Bischofs haben soll, ließ der Papst offen. Sekretär könne auch ein Laie sein, für die drei Sektionsleiter solle dies in jedem Fall zutreffen. Offen ließ Franziskus auch alle Personalfragen.

Erneut stand diesmal eine andere Großbehörde auf der K9-Tagesordnung. Der in den Planungen mehrfach geänderte Titel soll nun "Caritas, Gerechtigkeit und Frieden" lauten. Zusammengeführt werden darin die bisherigen vier Räte "Iustitia et Pax", "Cor unum" sowie für Migranten und Krankenpastoral. Unklar scheint unterdessen, welchen Status die beiden neuen Behörden haben sollen, ob sie weiterhin "Räte" mit beratender Funktion oder "Kongregationen" mit Entscheidungsfunktion sein sollen. Bislang verwendet der Vatikan den vagen Terminus "Dikasterium" (Behörde).

Reform nimmt Konturen an

Damit nimmt die Kurienreform inzwischen doch einige Konturen an. Aus dem Bereich der bisherigen Päpstlichen Räte dürften die Behörden für Ökumene, für interreligiösen Dialog und für Kultur ihre Eigenständigkeit bewahren. Unterdessen ist der Rat für die Soziale Kommunikation dem neuen Medien-Sekretariat zugeordnet worden. Dieses Sekretariat, in dem innerhalb von vier Jahren die neun vatikanischen Medieneinrichtungen zusammengeführt werden sollen, gehört neben dem Wirtschaftsrat und dem Wirtschaftssekretariat zu den bereits auf den Weg gebrachten neuen Strukturen.

Derweil scheint offen, ob das "Außenministerium" auch künftig mit dem Staatssekretariat verbunden bleibt oder wieder eigenständig wird. Wenig Veränderungen zeichnen sich für den Bereich der Kongregationen ab. Noch wichtiger als strukturelle Veränderungen ist dem Papst bei dem Reformprojekt wohl aber eine neue Mentalität. Für ihn stehen der Dienstcharakter der vatikanischen Kurie für den Papst und die Weltkirche im Vordergrund - und nicht Macht, Einfluss und Prestige.

Von Johannes Schidelko
(KNA)

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